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Star der FIFA WM 1930: Jose Leandro Andrade

Jose Leandro Andrade war der Pele seiner Zeit. Bis heute ist der Star der Weltmeisterschaft 1930 in seiner Heimat Uruguay ein großes Fußball-Idol. Andrade war der Star des ersten WM- Turniers und zuvor schon der Held beim Goldmedaillen-Gewinn der „Urus“ bei den Olympia-Turnieren 1924 und 1928.

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Nach seinen Auftritten in Paris und Amsterdam wurde Andrade in Europa als „Fußballer mit goldenen Füßen“ gefeiert. Im Mutterland des Fußballs, in England, wurde der schwarze Mittelfeldstar nach seinen Olympia-Glanztaten als der „größte aller großen Uruguayern“ bezeichnet. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verlieh ihm sogar die „Copa Olimpica“, den Olympia-Pokal.

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Bis heute ist Jose Leandro Andrade, der Star der ersten WM 1930 in Uruguay, ein Nationalheld. Der Uruguayer war der erste große WM-Star. Foto: Feuer


Der legendäre deutsche Nationalspieler Richard Hofmann beschrieb Andrade, der aus der ärmsten Bevölkerungsschicht des Landes stammte und privat als sehr unruhiger Zeitgenosse galt, als Augenzeuge so: „Uruguay war damals die beste Mannschaft der Welt. Ihr Star war Andrade. Er war ein Fußballartist, der mit dem Ball einfach alles machen konnte. Er war ein großer Kerl, elastisch in seinen Bewegungen, der stets das direkte, körperlose, elegante Spiel bevorzugte und in seinen Gedanken immer schon mehrere Situationen voraus war. Andrade war ein auffallend fairer Spieler. Er verzichtete auf die Theatereinlagen seiner Mitspieler, die kniffen oder sich nach Fouls bühnenreif am Boden wälzten, um sich bei den Schiedsrichtern Vorteile zu verschaffen. Andrade lächelte auch im Spiel stets freundlich.“

Ein niederländischer Journalist schwärmte nach dem Olympia-Sieg der Uruguayer: „Andrade war so ein großer Spieler und seine Kollegen waren solche Könner, dass es einem leid tat, das Stadion zu verlassen.“ Beim Griff nach dem olympischen Gold zog sich Andrade allerdings eine schlimme Verletzung zu, die sich erst später als sehr folgenschwer herausstellte. Im Halbfinal-Spiel gegen Italien prallte Andrade bei einer Abwehraktion gegen den Pfosten und zog sich eine böse Augenverletzung zu.

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Jose Leandro Andrade, der Uruguay 1930 im eigenen Land zum WM-Titel führte, in der „Wettkampfkleidung“ der Dreißiger Jahre. Wegen seiner Hautfarbe wurde der Stürmer lange diskriminiert. Foto: Feuer


1930 wurde der Uruguayer zum unumstrittenen Held des ersten WM-Turniers, in dem er in vier Spielen ein Tor erzielte und als rechter Läufer ins All-Star-Team des Turniers gewählt wurde. Dabei war er nicht einmal mehr in der genialen Form seiner Olympiasiege. Zu diesem Zeitpunkt hatte der am 1. Oktober 1901 geborene Klavierstimmer bereits für Penarol Montevideo, Missiones, Reformes, Beljavista und Nacional Montevideo gespielt und war als Beamter im öffentlichen Dienst angestellt. Drei Mal war er Südamerika-Meister (1922, 1923, 1926) geworden, vier Landesmeisterschaften hatte er mit Nacional geholt. Andrade spielte bis zu seinem 36. Lebensjahr und bestritt insgesamt 43 Länderspiele (davon 33 A-Länderspiele). Einem Engagement bei Atalanta AFA Buenos Aires (1936) in Argentinien folgten noch Gastspiele des Ballvirtuosen bei Bella Vista und den Montevideo Wanderers FC (1937).

Andrade, das Naturtalent, das Phänomen, verehrten die Südamerikaner als „La Maravilla Negra“, das „schwarze Wunder“. Aber nach den Erfolgen begann das Denkmal Andrade zu bröckeln. Während Mitspieler und Kapitän Jose Nasazzi nach der Karriere zum Generaldirektor der Montevideoer Spielkasinos aufstieg, Stürmer Pedro Cea vom Eisverkäufer zum Rundfunkreporter mutierte und Angreifer Hector Scarone Trainer wurde, ging es mit Andrade bergab. Die 1928 erlittene Augenverletzung wurde zusehends schlimmer. In fortgeschrittenem Alter kehrte Andrade an den Ausgangspunkt seiner Karriere zurück, verließ Nacional und ging wieder zu Penarol. Dort war er zu Anfang seiner Laufbahn, offenbar aus rassistischen Gründen, von Funktionären ausgemustert und vergrault worden.

Bei der WM 1950 in Brasilien, wo Uruguay sensationell den zweiten WM-Titel gewann, war Jose Leandro Andrade als Gast dabei. Auf dem Platz stand im Trikot von Uruguay abermals ein Andrade. Jose Leandro sah auf seiner Position seinen Neffen Victor Rodriguez, der sich aus Ehrerbietung vor seinem Onkel den zweiten Nachnamen Andrade zugelegt hatte.

Der in Südamerika lebende deutsche Journalist Fritz Hack im Herbst 1956 benötigte sechs Tage, das „schwarze Wunder“ in Montevideo ausfindig zu machen. „Freunde halfen mir. Aber was ich erlebte, war ein Bild des Schreckens“, berichtete Hack. In der „Calle Perazza“ bewohnte der einst berühmte und gefeierte Andrade eine heruntergekommene Kellerwohnung. „In einer spartanisch eingerichteten Behausung fand ich Andrade, der total dem Alkohol verfallen und durch seine Augenverletzung inzwischen halbseitig erblindet war. Meinen Fragen konnte er nicht mehr folgen. Die Antworten gab seine bildhübsche Frau, die Schwester eines der damaligen Olympiasieger.“

Ein knappes Jahr später starb der Weltmeister und Doppel-Olympiasieger. Jose Leandro Andrade wurde am 4. Oktober 1957, drei Tage nach seinem 56. Geburtstag, tot aufgefunden. Der einstige Angestellte der Regierung besaß nur noch ein altes Bett, einen Schrank und einige Medaillen in einem Schuhkarton. In der Erinnerung von Millionen Fußball-Fans in seiner Heimat ist der Name Andrade aber bis heute felsenfest mit der goldenen Zeit der uruguayischen Nationalmannschaft und der ersten Weltmeisterschaft verbunden.