Mai 2006:
Nationaltorwart und Continental-Markenbotschafter Timo Hildebrand: „Bodenhaftung ist die Normalität“

Timo Hildebrand kennt sich aus mit Grip: Seine Hände und Handschuhe sind oft die letzte Rettung, damit kein Ball ins Tor rutscht – in der Nationalmannschaft wie bei seinem Verein VfB Stuttgart. Im exklusiven Interview verrät der Conti-Markenbotschafter, welche Dinge im Leben ihm Halt geben. Wann er doch mal den Boden unter den Füßen verloren hat – und wie er einmal beim Autofahren ins Rutschen kam.

FRAGE: Herr Hildebrand, vor entscheidenden Freistößen oder Elfmetern kann man Torhüter dabei beobachten, wie sie sich in die Handschuhe spucken. Gibt das tatsächlich einen besseren Grip?

HILDEBRAND: Ja. Der Haftschaum wir dadurch leistungsfähiger.

FRAGE: Haben Sie sonst irgendwelche Tricks, mit denen Sie den Grip, die Haftung Ihrer Handschuhe verbessern und noch mehr scharfe Schüsse halten?

HILDEBRAND: Jeder Torwart findet im Lauf der Jahre ein Material, das er gut findet, welches ihm zusagt. Also so eine Art individuelle Schaummischung seiner Handschuhe. Man muss das eben ausprobieren, in etlichen Testphasen. Da gibt es eigentlich keine Geheimrezepte oder spezielle Dinge. Ich bevorzuge allerdings gebrauchte Handschuhe, die ich zuvor ein- bis zweimal getragen und für gut befunden habe.

FRAGE: 89 Minuten passiert nichts, und dann rennt plötzlich der gegnerische Stürmer auf Sie zu – und Sie als Torwart haften mit dafür, dass hinten die Null steht. Stresst Sie diese Verantwortung als letzter Mann bisweilen?

 

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HILDEBRAND: Nein, das ist kein Stress, sondern diese ganz besondere Herausforderung für mich. Genau das macht die Besonderheit des Torwartspiels aus, deswegen bin ich Torwart.FRAGE: Einmal angenommen, Jens Lehmann und Oliver Kahn wären indisponiert und das sportliche Schicksal verschafft Ihnen einen Auftritt im WM-Finale. Es kommt zum Elfmeterschießen: Gegen welchen Spieler würden Sie am liebsten den entscheidenden Strafstoß halten?

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HILDEBRAND: Ehrlich gesagt, mit solchen Dingen beschäftige ich mich nicht.

FRAGE: Wie gelingt es Ihnen, sich in entscheidenden Situationen voll zu konzentrieren und das Drumherum – Stadion, Fans, Spieler – auszublenden?

HILDEBRAND: Ich fokussiere mich zu hundert Prozent auf das Spiel, auf die jeweiligen Aktionen. Das erfordert mentale Konzentration, das Ausblenden aller anderen äußeren Reize. Optisch wie akustisch. So etwas lernt man einfach mit der Zeit.

FRAGE: Gab es Momente in Ihrer Karriere, wo Sie sich sagen mussten: Jetzt bloß nicht abheben? Zum Beispiel nach der Berufung in die Nationalmannschaft? Oder während Ihres legendären 884-Minuten-Rekordes ohne Gegentor im Jahr 2003?

HILDEBRAND: Nein. Aber es gab Momente, in denen ich anderen sagen musste: Jetzt bleibt mal auf dem Teppich, Leute.

FRAGE: Erinnern Sie sich an Momente in Ihrem Leben, wo Sie den Boden unter den Füßen zu verlieren glaubten?

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HILDEBRAND: Ja, bei meinem ersten Fallschirmsprung – und beim Drachenfliegen. Da war der Boden ganz schön weit weg.

FRAGE: Was in Ihrem Leben gibt Ihnen einen sicheren Halt?

HILDEBRAND: Die Menschen, die mich als Mensch lieben.

FRAGE: Sie sind ja Markenbotschafter von Continental: Mussten Sie schon einmal selbst einen Reifen wechseln?

HILDEBRAND: Noch nicht – Glück gehabt!

FRAGE: Im Beruf stehen Sie ständig im Fokus der Kameras. Sind Sie zuletzt auch im Straßenverkehr einmal geblitzt worden?

HILDEBRAND: Das letzte Foto ist ein ziemlich altes. Ich hoffe, es bleibt dabei.

FRAGE: Wie würden Sie Ihren Fahrstil beschreiben?

HILDEBRAND: Mit meinem Smart fahre ich sehr ruhig, eher defensiv, nach Parkplätzen Ausschau haltend. Wenn ich im Maserati auf der Autobahn Strecke mache, kann es schon bisschen wild werden. Aber niemals unkontrolliert und immer damit rechnend, dass es auch noch andere Verkehrsteilnehmer gibt, die sich nicht so verhalten, wie ich es tun würde.

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FRAGE: Was macht Ihnen beim Autofahren am meisten Spaß?

HILDEBRAND: Musik hören, Vorankommen, Ankommen, nicht im Stau stehen – und wenn es schnell geht: den kurzen Kick der Geschwindigkeit genießen.

FRAGE: Sind Sie auf der Straße schon einmal ins Rutschen gekommen?

HILDEBRAND: Nur leicht. Auf regennasser Fahrbahn. Und ohne Flachs, ich glaube, dass mich da auch meine Conti-Reifen vor einem größeren Schlamassel bewahrt haben.

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FRAGE: Wie verschaffen Sie sich privat Bewegung? Im Job ist Ihr Aktionsradius ja eher überschaubar.

HILDEBRAND: Falsch! Ich bewege mich beim Torwarttraining und bei den Zusatzschichten enorm viel. Und es ist eher so, dass ich dann nach Feierabend im privaten Bereich den Ausgleich in anderen Bereichen suche. Kino, Theater, Gespräche und so weiter. Außerdem lebe ich in einer Dachgeschosswohnung ohne Aufzug. Das heißt: 108 Stufen hoch und runter, mehrmals täglich.