WM Episode 2006
Provokateur Materazzi und Widder Zidane

ContiSoccerWorld, Conti, Continental, Reifen, Fußball, WM, FIFA WM 2010, Confederations Cup 2005, Hildebrand, Casillas, Shearer, Ricardo, Koerbel, Deutschland, Sponsoring, German Engineering, Conti-Stars, WM-Tickets gewinnen, Tickets, FIFA-Partner

Die Szene haben nicht viele im Berliner Olympiastadion wirklich gesehen, weil sich der Ball im Finale der FIFA Weltmeisterschaft  2006™ zwischen Italien und Frankreich schon an einer anderen Stelle befand. Aber die Bilder, die einige Kameras in diesem Moment einfingen, prägten das Finale dieser FIFA WM dennoch mehr als andere Situationen. Der Franzose Zinedine Zidane hatte dem Italiener Marco Materazzi in der 110. Minute der Verlängerung den Kopf in den Brustkorb gestoßen, mit Anlauf, wie ein Widder mit gesenktem Haupt, als wolle er die Hörner in seinen Gegner rammen. Ein Schrei war zu hören für die, die nahe genug am Tatort waren, es folgte ein später Pfiff des Schiedsrichters. Nach einer längeren Pause mit einigen Gesprächen auf dem Spielfeld sah Zidane die Rote Karte. Dann folgte ein zweites Bild, das nicht weniger einprägsam war: Ein Mann mit lichtem schwarzen Haar, im Hemd der „Tricolore“ und mit dem „gallischen Hahn“ auf der Brust, ging gesenkten Hauptes gedankenverloren am Weltpokal der FIFA vorbei und verschwand in den Katakomben: Es war der Abgang des großen Zidane von der Weltbühne.

ContiSoccerWorld, Conti, Continental, Reifen, Fußball, WM, FIFA WM 2010, Confederations Cup 2005, Hildebrand, Casillas, Shearer, Ricardo, Koerbel, Deutschland, Sponsoring, German Engineering, Conti-Stars, WM-Tickets gewinnen, Tickets, FIFA-Partner
Zinedine Zidane erhält die Rote Karte. Die Franzosen müssen die letzten zehn Minuten der Verlängerung in Unterzahl bestreiten und verlieren das Elfmeterschießen. (Foto: Perenyi/Augenklick)

Der Gang in die Umkleidekabine, vorbei am FIFA-Weltpokal, ist der letzte Moment von Zinedine Zidane als Fußball-Profi, der seine sportliche Karriere beendete. (Foto: Perenyi/Augenklick)

Die TV-Bilder zeigten alles in Zeitlupe noch einmal in etwa mit folgendem Ablauf:  Materazzi zupft am hellen Trikot Zidanes, Zidane stößt den Arm des Italieners weg und sagt dabei auch etwas. Zidane läuft ein Stück voraus, Materazzi brüllt hinter ihm her. Zidane dreht sich blitzschnell um, rammt plötzlich seinen Schädel vor Materazzis Brust. Der fällt und bleibt am Boden liegen.

Marco Materazzi liegt, umringt von Mitspielern und beobachtet von Schiedsrichter Horacio Elizondo, am Boden nach der Tätlichkeit von Zinedine Zidane. (Foto: Firo/Augenklick)

Der 42-jährige argentinische Referee Horacio Elizondo hatte nichts gesehen. Aber er erhielt über ein Signal von der Seite einen Hinweis und lief an die Außenlinie. Sein vierter Mann, Luis Medina Cantalejo, wollte alles genau beobachtet haben. Der vierte Offizielle habe den Hinweis auf die Tätlichkeit Zidanes gegeben, teilte auch der Internationale Fußball-Verband (FIFA) zwei Tage nach dem Endspiel mit, als sich die Welt noch immer über den Kopfstoß erregte. Der Spanier am Spielfeldrand habe den Vorfall ohne Zuhilfenahme eines Monitors gesehen. Es habe sich deshalb also auch keineswegs um einen so genannten Videobeweis gehandelt, hieß es von der FIFA. Cantalejo habe Schiedsrichter Elizondo über Funk informiert. Dies war die Grundlage, dass Elizondo Zidane vom Platz warf.

ContiSoccerWorld, Conti, Continental, Reifen, Fußball, WM, FIFA WM 2010, Confederations Cup 2005, Hildebrand, Casillas, Shearer, Ricardo, Koerbel, Deutschland, Sponsoring, German Engineering, Conti-Stars, WM-Tickets gewinnen, Tickets, FIFA-Partner

Der Unparteiische erklärte mit großer Offenheit, wie er aus zweiter Hand von der Attacke Zidanes erfuhr, den er mit der schärfsten möglichen persönlichen Strafe ahndete, aber auf Strafe für den Provokateur Materazzi verzichtete: „Woher mein Kollege seine Informationen hatte, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass mein Assistent Dario Garcia erklärte, der vierte Offizielle sagt, Zidane hat Materazzi einen Kopfstoß verpasst. Bleib’ ruhig und tu’, was du denkst, tun zu müssen. Zidane beging eine Aggression, deshalb sah er die Rote Karte. Was Materazzi betrifft, hatten ich und meine Assistenten nichts gesehen oder gehört. Eventualitäten kann ich ihn auf dem Feld nicht sanktionieren.“

ContiSoccerWorld, Conti, Continental, Reifen, Fußball, WM, FIFA WM 2010, Confederations Cup 2005, Hildebrand, Casillas, Shearer, Ricardo, Koerbel, Deutschland, Sponsoring, German Engineering, Conti-Stars, WM-Tickets gewinnen, Tickets, FIFA-Partner
Während des Finales der FIFA WM 2006™ in Berlin gerieten Zinedine Zidane und Marco Materazzi häufiger aneinander. (Foto: Rauchensteiner/Augenklick)

Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech beklagte, dass eine Neuerung zum Platzverweis seines Spielmachers geführt hatte: „Man hat den Videobeweis eingeführt. Es ist eine neue Regel, die hier angewandt wurde. Es lebe der Video-Beweis.“ Sein italienischer Kollege Marcello Lippi widersprach: „Es war der vierte Schiedsrichter, der das mit Hilfe der Zeitlupe am Monitor gesehen hat. So ist es gelaufen.“ Die FIFA sperrte Zidane schließlich für drei Länderspiele und brummte ihm zusätzlich eine Geldstrafe von 7 500 Schweizer Franken auf. Allerdings war dieses Finale in Berlin der letzte Auftritt des großartigen Fußballers Zidane, der im Mai 2006 sein letztes Klubspiel für Real Madrid bestritten hatte und mit der FIFA WM 2006™ als 34-Jähriger und nach 108 Länderspielen seine Karriere beendete.

Die schwedische  Tageszeitung „Aftonbladet“ zog angesichts Zidanes Kurzschlussreaktion dieses Fazit: „Der letzte Trick des Zauberers Zidane bestand darin, sein Genie in reinster Form vorzuführen - indem er es wegzauberte.“ Zidane, der FIFA Weltmeister von 1998 und UEFA Europameister von 2000, der (allerdings schon vor dem Finale) zum besten WM-Spieler gewählt worden war, war ohne Zweifel einer der ganz großen Künstler des Fußballs, aber er war eben auch ein Hitzkopf. 15 Rote Karten soll er in seiner Laufbahn gesehen haben. Reuig gestand er später ein: „Ich entschuldige mich bei den Kindern, die das gesehen haben. So etwas ist unentschuldbar. Ich muss es laut und deutlich sagen, weil es von zwei bis drei Milliarden Fernsehzuschauern und Abermillionen Kindern gesehen wurde.“ Als Wiedergutmachung verpflichtete er sich, eine Art Gemeinschaftsdienst mit Jugendlichen bei humanitären FIFA-Aktionen abzuleisten. In einem waren sich die Fußball-Lehrer Lippi und Domenech nach dem Finale immerhin einig. „Dieser Abgang ist eine Schande“, bemerkte Lippi. „So ein Ende hat er nicht verdient“, grollte Domenech.

Das Finale war nicht nur für Zidane der Schlusspunkt seiner Karriere, auch der argentinische Schiedsrichter Horacio Elizondo hatte mit dem finalen Pfiff seine Laufbahn beendet. „Ich habe meine Ziele erreicht. Jetzt ist es Zeit, das, was ich gelernt habe, zu unterrichten“, erklärte der Referee und Sportlehrer, der in der Geschichte der FIFA WM eine Sonderstellung erhielt. Denn der Südamerikaner war der erste Schiedsrichter, der sowohl das Eröffnungsspiel als auch die Finalbegegnung leitete.

Die Frage, was die Situation um diesen kuriosen wie tragischen Platzverweis überhaupt auslöste, wurde mit einem Jahr Verspätung aufgeklärt. Zunächst hatte Materazzi lediglich folgendes Geschehen wiedergeben. Er habe Zidane am Trikot gehalten, der habe ihn herablassend angeschaut und erwidert, nach dem Spiel könne er es bekommen, worauf er – Materazzi – gesagt habe, deine Schwester wäre mir lieber. Bei einer Verhandlung bei der FIFA einige Wochen später schilderten die beiden Spieler den Vorfall dementsprechend. Rassistische Äußerungen seien nicht gefallen, teilte die FIFA mit. Zidane, der gesperrt wurde, war offenbar zu stolz und auch zu fair, um den Italiener heftiger der Provokation zu beschuldigen.

In der Fernsehsendung „TV Sorrisi e Canzoni“ gab der italienische Nationalverteidiger ein Jahr später zu, Zidanes Schwester als Prostituierte beleidigt zu haben. Auf das „Angebot“ von Zidane, ihm nach dem Abpfiff sein Trikot zu geben, habe er geantwortet, er nehme lieber seine Schwester, die er zugleich als Prostituierte bezeichnete. Dazu sei erwähnt, dass Zidane gut italienisch spricht, da er von 1996 bis 2001 höchst erfolgreich – davon drei Jahre unter Lippi – bei Juventus Turin spielte. Materazzi, der selbst im Achtelfinale gegen Australien die Rote Karte gesehen hatte, bedauerte seine Äußerung gegen Zidane, wurde aber nachträglich von der FIFA für zwei Länderspiele gesperrt.

Übrigens gab es den ersten Videobeweis bei einer FIFA Weltmeisterschaft bei diesem Turnier in Deutschland wirklich  - gegen Deutschlands Nationalspieler Torsten Frings. Der Fernsehsender „Sky Italia“ hatte eine Szene ausgestrahlt, in der bei einem großen Tumult im Anschluss an das Viertelfinale zwischen dem deutschen Team und Argentinien die Faust von Frings den Argentinier Julio Cruz am Kopf traf. Wie fest dieser Hieb war, war kaum auszumachen. Auf beiden Seiten war es zu heftigen Aggressionen nach dem  Abpfiff gekommen. Nach den TV-Bildern hatte die FIFA das Disziplinarverfahren eröffnet und den deutschen Mittelfeldspieler wegen seiner Beteiligung an den Rangeleien für ein Spiel - das Halbfinale gegen Italien - gesperrt.