FC Bayern schaffte kleinstes Saisonziel

Rückrunden-Meister wurden die Münchner, aber dieser „Titel“ ist letztlich noch weniger wert als die inoffizielle Herbstmeisterschaft. Aber dennoch tat er gut.  Der FC Bayern München blieb, wie schon lange feststand, nach dem Double 2010 in der Saison 2010/11 ohne Titel. Dennoch war am 14. Mai nach dem 2:1 im Süd-Duell gegen den VfB Stuttgart eine gewisse Erleichterung festzustellen, dass wenigstens das kleinste Saisonziel geschafft worden war. Die erhoffte Vizemeisterschaft wurde es nicht mehr. Bayer Leverkusen hielt dem Druck stand und belegte nach einem 1:0 beim SC Freiburg mit drei Punkten Vorsprung auf München den zweiten Platz hinter Borussia Dortmund, das die Bayern als Meister ablöste. Die Werkself vom Rhein zog wie der Dortmund direkt in die Champions League ein, die Bayern müssen als Bundesliga-Dritter zwei schwere Qualifikationsspiele bestreiten.

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Die Mannschaft des FC Bayern München verabschiedet sich nach dem 2:1 gegen Stuttgart von ihrem Publikum in der Allianz-Arena (Foto: Firo/Augenklick)


„Wir haben uns gut verabschiedet. Wir wollten das Unmögliche möglich machen, haben es aber nicht geschafft“, sagte Mario Gomez, als das letzte der 34. Saisonspiele in der Bundesliga bestritten war. Stolz hielt der 25-Jährige die Torjägerkanone, die die Fachzeitschrift „kicker“ dem besten Saison-Torschützen verleiht, vor der Brust. Seinen 28. Treffer hatte Gomez gegen seinen Ex-Klub Stuttgart erzielt – ein starkes Ergebnis für den „TORero“ mit den spanischen Wurzeln, der den Freiburger Papiss Cisse (22 Tore) auf Platz zwei verwies. Nur 26 Spiele brauchte Gomez für seine Torflut, die er nach schwachen Saisonstart ab Oktober auf die Gegner zuströmen ließ und auch in der Champions League fortsetzte. Dort traf Gomez, für den die Bayern gut 30 Millionen Euro im Sommer 2009 zahlten, acht Mal.

Super-Mario Gomez: 39 Tore für den TORero

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39 Tore in 45 Pflichtspielen schaffte Super-Mario insgesamt, fünf Dreierpacks schnürte er allein in der Bundesliga: Dass die Bayern (36 Punkte) zur besten Rückrundenmannschaft vor Leverkusen (35) wurden, hatten sie der Rückkehr der lange verletzten Stars Arjen Robben und Franck Ribery, aber auch eben der Treffsicherheit von Gomez zu verdanken. Kein anderer Stürmer ist so vielseitig wie der Schwabe mit dem spanischen Vater. Mario trifft mit rechts, mit links und mit dem Kopf. „Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt“, freute er sich, nachdem er die Saison als bester Schütze abgeschlossen hatte. „Ich bin endlich bei den Bayern angekommen.“ Mehr als ein Jahr lief es nicht wirklich gut für den Nationalspieler. Dann, als Kollege Miroslav Klose im Oktober verletzt ausfiel, platzte bei ihm der Knoten.

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Mario Gomez mit der Trophäe des besten Bundesliga-Torschützen, der Kanone der Fachzeitung „kicker“. 28 Tore erzielte der Stürmer des FC Bayern. (Foto: Firo/Augenklick)

„Nächstes Jahr wollen wir es besser machen, wir haben hohe Ziele“, warf Gomez einen Blick in die Zukunft. Alle Bayern machten klar, dass Platz drei nur ein Ausrutscher war. „Am Besten sollten wir die Saison relativ schnell vergessen. Wir sollten nicht alles negativ sehen, aber wir sollten unsere Ansprüche für die neue Saison wieder etwas höher hängen“, erklärte Präsident Uli Hoeneß. „Ich bin zufrieden, mehr nicht“, sagte Trainer Andries Jonker, der das Team in fünf Spielen zu vier Siegen und einem Remis führte. Mit dem 34. Spieltag wurde auch das Engagement des Niederländers und früheren Assistenten von Louis van Gaal als Profi-Coach beim Rekordmeister abgeschlossen. Jupp Heynckes, der Leverkusener Trainer, kommt noch einmal – zum dritten Mal nach 1987 und 2009 - an die Isar. „Ich bin davon überzeugt, dass der FC Bayern die Qualifikation übersteht. Er hat schon jetzt eine sehr gute Mannschaft. Und mit den Spielern, die wir noch verpflichten werden, wird er noch besser“, sagte Heynckes in Freiburg, als er mit Leverkusen seinem künftigen Klub Platz zwei weggeschnappt hatte. Hoeneß deutete an, dass Torwart Manuel Neuer wie erwartet für mehr als 20 Millionen Euro Ablöse von Schalke 04 kommen wird. Dass der Transfer noch scheitern sollte, erwartete niemand mehr mit dem Abschluss der spektakulären Saison.  

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Leverkusen-Trainer Jupp Heynckes (links) und Bayern-Präsident Uli Hoeneß: Bald sind die Freunde wieder vereint. (Foto: GES/Augenklick)


Bayern mit bester Offensive der Bundesliga

Nie lagen die Bayern auf Platz eins oder zwei. Rang drei war das höchste der Gefühle. Der größte Rückstand auf Platz eins betrug 16 Punkte, am Ende waren es zehn. Im DFB-Pokal scheiterte die Mannschaft im Halbfinale zu Hause an Schalke (0:1), in der Champions League kam das Ende im Achtelfinale gegen Inter Mailand. Genauso wie die Pokal-Pleite gegen Schalke und die beiden Bundesliga-Niederlagen gegen Dortmund schmerzte die Tatsache, dass Schalke, das die Liga nur auf Platz 14 abschloss, es schaffte, Inter Mailand im Viertelfinale der Königsklasse rauszuwerfen.

Bayern erreichte in der Saison nie eine echte Stabilität. Erst am Ende wirkte die Mannschaft gefestigter. Auswärts war die Mannschaft ungewöhnlich schwach, gewann nur sechs der 17 Spiele (sechs Remis, fünf Niederlagen) und holte nur 24 Punkte, während Leverkusen 36 Zähler bei den Auswärtsspielen gewann und Dortmund 35. Van Gaal, der einige Zeit als der optimale Trainer für die Münchner angesehen wurde, musste vorzeitig gehen – wie Jürgen Klinsmann vor zwei Jahren. Jonker machte danach das Beste aus der verfahrenen Lage. Er wird in der nächsten Saison die zweite Bayern-Mannschaft, die als Tabellenletzter aus der 3. Liga abstieg, betreuen.

Insgesamt lief es in der Rückrunde besser, aber stabil wurde das Team erst, als die Mehrfachbelastung aus mehreren Wettbewerben nicht mehr da war. Offensiv boten die Bayern oft spektakulären Fußball. Mit 81 Toren stellten die Münchner die beste Offensive. Es haperte allerdings in der Defensive. Dass unter van Gaal mit zuerst Lucio und im vergangenen Winter mit Mark van Bommel und Martin Demichelis drei sehr erfahrene Defensivspieler gehen mussten, machte sich extrem negativ bemerkbar. Die Bayern fahnden noch nach einem rechten Top-Verteidiger. Im defensiven Mittelfeld gilt der Chilene Arturo Vidal, der in Leverkusen eine überragende Saison bestritt, als mögliche Neuverpflichtung. Seit dem 6:0 gegen den Hamburger SV am 26. Spieltag ist der FC Bayern ungeschlagen – die Serie von neun Spielen soll ab dem 6. August mit Macht ausgebaut werden.