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„Wir befinden uns im Jahr 2005 nach Christus. Ganz Germanien ist vom Wagenverkehr bedroht.... Ganz Germanien? Nein! Ein von unbeugsamen Germanen bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Feind Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Germanischen Wagenlenker, die sich neben Marl auch im gesamten Kreisgebiet Recklinghausen bewegen, in Haltern, Dorsten, Herten, Recklinghausen und Oer-Erkenschwick....“ So oder ähnlich würde Ampelix beginnen, uns die Ausgangssituation der Stadt Marl zu schildern, und tatsächlich gibt es in Marl viele Initiativen zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer und insbesondere der Kinder. Nun wollen die Schülerinnen und Schüler der Ernst-Immel-Realschule selbst aktiv werden und sich um die eigene Verkehrssicherheit kümmern, nämlich an dem verkehrlichen Brennpunkt „Einmündung Droste-Hülshoff-Straße in die Victoriastraße“.  |
Die Einmündung der Droste-Hülshoff-Straße in die Victoriastraße stellt seit vielen Jahren ein Verkehrssicherheitsproblem in Marl dar. Sie mündet spitzwinklig in die Victoriastraße und bietet aufgrund der Kurvigkeit der Victoriastraße eine schlechte Übersicht. Daher ist das Linksabbiegen aus der Droste-Hülshoff-Straße in die Victoriastraße (Richtung Westen nach Hüls) per Beschilderung untersagt. Weiterhin finden dort viele Querungen von Fußgängern und Radfahrern statt, da die Droste-Hülshoff-Straße eine attraktive Verbindung nach Hüls darstellt (vor der Realschule sogar zur Fahrradstraße gewidmet). Sie ist auch Hauptzubringerachse für die Schülerverkehre zur Martin-Luther-King-Gesamtschule, zur Ernst-Immel-Realschule und zum Gymnasium im Loekamp. Das Vorhandensein von Glas- und Papier-containern an dieser Stelle macht die Situation auch nicht gerade übersichtlicher. Diese „Gemengelage“ gilt es nun zu entflechten und umzugestalten! In der Ernst-Immel-Realschule wurde zur Lösung dieser Problematik im Februar 2006 ein Unterrichtsprojekt installiert in der Klasse 10 d. Unter Leitung des Geschichtslehrers Thomas Oenning bekamen die 21 Schülerinnen und Schüler den Auftrag, eine dezidierte Bestandsaufnahme der verkehrlichen Situation vorzunehmen. Nachdem sich die als Ingenieurbüro tätige Klasse einen neuen Namen gegeben hatte, sie firmiert nun unter „Planungsgruppe Traffix“, wurden vielfältige Arbeitsschritte angegangen: Erstellung eines Lageplanes, Fotodokumentation, Verkehrszählungen von Kraftfahr-zeugen, Radfahrern und Fußgängern, Geschwindigkeitsmessungen, Messung von Zeitlücken im Verkehr bzw. Wartezeitermittlung der querenden Fußgänger/Radfahrer, Videodokumentation, empirische Untersuchungen mittels Fragebögen etc. Selbst die Unfallsituation wurde von der Polizei Marl erfragt und komplettiert die Einschätzung der verkehrlichen Situation. Die Verkehrsbelastung auf der Victoriastraße ist enorm. Bis zu 16.000 Kraftfahrzeuge fahren dort in 24 Stunden. In der nachmittäglichen Spitzenstunde sind dort bis zu 1.200 Kfz unterwegs, also alle 3 Sekunden ein Auto. Die durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit liegt bei knapp 60 km/h, allerdings wurden auch Ausreißer mit bis zu 90 km/h gemessen. Hohes Verkehrsaufkommen, überhöhte Geschwindigkeiten im Autoverkehr und schlechte Sichtverhältnisse machen die Querung der Victoriastraße an dieser Stelle zu einem gefährlichen Abenteuer für Fußgänger und Radfahrer. Betroffen sind insbesondere die Schulkinder der Ernst-Immel-Realschule und des Gymnasium im Loekamp aus den östlichen Marler Stadtteilen, da nur an der Nordseite der Victoriastraße ein Radweg existiert, der in beiden Richtungen zu befahren ist.  | | Die Planungsgruppe "Traffix" der Ernst-Immel-Realschule. |
Die Vermittlung von theoretischen Grundlagen und Zusammenhängen zum Thema Geschwindigkeit und Reaktionszeiten wurden durch das Planungs- und Umweltamt der Stadt Marl, sowie die Verkehrswacht Recklinghausen-Land (Herr Manfred Huckschlag) geleistet. Nach dem Abschluss der Bestandsaufnahme wurde eine Zielsetzung formuliert und die weitere Aufgabenstellung festgelegt: Eine weitere ungesicherte Querung der Victoriastraße ist nicht länger hinzunehmen. Hier muss etwas geschehen! Verschiedene Varianten der Absicherung dieser Einmündung wurden entwickelt (z. B. Sperrflächen, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Zebrastreifen, Fahrbahnteiler, Fuß-gängerampel usw.). Durch Vergleich und Bewertung dieser Möglichkeiten muss nun die sicherste und sinnvollste Möglichkeit ermittelt werden. Lassen wir uns von der „Planungsgruppe Traffix“ überraschen! Die Projektidee hat der Fa. Continental aus Hannover sowie ihrem Kooperartions-partner Landesverkehrswacht Niedersachsen so gut gefallen, dass sie eine finanzielle Unterstützung des Projektes zugesagt haben. Dies bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler eine bauliche Querungshilfe auch realisieren werden und zwar konkret als Bauleiter. Die Ernst-Immel-Realschule untersucht, plant und baut auch! Wann hat es solch ein Projekt in dieser Konstellation schon einmal gegeben ? |