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Der Europameister ohne Fortune in Frankreich Ein neuer Name tauchte bei der FIFA Weltmeisterschaft 1998 in der Chronik der Sieger auf: Frankreich. Diesmal nutzte der Gastgeber, anders als 1938, seinen Heimvorteil. Wie schon in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts gab Deutschland zwischen Seine und Rhone kein gutes Bild ab. Deutsche Hooligans zeigten der Welt ihre hässliche Fratze, hinterließen auf diesem Turnier eine Spur der Gewalt durch eine friedliche Landschaft. Es war Sonntag, der 21. Juni 1998, als Gendarm Daniel Nivel in den Straßenschlachten von Lens mit einer Eisenstange eines Verkehrsschilds bewusstlos geschlagen und mit Fußtritten gegen den Kopf schwer verletzt wurde. Der damals 44-jährige Familienvater erlitt schlimme bleibende Hirnschäden. Ein erschütterter Egidius Braun, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wollte die deutsche Mannschaft nach dem 2:2 gegen Jugoslawien am gleichen Tag sogar aus dem Turnier zurückziehen. Aufgeregt sagte der aus Aachen stammende DFB-Chef in Marseille: „Das ist die schwärzeste Stunde meines Lebens. Ich habe überlegt, nach Hause zu fahren. Das ist doch blanker Terrorismus.“ Braun wurde umgestimmt und entschied am Ende anders. „Wir dürfen uns dieser Gewalt nicht beugen“, verkündete er schließlich in Absprache mit dem Internationalen Fußball-Verband (FIFA). Die deutschen Täter wurden ermittelt und später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der DFB gründete unter Federführung von Braun eine Stiftung zu Gunsten Nivels ins Leben und bemühte sich aufrichtig, dem Polizisten und der Familie zu helfen. |
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![]() Andreas Köpke schlägt den Ball aus dem eigenen Strafraum nach vorne. Die WM 1998 verlief für den Torwart und die deutsche Nationalmannschaft nicht gut. (Foto: Perenyi/Augenklick) |
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Ab 1994, eigentlich zu spät, vertraute Vogts im Tor Köpke Das Team von Bundestrainer Berti Vogts blieb nach dem Auftaktspiel gegen die USA (2:0) im Pariser Prinzenpark also doch noch im Rennen - und war dennoch als Europameister ohne Chancen auf einen Turniersieg. Das 2:2 gegen Jugoslawien, ein 2:0 gegen den Iran im dritten Gruppenspiel in Montpellier und ein 2:1 gegen Mexiko im Achtelfinale, erneut in Montpellier, täuschte über das Leistungsvermögen der Mannschaft hinweg. Im Viertelfinale gegen Kroatien in Lyon aber war das Glück aufgebraucht. Die Pleite nahm mit einem Platzverweis von Verteidiger Christian Wörns (40.) den Anfang. Wörns erwischte Davor Suker, der zum Türschützenkönig dieser WM aufstieg, mit einem Foul in der Nähe der Mittellinie und sah die rote Karte. Jarni kurz vor der Halbzeit, Vlaovic (80.) und Suker (85.) schossen Deutschland mit 3:0 förmlich ab. Vogts reagierte seltsam, phasenweise war ihm die Führung im Quartier in der Nähe von Nizza an der Cote d’Azur entglitten. Seine Bankrotterklärung lautete: „Wir müssen uns daran gewöhnen, nicht die Erfinder des Fußballs zu sein.“ Schlimmer aber waren die seltsamen Vorwürfe, der der Europameister-Coach in Richtung des Weltverbandes vom Stapel ließ. Die FIFA habe sich gegen die deutsche Mannschaft verschworen, behauptete Vogts. Selbst sein Umfeld reagierte mit Befremden, vor allem, weil der Bundestrainer dies nicht nur in der ersten Enttäuschung direkt nach Spiel geäußert hatte, sondern diese These am Tag danach noch einmal wiederholte. |
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Zwei Monate später war die Ära Vogts als deutscher Bundestrainer vorbei. Sein Name stand für die Zeit nach der FIFA WM 1990 bis in den Herbst 1998. Dies war auch die Zeit von Andreas Köpke. Kurz vor der FIFA WM 1990 in Italien, am 30. Mai 1990, absolvierte Köpke - noch unter Franz Beckenbauer - beim 1:0 gegen Dänemark sein erstes von 59 Länderspielen. In der Hierarchie der deutschen Mannschaft war er mit Rückennummer 22 hinter Bodo Illgner und Raimond Aumann dritter Torwart beim Titelgewinn 1990. In den folgenden vier Jahren arbeitete sich Köpke zur Nummer zwei hoch. |
![]() Bei der WM 1994 stand Bodo Illgner (vorne) in der Torhüter-Hierarchie noch vor Köpke. Danach kam die Zeit des gebürtigen Kielers in der Nationalmannschaft. (Foto: Rauchensteiner/Augenklick) |
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Vor der WM 1994 war es ein beherrschendes Thema, ob Vogts Weltmeister Illgner weiter vertrauen oder ob er Köpke zur neuen Stammkraft befördern würde. Vogts entschied sich für Illgner. Später bedauerte er dies. Der Kölner bot nicht mehr die guten Leistungen wie 1990. Mit dem bitteren Ausscheiden gegen Bulgarien bei der FIFA WM 1994 trat er mit erst 27 Jahren und mit 54 Länderspielen aus der Nationalelf zurück. Köpke, dem in den USA die Nummer 12 zugewiesen worden war, trat nun im Tor der deutschen Nationalmannschaft nun die Position mit der Nummer 1 an. Fortan vertraute Vogts Köpke und Köpke Vogts. Der gebürtige Kieler hatte lange auf den Tag gewartet, im Team des dreimaligen Weltmeisters der Stammtorhüter zu werden. „Dies war immer ein Ansporn für mich. Den Platz wollte ich mit Händen und Füßen zu verteidigen.“ Den größten Triumph, den Vogts und Köpke gemeinsam feierten, war der Gewinn der UEFA Europameisterschaft 1996 in England. Köpke glänzte als Elfmetertöter, gegen den Italiener Zola im Gruppenspiel und gegen den englischen Verteidiger Gareth Southgate im Halbfinale. Er hielt, was zu halten war, er wuchs über sich hinaus. Köpke beeindruckte durch seine spektakulären Paraden. Eine englische Zeitung erfand die passende Überschrift: „Der größte deutsche Faustkämpfer seit Max Schmeling.“ Die Szene, mit der er den Elfmeter im Halbfinale in Wembley abwehrte und die Engländer in die Depression schickte, wurde in einem Videofilm zur Europameisterschaft, die unter dem Motto „Football's coming home“ stand, verewigt. |
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![]() Da lächelt sogar Königin Elisabeth II. den tüchtigen Torwart an. Andreas Köpke (rechts) und Jürgen Klinsmann mit dem EM-Pokal 1996 im Wembleystadion. (Foto: GES/Augenklick) |
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Gemeinsame Pleite von Vogts und Köpke: Der Untergang 1998 Nach dem Viertelfinal-Aus bei der FIFA WM 1998 in Frankreich und insgesamt fünf großen Turnieren beendete der zum 'Deutschen Torhüter des Jahrzehnts' gewählte Köpke seine Karriere im DFB-Team. Immerhin hatte er es geschafft, Oliver Kahn bei zwei Turnieren auf Distanz zu halten. Nach 1998 trat der Münchner Torwart, der schon vier Jahre zuvor gehofft hatte, Illgner ablösen zu können, in seine Fußstapfen. Andreas Köpke wurde am 12. März 1962 in Kiel geboren. Schon im Kindesalter begeisterte ihn das Fußballspiel. Er begann als Rechtsaußen bei Holstein Kiel. Noch in der Jugend wechselte er vom Feld ins Tor. Seinen Einstieg in die Bundesliga hatte „Andy“ Köpke 1983 mit dem Berliner Zweitligisten SC Charlottenburg. Nach deren Abstieg wechselte er für zwei Jahre zu Hertha BSC Berlin, um ab 1986 für den Erstligisten 1. FC Nürnberg das Tor zu hüten. Den Franken blieb Köpke bis zur Saison 1993/1994 treu. Es folgten zwei Jahre bei Eintracht Frankfurt und weitere zwei Jahre in der französischen Ligue 1 bei Olympique Marseille. Im Jahr 1998 kehrte Köpke schließlich zum Club nach Nürnberg zurück, dem er auch noch nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga treu blieb. Am 15. Juli 2001 trat er in einem Abschiedsspiel vor 40.000 Zuschauern im ausverkauften Nürnberger Frankenstadion vom aktiven Fußball zurück. Als Vereinsspieler brachte es Köpke auf insgesamt 577 Bundesligaspiele und zwei Tore. Nach fast 20 Jahren als Fußballprofi sagte „Andy“ mit Weggefährten wie Jürgen Klinsmann und Rudi Völler Servus. Köpkes Trick mit dem Handzettel Der einstige Mannschaftskamerad Jürgen Klinsmann holte Köpke drei Jahre später zum Deutschen Fußball-Bund (DFB). Seit Oktober 2004 ist Köpke für die Torhüter der DFB-Auswahl verantwortlich. Damit löste er Sepp Maier als Bundestorwarttrainer ab und bereitete in der Folge die Torhüter Jens Lehmann, Oliver Kahn und Timo Hildebrand auf die FIFA WM 2006™ bzw. Lehmann, Robert Enke und Rene Adler, die UEFA EUOR 2008™ vor. Bis nach der FIFA WM 2010™ in Südafrika läuft sein Vertrag beim DFB. Legendär ist Köpkes Szene aus dem Sommermärchen 2006, als er beim WM-Viertelfinale in Berlin Jens Lehmann vor dem Elfmeterschießen einen Zettel mit den Schussgewohnheiten der Argentinier gab. Lehmann steckte die schriftlichen Tipps in den Stutzen steckte und konnte dank diesen Hinweisen die Südamerikaner entzaubern. |