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Untersuchung zum Thema Fahren ohne Alkohol und Drogen:

20.10.2005

Akzeptanz für 0 Promille vorhanden

Hannover/ Stuttgart, im Oktober 2005. Junge Fahrer tragen das höchste Unfallrisiko im Straßenverkehr. Einen zusätzlichen Risikofaktor beim Autofahren stellt Alkohol- und Drogenkonsum dar. Mit dem Projekt „Fahren ohne Alkohol und Drogen im Freistaat Sachsen“ hat das IVU (Institut für Verkehr und Umwelt der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg e.V., Stuttgart) Erkenntnisse gewonnen, wie sich die Situation positiv beeinflussen ließe. Der Regenreifenhersteller Uniroyal hat das Projekt unterstützt.

Die Pressemitteilung als doc-Datei zum Herunterladen (67 KB)

Mit innovativer Methodik und jahrzehntelanger Erfahrung hat Prof. Dr.-Ing. Günter Sabow vom IVU belastbare Aussagen zum Thema Fahren ohne Alkohol und Drogen erarbeitet. Erstmals wurden Projektteilnehmer mit dem Einsatz eines Mobilfunk gestützten „elektronischen Tagebuches“ begleitet und über einen Zeitraum von sechs Wochen täglich befragt. Diese Methode (cami-Methode, computer assisted mobile interview) eignet sich insbesondere zur Erhebung von situativen Merkmalen wie Verhalten, Stimmung, Motivation. Es kamen vorwiegend geschlossene Fragen zum Einsatz, die zu 90 % erfolgreich beantwortet wurden, auch weil notfalls zweimal im stündlichen Rhythmus nachgefragt wurde. Den Befragten wurden Mobiltelefone kostenlos zur Verfügung gestellt.

Alkohol hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Sein Konsum steht für Geselligkeit, Anregung, Entspannung und Erwachsensein, seltener für negative Dinge wie Verzweiflung, Vergessen und Betäuben. Abgesehen vom gesellschaftlichen Stellenwert gilt ähnliches für Drogen. Das Auto und Autofahren bedient vergleichbare Motive. Leider wird der Konsum von Alkohol und/ oder Drogen zu häufig mit dem Autofahren verknüpft. Die Steigerung der Problematik liegt dann vor, wenn junge Fahrer dies tun.

Das IVU hat folgendes Modell formuliert:

Aus den vorliegenden Erkenntnissen wird Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss gefördert durch

  • Die gemeinsamen zugrunde liegenden Motive und Gelegenheiten
  • Mangelnde Kenntnisse, falsche Selbsteinschätzung und Spontaneität
  • Gruppendruck, mangelnde soziale Unterstützung

Dagegen wird die Trennung von Alkohol und Drogen vom Fahren gefördert durch

  • Eine strategische Entscheidung für 0,0 Promille am Steuer und entsprechendes Selbstmanagement sowie Vorausplanung und situative Kontrolle
  • Kenntnisse, Kommunikation, zielgruppengerechte Ansprache und Aufklärung
  • Kritische Selbsteinschätzung, auch im Schwellenbereich
  • Soziale Unterstützung, Akzeptanz, Ressourcen

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Akzeptanz würde eine 0 Promille-Regelung bei jungen Autofahrern nach verschiedenen Befragungen der letzten Jahre durchaus haben. Ebenso wird einem absoluten Alkoholverbot beim Autofahren ein höchster Sicherheitseffekt zugestanden. „Für eine entsprechende Sensibilisierung müssten jedoch Anspracheformen gewählt werden, die der Zielgruppe adäquat sind“, so Prof. Dr.-Ing. Günter Sabow in seinem Untersuchungsbericht.

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Vorabbefragung und Ergebnisse

Für das Verkehrssicherheitsprojekt für junge Fahrer im Freistaat Sachsen wurde eine heterogene Gruppe von jungen Fahrerinnen und Fahrern, mehrheitlich Fahranfänger, befragt. Bundeswehrrekruten wurden als weitere Risikogruppe in die Befragungen mit einbezogen. Die Daten wurden anonym zur Verfügung gestellt. Aus dieser schriftlichen Vorbefragung ergaben sich klare Aussagen.

Am deutlichsten befürwortet wurde Folgendes:

  • Wer Trinken und Fahren konsequent trennt, zeigt Stärke und Verantwortungsbewusstsein (89 %)
  • Drogen passen nicht zum Autofahren (92%)
  • Eindeutige Verbote (0,0 Promille) geben mehr Klarheit, wie man sich verhalten soll (68%)
  • Durch ein absolutes Alkoholverbot in der Probezeit würden deutlich weniger Unfälle passieren (68 %)

Klar negiert wurden hingegen folgende Aussagen:

  • Gegen einen kontrollierten Umgang mit Ecstasy ist nichts einzuwenden (91%)
  • Nach 2 – 3 Gläsern Bier fahre ich genauso gut wie nüchtern (79%)
  • Gegen einen kontrollierten Umgang mit Haschisch ist nichts einzuwenden (76%)
  • „Weiche Drogen“ sollten endlich legalisiert werden (72%)

Insgesamt zeigte sich ein befriedigender Kenntnisstand über alkohol- und drogeninduzierte Gefahren bei der Verkehrsteilnahme, im Bereich der gesetzlichen Bestimmungen zeigten sich jedoch erhebliche Defizite. Weniger als 50 Prozent der Befragten kennen demnach die 0,3 Promillegrenze. Die im Projekt sensibilisierten Teilnehmer zeigten gegenüber einer „unbehandelten“ Vergleichsstichprobe deutlich weniger Verkehrsverstöße und einen besseren Wissensstand.

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Erkenntnisse

Es bestehen Zusammenhänge zwischen Wissensstand und den Konsumgewohnheiten: Wer viel trinkt, verfügt tendenziell über weniger Wissen und Kompetenzen. Für mindestens 10% junger Fahrerinnen und insbesondere Fahrer ergeben sich regelmäßig Probleme bei der Trennung von Trinken und Autofahren. Die Akzeptanz für ein absolutes Alkoholverbot am Steuer ist hoch und dies würde mehr Sicherheit geben, wie man sich zu verhalten hat. Die gegenwärtige Praxis mit unterschiedlichen Bestimmungen ist schwer nachvollzieh- und einprägbar. Zum Drogengebrauch wurden kaum belastbare Angaben gemacht. Das spricht für eine große Verunsicherung (Angst um die Fahrerlaubnis) und weiteren Forschungsbedarf. Fahren unter Drogeneinfluss wird stärker abgelehnt als das Fahren unter Alkoholeinfluss.

Handlungsempfehlungen

  • Die gesetzlich zulässige Promillezahl beim Führen von Kraftfahrzeugen sollte für Fahranfänger in der Probezeit auf 0,0 Promille gesenkt werden
  • Es sollte ein Bonussystem entwickelt werden, das FahrerInnen bevorzugt, die eine selbst verpflichtende, strategische Entscheidung für ein Fahren ohne Alkoholeinfluss treffen und sich hierzu auch schriftlich gegenüber ihrem Haftpflichtversicherer verpflichten.
  • Aufklärungs- und Informationsmaßnahmen sollten intensiviert werden
  • Eine Motivations- und Erinnerungskampagne sollte andere Maßnahmen unterstützen.
  • Es muss langfristig auf ein neues, positives Rollenbild und -verständnis des nüchternen Fahrers hingearbeitet werden. Dies ist in einigen europäischen Staaten, z.B. in Belgien unter dem Schlagwort „BOB“, im Wesentlichen gelungen. Dieses Modell sollte als Vorbild dienen, müsste aber auf deutsche Verhältnisse und Mentalitäten angepasst werden.

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Der komplette Projektbericht, 135 Seiten stark, kann gegen eine Schutzgebühr von 25 Euro beim IVU (Ernsthaldenstraße 17, 70565 Stuttgart) bezogen werden.

Das Projekt wurde gefördert vom Sächsischen Staatsministerium des Inneren, Dresden und im Auftrag der Landesverkehrswacht Sachsen e.V. durchgeführt. Weitere Projektpartner und Sponsoren waren

ACE Auto Club Europa e.V., Stuttgart

B.A.D.S. Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr, Landessektion Sachsen

BKK Zollern-Alb, Balingen/ Dresden

Vodafone D2 GmbH, Niederlassung Ost, Radebeul

Uniroyal, Hannover

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Der belgische Gummiwarenhersteller Englebert produzierte seit 1895 Reifen, unter anderem für die Continental AG. Ab 1958 hieß die Firma nach dem Zusammenschluss mit US Rubber dann Uniroyal Englebert. Uniroyal, der Erfinder des Regenreifens, ist seit 1979 eine europäische Marke der Continental AG, Hannover.

Der Continental-Konzern ist ein führender Anbieter für Bremssysteme, Fahrwerkkomponenten, Fahrzeugelektronik, Reifen und Technische Elastomere. In 2004 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 12,6 Mrd Euro und beschäftigt derzeit weltweit mehr als 81.000 Mitarbeiter.

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Lars Döhmann

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