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Klägliches Scheitern der Aktion Titelverteidigung Zur FIFA Weltmeisterschaft 1994 kamen die Deutschen als Titelverteidiger und Vize-Europameister in die USA. Erstmals traten sie nach der deutschen Vereinigung wieder mit einer gemeinsamen Mannschaft beim Weltturnier an. Auf der einen Seite waren es Weltmeister wie Bodo Illgner, Andreas Brehme, Jürgen Kohler, Guido Buchwald, Andreas Möller, Thomas Häßler, Karl-Heinz Riedle, Lothar Matthäus, Andreas Köpke, Rudi Völler, Thomas Bertold und Jürgen Klinsmann, auf der anderen Seite waren es die Sachsen wie Matthias Sammer und Ulf Kirsten. Erstmals fand eine WM in einem Fußball-Entwicklungsland statt. Erstmals wurde die Vergabe des goldenen FIFA-Pokals in einem Elfmeterschießen entschieden. Am Ende schnappte sich Brasilien zum vierten Mal den Titel, nach einem Finale im legendären Rose Bowl Stadion in Pasadena gegen Italien. Deutschlands Titelträume vom vierten Triumph waren im Viertelfinale zerstoben. |
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![]() Sie stürmten sechs Jahre gemeinsam in der deutschen Nationalmannschaft. Bei der FIFA WM 1994 konnten Klinsmann (links) und Rudi Völler den Triumph von 1990 nicht wiederholen. (Foto: Kunz/Augenklick) |
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Mit wenig Aufwand siegte Deutschland im Eröffnungsspiel im Soldier Field Stadion in Chicago gegen Bolivien mit 1:0. Ein Klinsmann-Treffer (61.) genügte. Wenig später trennten sich die Deutschen erneut in Chicago von Spanien mit 1:1. Ein Klinsmann-Treffer (48.) reichte nur zum Remis. In der dritten Begegnung besiegte das Team von Berti Vogts in Dallas in der Cotton Bowl bei Temperaturen von über 40 Grad Celsius Südkorea mit 3:2. Mit dem ersten und dem dritten Treffer (12./37.) bahnte Klinsmann seiner Elf den Weg ins Achtelfinale. „Klinsi“ markierte nach der Rückkehr nach Chicago das Tor zum 2:1 gegen Belgien, Deutschland gewann 3:2. Im WM-Viertelfinale traf Klinsmann nicht – und Deutschland blamierte sich im Giants Stadion von New York gegen Bulgarien mit 1:2. Die Aktion Titelverteidigung war kläglich gescheitert. Für Klinsmann war es die WM zwischen dem Gold-Triumph von Italien 1990 (7 Spiele, 3 Tore) und seinem Abschied von Frankreich 1998 (5 Spiele, 3 Tore). Der FIFA Weltmeister trat bei allen seinen drei Turnierteilnahmen als Spieler mit der Rückennummer 18 an, zum Abschied lief er sogar als deutscher Kapitän auf den Rasen. In einer Rangliste der wichtigsten 100 Deutschen von „Vanity Fair“ nimmt der Schwabe hinter Michael Ballack und vor Außenminister Frank-Walter Steinmeier Rang 83 ein. In einer Rangliste der 60 mächtigsten Männer im deutschen Fußball rangiert der Stuttgarter, der von 2004 bis 2006 das höchste Traineramt der Nation ausübte, zwischen DFB-Direktor Oliver Bierhoff und DFL-Vize-Boss Peter Peters (Schalke 04) bei „Sport-Bild“ auf Platz 18. Ein Leben zwischen Brot und Ball |
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Jürgen Klinsmann wurde am 30. Juli 1964 in Göppingen geboren und wuchs in einer großen Bäckerfamilie auf. Mit acht Jahren entdeckte „Klinsi“ sein Interesse am Ball. „Als Kind war ich vom Fußball besessen. Ich wollte Tore schießen, einfach nur Tore schießen, Tag und Nacht." Die erste Schritte als Balltreter machte Klinsi für TB Gingen, dann für den SC Geislingen, die Stuttgarter Kickers und den VfB Stuttgart. Als Klinsi 14 war, kaufte sein Papa Siegfried Klinsmann eine Backstube in Botnang und der Familienrat beschloss, dass Jürgen dort auch eine Ausbildung zum Bäcker machen sollte. So pendelte er zwischen Brot und Ball. In dieser Zeit schrieb der Vater dem Jungen dies ins Stammbuch: „Olympisch sein heißt: ehrlich im Kampf, bescheiden im Sieg, neidlos in jeder Niederlage und sauber in deiner Gesinnung. Das hofft dein Vater und Turnkamerad Siegfried Klinsmann.“ |
![]() Ein Bild aus der frühen Profizeit von Jürgen Klinsmann (links), der für den VfB Stuttgart ein Tor bei einem Pokalsieg gegen Eike Immel (Dortmund) schießt. (Foto:Baumann/Augenklick) |
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Jürgen Klinsmann beschrieb sein Verhältnis zum Ball später einmal so: „Als Kind hat er mir geholfen, mich auszutoben. Ich kam von der Schule nach Hause und habe den Ball gegen das Garagentor gedonnert, er gab mir einen inneren Halt, ein Mit-ihm-bin-ich-aufgehoben-Gefühl. Wenn es in der Schule Ärger gab, saß ich in meiner Bank und hab geträumt, wie schön heute Abend das Training sein wird - die Lehrer konnten mir dann nichts mehr anhaben.“ Klinsmann wurde „zum Schaffen“ erzogen. Er selbst hat das so ausgedrückt: „Ich möchte für den Erfolg das Maximale aus allen herauskitzeln, so bin ich nun mal. Ich bin da sehr geprägt von meinem Elternhaus, bin sehr geprägt von meinem Vater. Er hat zu mir immer gesagt: Wenn du etwas in Angriff nimmst, dann mach es hundertprozentig. Und sei von dem, was du tust, überzeugt, zweifle nicht an deinem Weg. Diese Philosophie habe ich von ihm übernommen, auch diese Zielstrebigkeit. Mein Vater stand jeden Morgen in seiner Backstube, und jeden Tag hat er ordentliche Ware angeboten: Brezeln, Torten, Brötchen. Er hat immer gesagt: Was zählt, ist die Qualität. Du musst vor dir selbst den Anspruch haben, Qualität abzuliefern. Und ich will das auch.“ Klinsmann packte es, er wurde Bäcker-Geselle, er schaffte den Sprung in den Profi-Fußball. Seine sportlichen Stationen wurden der VfB Stuttgart, Bayern München, Inter Mailand, AS Monaco, Tottenham Hotspurs. Überall heimste er Titel ein. Obendrein trug er zehn Jahre das deutsche Nationaltrikot. Er stürmte für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 1988 bei Olympia in Seoul auf Platz drei und bestritt die EM 1988. Er holte bei seinem WM-Start sofort Gold und zwei Jahre später EM-Silber. Nach der WM-Pleite in den USA führte der Weltmeister das DFB-Team unter der Gesamtregie von Vogts in England zum europäischen Titel. Klinsmann hat als Spieler alle wichtigen Titel gewonnen. Mehr als 108 Länderspiele, in denen er 47 Tore schoss, hat nur Lothar Matthäus für den DFB bestritten. Matthäus: Jürgen ist ein Egoist Klinsmann wurde in der Geschichte des DFB der neunte Mann, der die Geschicke der deutschen Nationalmannschaft leiten durfte. Er war für viele als Bundestrainer ein Hoffnungsträger vor der FIFA WM 2006™ in Deutschland, andere hielten ihn als Fußball-Lehrer für unerfahren. Die Berufung empfand er selbst als eine große Ehre. Den Job abzulehnen kam für ihn nicht in Frage, obwohl er in Kalifornien lebte. „Nein, das konnte ich nicht, ich hätte es mir mein Leben lang vorgeworfen.
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Ich hätte dann ständig das in mir nagende Gefühl gehabt, vor einer Herausforderung weggelaufen zu sein. Schlimmer: vor mir versagt zu haben“, sagte er. Kein anderer Trainer hätte es wohl gewagt, bei seiner Amtsübernahme zu behaupten: „Ich will den Titel, ich will Weltmeister mit Deutschland werden.“ Klinsmann wirbelte den DFB durcheinander. Er wolle keinen Stein auf dem anderen lassen, hatte er zu Beginn erklärt. Das Team, das bei der FIFA WM 2002 mit Teamchef Rudi Völler Platz zwei belegt hatte, aber 2004 bei der UEFA EURO 2004™ nach den Gruppenspielen ausgeschieden war, beendete mit dem ehrgeizigen Bundestrainer Klinsmann das sogenannte Sommermärchen der FIFA WM 2006™ als Dritter. |
![]() Jürgen Klinsmann (Mitte), Andreas Köpke (vorne) und Oliver Bierhoff bei der WM 1998. Von 2004 bis 2006 arbeiteten sie gemeinsam in der Leitung des deutschen Teams. (Foto: Rauchensteiner/Augenklick) |
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Kolumnist Lothar Matthäus erklärte das Geheimnis des Sonnyboys „Klinsi“ einmal so: „Jürgen ist ein Egoist - und das meine ich positiv. Ich wäre froh, wenn ich in manchen Situationen so wäre. Du musst Egoist sein, um den Durchbruch zu schaffen. Jürgen setzt sich zu 100 Prozent durch, ohne Rücksicht auf Verluste.“ Nach dem Projekt 2006 verschwand Klinsmann er zu seiner amerikanischen Frau Debbie und seinen Kinder in der Anonymität von Los Angeles. Nach zwei Jahren Pause nahm er im Sommer 2008 das Projekt Bayern München an. Auch dort greift er mit neuen innovativen Methoden erstmals als Vereinstrainer nach Trophäen. |