|
Die Verkehrswacht Hannover Stadt e.V. plante vier bis fünf Roller-/ Fahrradparcoure in Stadtgebiet Hannovers. Das Konzept diente zur Reduzierung von Verletzungen bei Fahrradunfällen und Fahrradstürzen (inner- und außerhalb des öffentlichen Straßenverkehrs) bei Kindern. - Die Trainingsgelände sollten an vier zentralgelegenen Grundschulen installiert werden.
- Die zentralgelegenen Trainingsgelände sollten für umliegende Kindergärten und andere Grundschulen mit genutzt werden.
- Pro Standort sollten im laufenden Jahr 1.000 bis 1.500 Kinder die Möglichkeit haben, dieses Trainingsgelände zu nutzen.
- Die Betreuung der vier Trainingsstandorte und Beschulung der Kinder sollte durch die Verkehrswacht Hannover Stadt e.V. in Kooperation mit den zuständigen Verkehrssicherheitsberatern der Polizei, den Verkehrsobleuten der Schulen und den Erziehern der vorschulischen Einrichtungen erfolgen.
Als Standorte für einen Fahrradparcour wurden inzwischen ausgewählt und teilweise schon eröffnet: - die Eichendorffschule in Hannover-Linden, Hennigestraße.
- die Fridjof Nansen Schule in Varrelheide, Leipziger Straße.
- die Grundschule Olbersstraße in Döhren, Olbersstraße.
- die Grundschule Fuhsestraße in Stöcken, Oertzeweg (Eröffnung Ende 2005).
- Über einen fünften Standort wird im Frühjahr 2006 entschieden.
Materialbedarf pro Trainingsgelände: - 5 Kinderfahrräder, Größe 24
- 5 Tretroller, unterschiedliche Größen
- 10 Fahrradhelme, unterschiedliche Größen
- Material für Übungsparcours (Holzklötze, Schrägbrett etc.)
- ein Satz Verkehrsschilder und eine Lichtzeichenanlage
- Farbe zur Markierung der Übungsbahnen
- Kleinmaterial wie Absperrband, Kreide und ähnliches
Hintergrundinformation: Das Fahrrad ist heute neben den Kraftfahrzeugen das zweitwichtigste Fortbewegungsmittel. Es wird- im Gegensatz zum Kraftfahrzeug- auch schon von Kindern benutzt. Das Fahren mit dem Fahrrad dient gerade Kindern nicht nur dazu, rasch und bequem von einem Ort zum anderen zu kommen, auch das Fahren selbst macht Spaß. Mit dem Fahrrad lässt sich der natürliche Bewegungsdrang, den jeder Mensch hat, bestens befriedigen. Die Befriedigung dieses Bewegungsdranges wiederum ist mit Funktionslust verbunden, die schon bei Grundschülern beobachtet werden kann, wenn sie in den Pausen auf dem Schulhof herumtoben. Und auch beim Radfahren verspüren sie ein ausgeprägtes Fahrvergnügen. Dennoch bedeutet der Umstieg von der Fortbewegung zu Fuß auf die Fortbewegung mit dem Fahrrad einen massiven Einschnitt. Dieser resultiert aus der Tatsache, dass das Radfahren ganz andere Anforderungen mit sich bringt als das Gehen. Auf der Ebene der Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung wird dies besonders deutlicht. Das Fahrrad erlaubt dem Menschen deutlich höhere Geschwindigkeiten als zu Fuß. Je schneller man sich in Verkehr fortbewegt, umso länger die Strecke wird, die man in einer bestimmten Zeit zurück legt, umso mehr Informationen sind in dieser Zeit zu verarbeiten. Darüber hinaus kommt es beim Einstieg in das Radfahren zu einer massiven Veränderung der Anforderung im Bereich der Motorik. Radfahren ist eine Tätigkeit, die Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer erfordert. Zu Beginn des Radfahrens ist das neue System Fahrer/Fahrzeug noch relativ labil. Es gerät leicht ins Schwanken aber auch ins Stürzen. Mit zunehmender Erfahrung, die uns die Muskelsinne, der Gleichgewichtssinn und das Auge liefern, gelingt es dem Fahrer immer besser das Zweirad zu stabilisieren und zu beherrschen. Es bedarf einer neuen Konditionierung im sensormotorischen Bereich. Viele Jahre wurde die Auffassung vertreten, dass Kinder generell erst mit Vollendung des 10. Lebensjahres das Fahrradfahren beginnen sollten. Begründet wurde dies damit, dass die sensormotorischen Fähigkeiten und Kräfte der Kinder zu einem früheren Zeitpunkt noch nicht genügend entwickelt und dem entsprechend ihr Unfallrisiko viel zu hoch sei. Auch fehle die nötige geistige Reife für ein verkehrsicheres Verhalten mit dem Fahrrad im Straßenverkehr. Diese Ansicht ist in der Zwischenzeit überholt. Viele Kinder erhalten bereits mit vier oder fünf, manchmal sogar schon mit drei Jahren von den Eltern oder Großeltern ein Fahrrad. Sie müssen zwar bis zum vollendeten 8. Lebensjahr auf dem Gehweg fahren, werden dort aber bereits mit anderen Verkehrsteilnehmern und bei überqueren von Straßen mit Motorradfahrern und Autofahren konfrontiert. Zwischen dem 8. und 10. Lebensjahr dürfen Kindern noch auf dem Gehweg fahren, können aber auch schon Radwege und Fahrbahnen benutzen. Ab dem 10. Lebensjahr ist die Benutzung des Gehweges für sie verboten. Die Zahlen der Fahrradunfälle von Kindern sind in den amtlichen Statistiken relativ gering. Da die meisten Unfälle nicht angezeigt werden, erfahren nur die Ärzte davon, wenn sie die Verletzungen behandeln. Daher erscheinen sie in keiner Unfallstatistik. Die meisten Unfälle geschehen nicht auf der Fahrbahn oder dem Radweg, sondern am Gehsteig, Höfen oder auf privaten Grundstücken. Nach Angaben der Ärzte kommen ca. 70% der 5 bis 6-Jährigen nach einem Fahrradsturz zur Behandlung. Die Ursache dieser Stürze liegt darin begründet, dass die sensormotorischen Fähigkeiten angefangen von Gleichgewichtssinn bis hin zu den richtigen Blicktechniken, in dieser Altersgruppe noch nicht genügend entwickelt sind. Hier hilft eine planmäßige Vorschulung mit einem Tretroller im Kindergarten und in den ersten Klassen der Grundschule. Systematisches Üben von verschiedenen Fahraufgaben bringen den sensomotorischen Reifungsprozess in Gang. Sturzstatistiken belegen diesen Prozess. Zielsetzung eines Rollertrainings ist es, Vorschulkindern und Grundschülern einerseits mit den Bewegungsmöglichkeiten und den Bewegungsgrenzen einspuriger Fahrzeuge (Roller) vertraut zu machen, anderseits jene psychophyischen Fähigkeiten zu entfalten, die nötig sind, um solche Fahrzeuge zu beherrschen und sicher im Straßenverkehr zu führen. Anzumerken ist jedoch, dass sich die Vorbereitung der Kinder auf das Radfahren nicht allein auf ein solches isoliertes sensomotorischen Trainings beschränken muss. Auch mit dem Roller können bereits in gewissem Umfang wichtige Elemente des regelgerechten Verkehrsverhaltens erlernt werden. Besondern das Miteinander im Straßenverkehr wird gefördert, wenn die Kinder gemeinsam mit anderen auf dem Trainingsgelände üben, soweit es der Entwicklungsstand der Kinder zu lässt. |