DFB-Star der FIFA WM 1958: Hans Schäfer

Schweden stoppte deutsche Weltmeister

In Schweden 1958 trat die Mannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erstmals als Weltmeister an. Vier Jahre nach dem „Wunder von Bern“ vertraute der „Chef“, Josef „Sepp“ Herberger, noch einigen Helden, die am Thuner See im Quartier im Berner Oberland den „Geist von Spiez“ kennengelernt hatten.

Horst Eckel (26), Helmut Rahn (28), Fritz Walter (37) und Hans Schäfer (30) hielten bei der WM die Fahne als Titelverteidiger hoch. Junge Spieler wie Horst Szymaniak (23), Karl-Heinz Schnellinger (19) und Uwe Seeler (21) tauchten als ihre Erben auf.

Zwei Weltmeister von Bern gingen in Schweden voran. Der „Boss“, Helmut Rahn, machte in sechs Spielen mit sechs Toren seinem Namen als Torjäger alle Ehre. Hans Schäfer imponierte in sechs Spielen mit drei Treffern. Als dritter Kanonier der zehn deutschen Treffer trug sich Hans Cieslarczyk ein. Im Vergleich zu Bern hatte das Kapitänsamt den Besitzer gewechselt. Auf Fritz Walter folgte Hans Schäfer - der beste Linksaußen der WM 1954. Für die Beförderung schenkte ihm ein Fan ein VW. Danach fuhr Schäfer nicht mehr mit der Straßenbahn zum Training.

Schäfer wurde am 19. Oktober 1927 als echter „Kölscher Jung“ und Sohn eines Frisörs in Zollstock geboren. Über Rot-Weiß Zollstock und VfR Volkmarsen landete er beim „FC“ und gehörte 1964 in der ersten Bundesliga-Saison zum Meisterteam. In seiner 17-jährigen Laufbahn bestritt er für Köln 507 Pflichtspiele und erzielte dabei 304 Tore. Dazu markierte er zwischen 1952 und 1962 in 39 Länderspielen 15 Treffer.

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Hans Schäfer wurde 1954 in Bern Weltmeister. 1958 bei der WM in Schweden war der Kölner ebenfalls Stammspieler. Das Foto zeigt ihn im WM-Spiel gegen Spanien. (Foto: Horstmüller)


Eckel über Kapitän Schäfer: „Gegen ihn Spielen ist eine Strafe“

Kollege Horst Eckel sagte über „de Knoll“, wie Schäfer wegen seines Dickkopfes genannt wurde: „Gegen Hans hat keiner gern gespielt, das war eine Strafe. Der hat nie den Ball verloren.“ Herberger hatte Schäfer als Stürmer schon 1954 vertraut. Schäfer bedankte sich in fünf Spielen mit vier Toren. Schäfer war es auch, der im Finale gegen Ungarn (3:2) für Helmut Rahn den Siegtreffer auflegte.

Aber Bern war nun Geschichte, Schweden die Gegenwart. „Wir wollten wirklich Weltmeister werden“, sagt Schäfer noch heute. Herbergers Weg war also auf Sieg ausgerichtet und führte tatsächlich unter die „Großen Vier“ von 1958.

In der Gruppe 1 fertigte Deutschland Argentinien mit 3:1 ab, spielte jeweils 2:2 gegen die Tschechoslowakei und Nordirland. Das reichte zum Gruppensieg. In Malmö bezwang Deutschland in der Zwischenrunde Jugoslawien 1:0. Damit war der Weg ins Halbfinale gegen Gastgeber Schweden frei und die zweite Finalteilnahme in der Verbandschronik des DFB zum Greifen nahe.

„Jusko“ fliegt aus der Schlacht von Göteborg

Als „Schlacht von Göteborg” ging die Partie in die Sportgeschichte ein. Mit 3:1 gewannen die Skandinavier das Match. Vor 52 000 Zuschauern, die, von „Einpeitschern” dirigiert, ihr Team anfeuerten, gelang Schäfer in der 24. Minute das 1:0. Zehn Minuten später folgte der umstrittene Ausgleich. In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel härter. Der 31-jährige Düsseldorfer Verteidiger Ernst Juskowiak ließ sich in der 59. Minute zu einem Revanchefoul an Kurt Hamrin hinreißen. Es war der erste Feldverweis eines Deutschen bei einer WM. „Jusko“ entschuldigte sich später bei Freund und Feind. Die Partie im Göteborger „Hexenkessel” wurde weiter äußerst robust ausgetragen. In der 75. Minute wurde Fritz Walter schwer gefoult. Sein 61. Länderspiel konnte der fast 38-Jährige nur noch humpelnd beenden. „Mit neun gegen elf hatten wir keine Chance, sonst wären wir ins Finale gekommen“, sagt Schäfer. Die Entscheidung: Gunnar Gren traf in der 80. Minute zum 2:1 für die Schweden, ehe Hamrin in der 87. den 3:1-Endstand herstellte. Angeheizt von hitzigen Schlagzeilen, kam es in der Folgezeit zu deutsch-schwedischen „Verstimmungen”.

Während Schweden gegen Brasilien ins Finale zog, kämpfte Deutschland gegen Frankreich um Platz drei. 21 Jahre hatte eine Elf des DFB gegen Frankreich nicht gewonnen und verlor diesmal mit 3:6. Schäfer, Rahn und Cieslarczyk trafen für die bundesdeutsche Mannschaft, der Franzose Just Fontaine allein vier Mal, Raymond Kopa und Yvon Douis besorgten den Rest. „Ob Dritter oder Vierter, dies war nicht mehr so wichtig. Schweden war eine große Erfahrung mit einem Ergebnis, mit dem ganz Deutschland leben konnte. Dementsprechend hatten wir auch dieses Mal zu Hause einen herzlichen Empfang.“

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Bei seiner dritten WM-Teilnahme 1962 war Hans Schäfer Kapitän der deutschen Nationalelf. Vor dem Spiel gegen die Schweiz tauschte er die Verbandswimpel. (Foto: Horstmüller)


1962 war das dann schon nicht mehr so. Aber Schäfer war als Teilnehmer in Chile dabei und wurde zum ersten Spieler, der dreimal für den DFB bei einer WM auflief. Im Herbst 2008 gehört Hans Schäfer neben Horst Eckel und Ottmar Walter zu den drei letzten noch lebenden Spielern der deutschen Weltmeisterelf, die am 4. Juli 1954 auf dem Platz im Wankdorf-Stadion stand. Schäfer ist noch heute ein gewähltes Mitglied des sechsköpfigen Ehrenrats des 1. FC Köln und lebt in Köln-Lindenthal.

Wie in keinem anderen Turnier wurde 1958 von den Akteuren auf dem Rasen mit den Füßen Geschichte geschrieben. Deutschland verlor die „Goldene Göttin“, den Jules-Rimet-Pokal, an Brasilien, das Team gewann den ersten von fünf Titeln. Pelé gab mit 17 Jahren seinen Einstand auf der WM-Bühne und hatte maßgeblichen Anteil am Titelgewinn. Und: In die Chroniken des Weltpokals sind 13 Tore eingegangen, die der Franzose Just Fontaine im Laufe dieses Turniers geschossen hat. Eine Trefferzahl, die bis heute den Torrekord einer WM darstellt.