DFB-Star der FIFA WM 1974: Gerd Müller

Der Bomber der Nation

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Im Geschichtsbuch des Weltfußballs steht der Gerd Müller im Kapitel WM 1970 mit zehn Treffern als der beste Angreifer des Turniers. Mehr als diese zehn Tore schafften bis dato bei einer WM nur der Ungar Sandor Kosics (1954/11 Tore) sowie der Franzose Just Fontaine (Frankreich/13). Gerd Müllers Team wurde damals in Mexiko Dritter mit der deutschen Mannschaft. Vier Jahre später jubilierte Müller als Weltmeister. In seiner Heimatstadt München avancierte „kleines, dickes Müller“ mit seinem vierten Turnier-Tor zum entscheidenden Schützen des WM-Finales. Am 7. Juli 1974 gelang dem Mann mit der Rückennummer 13 vor 77 822 Zuschauern im Olympiastadion der entscheidende Treffer zum zweiten deutschen WM-Titel nach 1954. Zwei Minuten vor der Pause markierte Müller im Endspiel gegen die Niederlande mit einem Drehschuss das Siegtor zum 2:1.

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Gerd Müller nahm an zwei WM-Turnieren teil, 1970 in Mexiko und 1974 in der Bundesrepublik Deutschland. Mit 14 Toren war er, bis ihn Ronaldo 2006 einholte, der beste Torjäger. (Foto: Kunz/Augenklick)

Der Rekordschütze traf aus allen Lagen

Mit den zehn Toren aus sechs Spielen von Mexiko und den vier Treffern von Deutschland aus sieben Begegnungen schoss sich Müller für Jahrzehnte sogar an die Spitze der ewigen Torschützenliste aller WM-Turniere. In dieser Tabelle steht Müller vor der WM 2010 hinter Ronaldo (Brasilien/19 Spiele/15 Tore, Schnitt 0,79) und Just Fontaine (6 Spiele/13 Tore, Schnitt 2,17) mit 13 Spielen sowie 14 Treffern und einem Schnitt von 1,08 Toren pro Spiel auf Platz zwei der besten WM-Schützen aller Zeiten.

Die Philosophie des „Bombers der Nation“ hat Müller einmal so beschrieben: „Instinkt musst du haben. Tore schießen kannst du nicht lernen. Du musst einfach schnell reagieren. Wenn’s denkst, ist es eh zu spät.“ Sepp Maier hat die Entstehung der Müller-Tore als Torhüter volkstümlicher analysiert: „Der Gerd hat im Strafraum einfach den Hintern rausgestellt und die Gegner weg geschoben.“ In dieser oder einer ähnlichen Art absolvierte Müller 1966 sein erstes Länderspiel und beendete seine Karriere für den DFB mit dem Gewinn der WM 1974. In 62 Länderspielen traf er unglaubliche 68 Mal. Beendet wurde die Karriere beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) viel zu früh. In der Nacht nach dem WM-Endspiel trat Müller zurück, aus Verärgerung über einige DFB-Funktionäre.

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Gerd Müller war einer der erfolgreichsten Stürmer aller Zeiten. In der Nationalelf schoss er 68 Tore in 64 Spielen. Auch im EM-Endspiel 1972 gegen die UdSSR (3:0) traf er. (Foto: Baumann/Augenklick)


Es gab noch ein weiteres Top-Ereignis in der Karriere von Müller: 1972 wurde er mit der vielleicht besten DFB-Auswahl aller Zeiten Europameister. Beim Mini-Turnier in Belgien mit nur den beiden Spielen gegen Belgien und die UdSSR wurde der Münchner mit vier Treffern auch noch Torschützenkönig. Das Magazin „Spiegel“ adelte Müller damals als den „Helmut Rahn der siebziger Jahre“.

In der Bundesliga ein Denkmal, in den USA gescheitert

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Müller begann seine Fußballkarriere beim TSV 1861 Nördlingen. Von hier wechselte er 1964 zum FC Bayern München und danach innerhalb Deutschlands nie mehr den Verein. Später spielte er nur noch einmal in Fort Lauderdale in Florida, als der Profi-Fußball in den USA aus der taufe gehoben wurde. Müllers Bilanz in der Bundesliga: 365 Tore in 427 Spielen. Solche Zahlen machen Menschen zu Denkmälern. „Alle unsere Erfolge wären ohne Gerd nicht möglich gewesen. Müller haben wir alles zu verdanken“, huldigte Franz Beckenbauer den langjährigen Mitspieler und Zimmerkollegen.

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Im Stadion in seiner Heimat Nördlingen, das Gerd-Müller-Stadion heißt, saß Müller mit Jürgen Klinsmann, dem Cheftrainer von Bayern München, auf der Trainerbank. (Foto: GES/Augenklick)

Die Münchner Zeitung „tz“ sah es ähnlich: „Er stand dort, wo es was zum Abstauben gab. Und er staubte mehr ab als jeder andere. Ein Meister kleiner, aber wichtiger Tore, mehr noch: ein Weltmeister, klein an Wuchs, aber mit großem Torinstinkt. Er schoss Tore aus ungewöhnlichsten Positionen mit allen Körperteilen, manchmal im Sitzen, manchmal im Liegen, meist mit dem Fuß, aber auch per Kopf. Oft, wenn man dachte, die Uhr wäre abgelaufen. In Zeiten, als Deutschland am Ende siegte bzw. Niederlagen verhinderte. Legendär. Nicht zuletzt dank der Torjäger-Legende Gerd Müller.“

Müller war ein Star. Aber er mochte bis heute nie im Mittelpunkt stehen. Anfang der 1990er Jahre drohte Müller einmal zum Sozialfall zu werden. Geschäftlich war er in Amerika gescheitert, außerdem hatte er ein Alkoholproblem. Manager Uli Hoeneß gab seinem ehemaligen Mitstreiter einen Job beim FC Bayern: Zunächst arbeitete Müller als Torwarttrainer, danach als Trainerassistent bei den Amateuren. Müller gestand später ehrlich: „Gott sei Dank ist alles gut gegangen. Ich habe sehr gelitten. Ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft.“ Müller ist noch heute Co-Trainer von Hermann Gerland beim Nachwuchsteam des FC Bayern in der 3. Liga. Sein Vertrag läuft bis 2010. Dann kann Müller in Rente gehen, als einer der größten Fußballspieler, die die Welt erlebt hat.

Hier finden Sie einen Beitrag zum WM-Star von 1974 - Franz Beckenbauer...