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Die C-Klasse rauscht durch die Steilkurve. Angelo Pérez Riemer aber referiert so ruhig und entspannt über Radlasten und Querbeschleunigung, als würde er auf einer Händlertagung einen Powerpoint-Vortrag über die Vorteile guter Reifen halten. Tatsächlich sitzt der Continental-Mitarbeiter hinterm Lenkrad einer silberfarbenen Limousine, die mit mehr als 200 Stundenkilometern über das große Teststrecken-Oval am Contidrom jagt. Die Steilkurven dienen dazu, seitenkraftfrei durch die Kurven rasen zu können, im Prinzip also könnte ein Fahrer selbst bei hohen Geschwindigkeiten die Hände vom Lenkrad nehmen, ohne die Spur zu verlieren. Aber das muss jetzt nicht sein, trotz zuverlässiger Bereifung mit dem ContiSportContact 3. „Das sind jetzt übrigens 2 g“, sagt Pérez Riemer, „nur so zur Orientierung.“ Orientierung ist bei zweifacher Erdanziehungskraft in einem handelsüblichen Pkw ein gutes Stichwort. In der Steilkurve muss man sich konzentrieren, damit zumindest der Magen nicht die Orientierung verliert. Der Wagen scheint das gewölbte, graue Asphaltband zu verschlingen. Das blaue Himmelsband, der niedersächsische Nadelwald – sie sind aus dem Blickfeld verschwunden. |
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Für Testfahrer Angelo Pérez Riemer ist die Fahrt durchs Kurvenoval nur eine von vielen alltäglichen Disziplinen, die er stundenlang absolvieren kann, ohne blass um die Nase zu werden. Der 34-Jährige Halbspanier und gebürtige Niedersachse, dessen Großmutter schon bei Continental im Werk gearbeitet hat, ist Reifentester beim Zuliefererspezialisten und als Teamleiter verantwortlich für so genannte subjektive Reifentests. Dabei wird nicht mit Messinstrumenten getestet, sondern mit dem „Popometer“, wie man im Fahrerlager sagt. Einzig die geschärften Sinnesorgane und jahrelange Erfahrung hinterm Steuer von Testfahrzeugen ermöglichen es Pérez Riemer und seinen Kollegen, über ihre subjektive Beurteilung von Reifen letztlich objektiv verwertbare Testergebnisse zu bekommen. Wie verhält sich ein Reifen beim abrupten Spurwechsel? Wie beim Bremsen auf nasser Fahrbahn? Wie klingt das Gummi bei Hochgeschwindigkeit? Solche Fragen müssen die Reifentester beantworten, damit die Leistung eines Reifen rundum beurteilt werden kann. Dazu kommen umfangreiche „objektive Testreihen“ – Disziplinen also, bei denen ein Reifen noch einmal mit Hilfe von Messinstrumenten zum Beispiel in Sachen Handling, Bremsverhalten, Fahrgeräusch oder Aquaplaning geprüft wird. |
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Das große Hochgeschwindigkeits-Oval vom Contidrom, ein 2,8 Kilometer langer Rundkurs mit einem maximalen Neigungswinkel von 58 Grad in beiden Kurven, ist nur eine Teststrecke von vielen, auf denen ein Reifen sich beweisen muss, bevor er nach zwei bis dreijähriger Entwicklungszeit die Straßenzulassung erhält. Die Versuchsreihen auf der Tempo-Strecke aber sind ein entscheidendes Kriterium für die Leistung eines Reifens. Denn bei hohen Geschwindigkeiten ändern sich die physikalischen Kräfte, die auf einen Reifen wirken. Während zum Beispiel im Stand ein Gewicht von rund 250 Kilogramm auf einen Reifen am Fahrzeug wirken, sind es bei Tempo 160 nur noch 30 Kilogramm. Durch die Aerodynamik zieht das Fahrzeug sich hoch, man bekomme einen drag, wie Pérez Riemer es in der Fachsprache ausdrückt. „Die Fahreindrücke sind dann ganz anders als bei geringen Geschwindigkeiten.“ Ein Reifen mit dem Geschwindigkeitsindex V, der bis zu 240 km/h zugelassen ist, wird natürlich auch in diesem Grenzbereich von den Reifentestern erprobt. „Ein Reifen muss auch am Limit und in kritischen Fahrsituationen sauber zu lenken sein“, sagt Experte Pérez Riemer. „So wie jetzt zum Beispiel…“ Er reißt auf der langen Geraden das Lenkrad bei Tempo 180 schnell von links nach rechts und simuliert ein abruptes Ausweichmanöver auf der Autobahn. Hoher Puls und nasser Schweiß auf dem Beifahrersitz – aber das Fahrzeug fängt sich. „Sehen Sie?“, fragt der Pilot. „Das muss ein guter Reifen können.“ |
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Jeder Reifen von Continental wird auf den unterschiedlichen Parcours des 160 Hektar großen Testgeländes Contidrom einem anspruchsvollen Programm unterzogen, auf einer der modernsten Teststrecken weltweit, 35 Kilometer nordöstlich von Hannover gelegen. Hier testen Automobilclubs, der TÜV, Auto-Zeitschriften und alle namhaften Autohersteller nicht nur Reifen, sondern etwa auch ESC-Abstimmungen. Auf dem Nassbremskurs zum Beispiel wird auf unterschiedlichen Straßenbelägen wie Asphalt, Beton und Kopfstein das Bremsverhalten von Reifen bei Nässe getestet. Im Aquaplaningbecken und auf einem schienengeführten Streckensystem wird untersucht, ab welchen Geschwindigkeiten ein Reifen aufschwimmt. Im knapp vier Kilometer langen Handlingkurs wiederum kann ein Reifen zeigen, wie er im Einsatz am Limit die Spur halten kann. |
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„Pérez im Trockenhandling“ – Testfahrer Angelo Pérez Riemer hat von der Leitstelle im Contidrom-„Tower“ grünes Licht für den Trockenhandlingkurs bekommen. Die nächsten 15 Minuten quietschen die Reifen, so dass man aus der Geräuschkulisse perfekte Soundfiles für jede Hollywood-Verfolgungsjagd machen könnte. Auf dem Fahrersitz wird von Lenkwinkeln, Fahrzeugreaktionen und dem perfekten Zeitverzug erzählt und man bekommt ein Gespür dafür, was für ein anspruchsvolles Gewerbe der Beruf des Reifentesters ist und welche Kräfte an Mensch und Maschine zerren, wenn ein schwarzer Pneu am Limit getestet wird. Maximal 400 Kilometer schafft ein Tester am Tag, wobei für Reifen und Fahrzeug ein Testkilometer bis zu zehn Kilometern im normalen Fahrbetrieb entsprechen: Nach rund 50.000 Kilometern muss jedes Testfahrzeug aus dem Verkehr gezogen werden. |
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Neben dem Contidrom gibt es weltweit noch rund 20 weitere Strecken, auf denen Continental-Reifen getestet werden. Je nach Produktkategorie – etwa Sommer-, Winter- oder Off-Road-Reifen – und späterem Markteinsatz werden die Reifen am Nürburgring, auf texanischen Schotterpisten in Uvalde, einen dänischen Sandstrand auf Römö, verschneite Alpenpässe in Österreich und vereiste Straßen in Neuseeland oder am schwedischen Polarkreis und sogar in einer Eissporthalle gefahren, um die Straßenzulassung zu erhalten. Im Erstausrüstergeschäft etwa verlangt jeder Kunde von Continental – wie zum Beispiel Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche oder Volkswagen - ganz Marken-spezifische Charakteristika auch für die Bereifung. Der eine legt besonderen Wert auf die Handling-Eigenschaften, der andere auf Komfort-Aspekte oder auf Nassgriff. Bei jedem Test gibt es ein so genanntes Pflichtenheft, in dem alle gewünschten Aspekte aufgelistet sind und die ein Reifenhersteller bei der Konzeption eines neuen Produkts zu erfüllen hat – und die dann in aufwändigen Tests erprobt werden. Rund 120 Testfahrer sind bei Continental rund um den Globus im Einsatz. Einer davon fährt jetzt noch einmal in den Oval-Kurs am Contidrom und erklärt, wie Lenkimpulse durch die Reifen auf die Straße gebracht werden und wie sich das für einen Versuchsfahrer anfühlen muss. „Entscheidend dabei ist, wie das Fahrzeug beim Lenken reagiert, ob die Querbeschleunigung klar, präzise und eckig ist oder eher weich“, sagt Pilot Pérez Riemer. Der silberfarbene Mercedes ist schon wieder bei Tempo 200 und rast aus einer der Steilkurven. „Ich weiß, was mir das Fahrzeug durch die kleinsten Reaktionsverzüge erzählen will“, erläutert er, während die Landschaft vorbeifliegt. „Im Prinzip könnte ich jetzt die Augen schließen und wüsste, was das Fahrzeug gleich machen wird.“ Bitte nicht… Rückfragen an: Alexander Lührs Leiter Öffentlichkeitsarbeit Pkw-Reifen Continental AG Büttnerstraße 25 , 30165 Hannover Tel.: +49 (0) 511 938 2615 Fax: +49 (0) 511 938 2455 E-Mail: alexander.luehrs@conti.de Internet: www.conti-online.com |
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