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Warum Autos plötzlich Wasserski fahren

19.04.2004

Hannover, im Frühjahr 2004. Kaum eine Fahrsituation ist unter Autofahrern so gefürchtet wie das unerwartete Aquaplaning. Bei Tauwetter oder ergiebigen Schauern ist das Aufschwimm-Risiko besonders groß. Warum das so ist, die technischen Hintergründe und wertvolle Tipps zur Vermeidung von Notsituationen auf Nässe lesen Sie hier.

Die Pressemitteilung als doc-Datei zum herunterladen (948 KB).

In der nasskalten Jahreszeit sehen sich Autofahrer einer ganzen Reihe von Gefahren ausgesetzt. Diffuse Lichtverhältnisse und die feuchte Witterung beeinträchtigen Konzentrations- und Reaktionsvermögen. Kurze Schönwetterperioden wechseln sich ab mit langen Regenperioden. Das Unfallrisiko ist um das Zwei- bis Vierfache erhöht. Dabei nimmt das gefürchtete Aquaplaning einen besonderen Stellenwert ein insbesondere, wenn das Tauwetter einsetzt und große Wassermengen die Straßen überfluten. Was ist das besondere Risiko von Aquaplaning aus technischer Sicht? Wenn sich bei Regen vor den Reifen zunächst ein Wasserkeil bildet und dieser sich schließlich unter die Bodenaufstandsfläche schiebt, führt dies schlagartig zum Verlust der Kontrolle.

Auf regennasser Fahrbahn nehmen die Reibwerte zwischen Reifen und Straße - und damit die übertragbaren Kräfte für das Lenken, Bremsen oder Beschleunigen - deutlich ab. Bei starken Regenfällen ist generell die Gefahr von Aquaplaning gegeben, weil manche Fahrbahnen permanent unter Wasser stehen und das Wasser nicht mehr abfließen kann. Oft bilden sich Pfützen, die durch die Gischt des vorausfahrenden Fahrzeugs nicht erkennbar sind. Mit zunehmender Geschwindigkeit und steigender Wasserhöhe schiebt sich nach und nach ein Wasserkeil unter die Reifenlauffläche, weil das Profil die enormen Wassermassen nicht mehr schnell genug aufnehmen und zu den Seiten und nach hinten abführen kann. Bei 80 km/h werden pro Sekunde bis zu 25 Liter verdrängt! Schließlich reißt der sich rasch vermindernde Kontakt zur Straße völlig ab und das Fahrzeug schwimmt auf, ganz ähnlich einem schnell dahin gleitenden Surfbrett.

Die Warnsignale sind eindeutig: Heftiges Wasserrauschen von unten und eine zunehmend leichtgängigere Lenkung künden die drohende Verdrängerfahrt an. Schließlich reagiert die Lenkung überhaupt nicht mehr, bei Fronttrieblern drehen die Antriebsräder blitzartig durch, der Motor heult auf. Das Fahrzeug ist außer Kontrolle geraten, der Zufall bestimmt über Unfall oder nicht.

Dieser Zustand ereignet sich meistens auf der Autobahn; und nur weil dort fast immer geradeaus gefahren wird, geht die Situation in der Regel glimpflich aus vorausgesetzt, der Fahrer gerät nicht in Panik und reagiert übermäßig. Uniroyal empfiehlt für diese Notsituation folgendes Verhalten: "Nicht lenken, Lenkrad festhalten, Kupplung treten und warten, bis die Reifen wieder Kontakt hergestellt haben."

Dabei ist man dem Aquaplaning keineswegs hilflos ausgeliefert. Das Wissen um seine Entstehung und das Beherzigen einiger Tipps helfen, das Aufschwimmen zu vermeiden: Zu niedriger Reifenfülldruck, aber vor allem zu geringe Profiltiefe begünstigen das Aquaplaning drastisch. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 mm reicht nicht aus. Daher rät Uniroyal, die Reifen (vor allem die breiteren Formate) spätestens bei Erreichen von 3 mm Restprofiltiefe zu wechseln. Gegenüber Neureifen mit 8 Millimetern Profiltiefe ist die Gefahr von Aquaplaning da schon mehrfach erhöht.

Eine angepasste Geschwindigkeit ist bei starken Regenfällen ein absolutes Muss. Zwar erreichen manche nagelneuen Reifen mit 8 mm Profiltiefe bei Reifentests Aufschwimmgeschwindigkeiten von über 90 km/h. Doch die Praxis sieht anders aus: In den von Lkw ausgefahrenen Spurrillen haben sich möglicherweise tiefe, lange Pfützen gebildet. Glattere Fahrbahnbeläge und der vielleicht doch nicht optimale Reifenzustand senken die Grenze weiter ab, und so schwimmt das Fahrzeug im ungünstigen Fall bereits bei 70 km/h oder noch weniger auf, während der schnellere Schwer-Lkw das Format des Rückspiegels füllt.

Die goldenen Regeln für sichere Regenfahrten heißen: ausreichend Reifenprofil, korrekter Luftdruck (besser 0,2 bis 0,3 bar über dem werkseitig angegebenen Mindestluftdruck), angepasste Geschwindigkeit, genügend Abstand zum Vordermann, erhöhte Aufmerksamkeit bei schlechter Sicht und während längerer Regenperioden.

Der belgische Gummiwarenhersteller Englebert produzierte seit 1895 Reifen, unter anderem für die Continental AG. Ab 1958 hieß die Firma nach dem Zusammenschluss mit US Rubber dann Uniroyal Englebert. Uniroyal, der Erfinder des Regenreifens, ist seit 1979 eine europäische Marke der Continental AG, Hannover.

Continental ist ein führender Anbieter für Reifen, Bremssysteme, Fahrwerkkomponenten und technische Elastomere. Das Unternehmen hat im Jahr 2003 einen Umsatz von 11,5 Milliarden Euro erwirt-schaftet und beschäftigt derzeit weltweit rund 69.000 Mitarbeiter.

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Lars Döhmann

Leiter Presse Uniroyal

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