|
Über Abseits kann man zwar nicht mit ihr diskutieren, aber ansonsten ist die Südafrikanerin Rene Olivier eine versierte Expertin: Im Interview mit ContiSoccerWorld spricht die Leiterin der PR- und Communications-Abteilung von Continental Südafrika über die Bedeutung des Fußballs in ihrer Heimat, über gewöhnungsbedürftige Fan-Accessoires bei der anstehenden Weltmeisterschaft, über das Leben in der Post-Apartheid-Ära – und über ihre kurze Karriere als Torfrau. ContiSoccerWorld: Frau Olivier, Südafrika ist ja eigentlich eine Rugby- und Cricket-Nation. Wie wichtig ist die Fußballweltmeisterschaft für die Menschen in Ihrem Land? |
![]() Rene Olivier |
|
Rene Olivier: Oh, wir können uns auch für andere Dinge als Rugby begeistern! Als klar war, dass wir Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft sein würden, ging eine Welle der Euphorie durchs Land. Diese WM ist ja neben den Olympischen Spielen das größte Sportereignis der Welt! Es gab aber auch viele, und dazu zähle ich mich, muss ich gestehen, die im nächsten Moment dachten: Um Gottes willen, das bekommen wir nie hin! Seit aber im Sommer 2009 der Confederations Cup zu einer rundum erfolgreichen Generalprobe wurde, sind nun auch die größten Skeptiker überzeugt, dass Südafrika die Weltmeisterschaft 2010 perfekt über die Bühne bringen wird. Das wird eine tolle Sache, und das sage ich als jemand, der nicht einmal alle Regeln kennt (lacht). ContiSoccerWorld: Welche Rolle spielt denn Fußball überhaupt in Südafrika, wenn gerade keine WM ansteht? Spricht man am Montagmorgen über die Liga-Ergebnisse des Wochenendes? Rene Olivier: Grundsätzlich ist Südafrika ja keine traditionell gewachsene Fußballnation, so wie es viele Länder in Europa oder Lateinamerika sind. Montagmorgens spricht man zwar schon über Fußball, aber doch eher darüber, wie Manchester United, Chelsea oder Arsenal gespielt haben, die englische Liga ist sehr präsent bei uns. Wobei ich schon während des Confederations Cups erlebt habe, wie Hardcore-Rugby-Fans plötzlich bei jedem Spiel vor dem Fernseher hingen. Die Weltmeisterschaft wird die Bedeutung des Fußballs sicher enorm stärken. Das Fußballfieber steigt, es ist wie bei einer Hochzeit: Das Ereignis rückt näher, man ist mit tausenden Vorbereitungen beschäftigt, und mit jedem Tag wächst die Vorfreude. Das spürt man im ganzen Land. 1995 hat Südafrika ja den Rugby-Worldcup gewonnen, das war kurz nach den so bedeutenden ersten freien Wahlen 1994, als Nelson Mandela Präsident wurde. Jetzt sagt man bei uns, dass die Fußball-WM für das Land eine ebenso wichtige, verbindende Rolle spielen wird wie seinerzeit der Rugby-Titel. ContiSoccerWorld: Die Fans in Europa sind jetzt ein bisschen besorgt, dass die WM vor allem ein für die Ohren unvergessliches Erlebnis wird… Schon beim Confederations Cup war diese sehr laute Geräuschkulisse in den Stadien zu vernehmen, selbst am Fernseher, verursacht durch tausende Fantrompeten. Rene Olivier: Sie meinen die Vuvuzelas. Man wird sich daran gewöhnen müssen, fürchte ich. Diese Trompete ist bei uns ein traditionelles Fußballfan-Accessoire. Sie ist nervtötend, ich weiß. Die Spieler haben beim Confed Cup auf dem Platz ihr eigenes Wort nicht mehr verstanden und die Pfeife des Schiedsrichters war wohl auch nicht immer zu hören. Das gehört aber nun einmal dazu. Mein Rat an alle internationalen Fans ist, sich am besten auch so ein Ding zu besorgen und einfach mitzumachen. Und man sollte vorher üben, denn so eine Vuvuzela ist gar nicht so einfach zu blasen, wie man denkt. ContiSoccerWorld: Was sollte man sonst beachten als Fußball-Fan in Südafrika? Rene Olivier: Als Tourist sollte man ein paar Dinge beachten. Man muss darauf achten, wohin man geht und wie man sich bewegt. Jeder Einreisende bekommt wichtige Regeln mit auf den Weg, wo Gefahren lauern könnten, auch die Hotels weisen ihre Gäste darauf hin. Und diese Regeln sollte man befolgen. Wer das tut, wird eine wunderbare Zeit bei uns haben. Südafrika ist ein beeindruckendes Land, das vor allem ganz anders ist, als die meisten Mensachen erwarten. In der Nähe jedes Stadions sind atemberaubende Landschaften, Monumente, Natur zu erleben. Kapstadt etwa ist eine traumhaft schöne Metropole, auf dem Tafelberg sollte jeder einmal gestanden haben. Port Elizabeth, die Stadt, in der ich arbeite und wohne, ist sehr angenehm, sehr übersichtlich, wunderschön am Meer gelegen, man kann sogar Delfine beobachten. Die meisten Hotels bieten Ausflüge in die Umgebung an, das sollte man sich nicht entgegen lassen. ContiSoccerWorld: Sie sind in Südafrika geboren und aufgewachsen: Spürt man die Nachwehen der Apartheid noch sehr im täglichen Leben? Rene Olivier: Es braucht sicher noch Zeit, bis alle Wunden geheilt sind und dieser Teil unserer Geschichte wirklich Geschichte ist. Ich bin 38 Jahre alt, habe also vieles noch miterlebt, und ich vermute, dass erst die nächste Generation wirklich sagen kann, dass die größten Probleme wirklich Vergangenheit sind. Meine Tochter ist heute sechs Jahre alt, und ich hoffe sehr, dass sie, wenn sie in meinem Alter ist, in einer geeinten Gesellschaft leben wird. Ich glaube fest daran, dass wir es schaffen, wenn wir uns auf die positiven Dinge konzentrieren. Wenn man sich immer nur mit all den Dingen beschäftigt, die noch nicht bewältigt sind, dann verharrt man in einer negativen Grundstimmung, die dem Land nicht gut tut. ContiSoccerWorld: Ein Themenwechsel: Reifen sind ja ein Thema, das meist doch eher die Männer interessiert, auch findet man nicht viele Frauen in Führungspositionen der Reifenindustrie. Fühlen Sie sich wohl bei Conti? Rene Olivier: Auf jeden Fall! Ich habe ja als Sekretärin für den National Sales Manager in Kapstadt angefangen, bin dann aber recht bald in die Marketing-Abteilung gewechselt. Vor sieben Jahren bin ich nach Port Elizabeth gegangen, zunächst als Assistentin des CEO. Und seit 2007 bin ich nun Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit. Sie haben Recht, Reifen sind per se kein Thema, mit dem Frauen sich besonders befassen. Ich finde es aber hochspannend. Und ich hoffe, dass mir noch viele Kolleginnen folgen werden. Man muss stark sein und genau wissen, was man will, um in so einem doch von Männern dominierten Arbeitsumfeld zu bestehen. Das Marketing ist zum Glück eine überschaubare Abteilung, wir kommen alle sehr gut miteinander aus. Vor kurzem erst aber hat ein Kollege von mir einen anzüglichen Witz erzählt. „Hallo, Leute“, habe ich da gesagt, „ich bin auch hier. Und ihr erzählt hier solche Witze.“ Da hat der Kollege nur erwidert: „Rene, du bist doch einer von uns Jungs.“ Ich weiß nicht, ob ich so etwas als Kompliment auffassen sollte… Es war aber lieb gemeint, und wir haben alle gelacht. ContiSoccerWorld: Noch eine persönliche Frage: Sie haben eingangs erzählt, Sie seien vor dem Confederations Cup 2009 nicht an Fußball interessiert gewesen. Nun haben unsere investigativen Recherchen aber ergeben, dass Sie bereits 2006 beim ContiSoccerCup, der unternehmensinternen Fußball-WM von Continental, für das Frauenteam Südafrikas im Tor standen… Rene Olivier: (lacht schallend) Stimmt! Das heißt aber nicht, dass ich damals viel vom Spiel verstanden hätte. Es war mein erster Ausflug auf den Platz, wie für alle Teammitglieder, und es hat einen Heidenspaß gemacht, obwohl wir alle totale Amateure waren und jeder hier im Unternehmen uns zunächst freundlich ausgelacht hat. Aber wir hatten einen engagierten Trainer, der uns mit dem Regelwerk vertraut gemacht und zu einer Mannschaft geformt hat. Auch wenn er während des Jahres damals ein paar Mal kurz vor dem Nervenzusammenbruch stand (lacht). Immerhin waren wir so erfolgreich, dass wir am Ende nach Hannover zur Endrunde gefahren sind. Dort hat man uns dann allerdings unsere Grenzen aufgezeigt. Dieses Mal sind wir leider nicht dabei, im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft haben wir soviel zu tun, dass für diesen Spaß keine Zeit bleibt. ContiSoccerWorld: Was sind denn besonders einprägsame Erinnerungen an Ihre kurze Karriere als Torhüterin? Rene Olivier: Dass es höllisch weh tut, wenn man den Ball ins Gesicht bekommt! Und dass das Ganze nicht so einfach ist, wie es zunächst aussieht. ContiSoccerWorld: Eine Frage mit größtem Klischeewert, aber hier kommt sie: Können Sie Abseits erklären? Rene Olivier: Nein! Das ist die eine Regel, die ich wirklich nie ganz verstanden habe. Machte aber nichts, als Torfrau musste ich ja nur eins wissen: Der Ball darf nicht ins Netz. Medien-Kontakt: Alexander Lührs Leiter Öffentlichkeitsarbeit Division Pkw-Reifen Continental AG Büttnerstr. 25 I D-30165 Hannover Tel.: +49 511 / 938 2615 E-Mail: alexander.luehrs@conti.de Bilddatenbank unter http://mediacenter.conti-online.com |