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„Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen...“ Das Endspiel der FIFA Weltmeisterschaft von 1954 mit zwei Titeln schnell fixiert. „Wunder von Bern“, sagen die Deutschen. „Wunde von Bern“, sagen die Ungarn. Während der deutsche Rundfunkreporter Herbert Zimmermann vom FIFA Finale 1954 zwischen Deutschland und Ungarn (3:2) eine so euphorische Reportage aus der Schweiz hinlegte, dass er später von seinen Chefs gerügt wurde, schickte seine Budapester Kollege György Szepeszi nur Trauer durch den Äther. Zimmermann hat als Chronist am Mikrofon Geschichte gesprochen. Niemals davor und niemals danach gelang es einem deutschen Reporter, ein Fußballspiel mit so viel Herzblut in die Heimat zu übertragen. Einige Zimmermann-Sequenzen wurden dabei gewissermaßen deutsches Kulturgut. Nummer eins: „Toni, du bist ein Fußballgott.“ Nummer zwei: „Sechs Minuten noch im Wankdorfstadion in Bern - keiner wankt. Unaufhörlich prasselt der Regen hernieder, es ist schwer, aber die Zuschauer harren aus. Wie könnten sie auch? Eine Fußballweltmeisterschaft ist nur alle vier Jahre. Und wann sieht man ein solches Endspiel?“ Nummer drei: „ Bozsik, immer wieder Bozsik der rechte Läufer der Ungarn hat den Ball - verloren, diesmal an Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball - abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt... Toooor! Toooor! Toooor! Toooor!“ Nummer vier großen Zimmermann-Worte: „Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister. Schlägt Ungarn mit drei zu zwo Toren im Finale in Bern.“ Wer sich, auch heute noch, mit dem ersten FIFA WM-Triumph einer deutschen Nationalmannschaft beschäftigt, stößt immer wieder auf die Reportage von Zimmermann, hört vom Chef Sepp Herberger, vom Geist von Spiez, vom Fußball-Gott Toni Turek, der eigentlich nur ein sehr guter Torwart war, er hört von Spielführer Fritz Walter und eben vom „Boss“, Helmut Rahn. Rahn, Techniker, Dribbelkünstler, Rechtsaußen, Spaßvogel und Frohnatur. „Das nächste Spiel ist immer das schwerste.“ Bundestrainer Sepp Herberger liebte und lebte solche Sätze. „Das nächste Spiel ist immer das schwerste“, ist auch eine Aussage, die noch mit dem Mannheimer verbunden wird. Mit dieser Philosophie führte Herberger seine Mannschaft erfolgreich durch die Schweiz, imponierend war dabei die ständige Steigerung seines Teams: Türkei 4:1, Ungarn 3:8, Türkei 7:2, Jugoslawien 2:0, Österreich 6:1, Ungarn 3:2. Am Ende stehen der Kopf von Fritz Walter und der Fuß von Helmut Rahn für den Sieg von Bern. Deutschland feierte seine Helden, neun Jahre nach dem Krieg. Immer und immer wieder musste Rahn danach erzählen, was alle Hörer von Zimmermann kannten. Das Tor zum 3:2, das ganz Deutschland elektrisierte und einem Volk ein Stück Selbstbewusstsein zurückgab. |
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![]() Helmut Rahn (Mitte) im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft am 25. Juni 1960 in Frankfurt/Main mit dem 1. FC Köln gegen den Hamburger SV (2:3). (Foto: Horstmüller) |
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„Helmut, erzähl mich ma dat Tor“, wurde dann in den Kneipen im Ruhrgebiet gesagt und der Helmut erzählte, erzählte und erzählte. Das hörte sich dann von dem Naturburschen aus Essen so an: „Der Ball fällt mich vor die Füße, genau auf dem rechten. Zwei Ungarn stürzen sich auf mich zu. So richtig mit Gewalt. Ich lass se kommen und zieh dann die Kirsche schnell von'n rechten auf'n linken Fuß. Und da - Mann, ich seh' et noch wie heute - hab' ich dat ganze Gelände vor mich. Ich zieh' ab mit dem linken Fuß, und dat gibt so'n richtigen gefährlichen Aufsetzer. Wat dann passiert is, wisst ihr ja.“ In einer Laudatio der ARD, des Ersten Deutschen Fernsehens, auf den deutschen Stürmer heißt es später: „Selten in der Geschichte des Fußballs wurde die Karriere - ja, das ganze Leben eines Spielers so sehr auf einen einzigen Augenblick reduziert, wie im Fall von Helmut Rahn. Jene Sekunden am 4. Juli 1954, als der Boss im FIFA Weltmeisterschafts-Finale gegen Ungarn um exakt 18:32 Uhr auf halbrechter Position an den Ball kam, kurz einen Pass auf den im Strafraum frei stehenden Ottmar Walter andeutete, dann zwei ungarische Verteidiger aussteigen ließ und mit dem linken Fuß den 3:2-Siegtreffer markierte. Das entscheidende Tor, dieser eine Augenblick - das war Rahn - jedenfalls für die deutsche Öffentlichkeit.“ Ein Denkmal für den Boss
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Aber war er das wirklich? Helmut Rahn wurde am 16. August 1929 in Essen-Katernberg geboren. Nach Abschluss der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Elektriker. Von 1938 bis 1946 spielte er für Altenessen, ehe er zum Landesliga-Verein Oelde 1909 wechselte. Über die Sportfreunde Katernberg kam er im Jahr 1951 zu Rot-Weiß Essen. Zu dieser Zeit wurde er von Herberger in die Nationalmannschaft berufen. Insgesamt bestritt der Rechtsaußen (ohne den Anhang: -Spieler) 40 Länderspiele und erzielte 21 Tore. Mit Essen gewann er schließlich schon 1953 den DFB-Pokal und wurde 1955 Deutscher Meister. Das war Grund genug, einem solchen Mann bei RWE ein Denkmal am Stadion hinzustellen. |
![]() Helmut Rahn starb am 13. August 1993 im Alter von 73 Jahren. Vor dem Georg-Melches-Stadion in Essen wurde ihm ein Denkmal gesetzt. (Foto: Firo/Augenklick) |
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1959 verließ er RWE und ging für eine Saison zum 1. FC Köln, danach für drei Jahre zum niederländischen Klub SC Enschede. Mit dem Start der Bundesliga 1963 war er noch zwei Spielzeiten für den Meidericher SV aktiv (heute MSV Duisburg). Aber das Denkmal Rahn begann zu brökeln. Die „Pilsken“, der Genuss leckeren Gerstensafts, wurden mehr, die Schulterklopfer weniger, die Leistungen schwächer, die Trefferzahl geringer. Rahn beendete seine Karriere 1965 offiziell wegen einer Knieverletzung. Danach zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück, Interviews gab er nur noch höchst selten. Nach langer Krankheit starb der „Boss“ am 13. August 2003 im Alter von 73 Jahren in seinem Haus in Essen. |
![]() Helmut Rahn spielte 1960 eine Saison für den 1. FC Köln. Am meisten wird sein Name mit Rot-Weiß Essen verbunden, er spielte auch für Duisburg und in Enschede. (Foto: Horstmüller) |
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Durch die Reportage zum 3:2 von Bern bleibt er für immer erhalten. „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen…“ Hier finden Sie einen Beitrag zum WM-Star von 1954 - Fritz Walter... |