Star der FIFA WM 1966: Robert „Bobby“ Charlton
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Im Reisepass von Sir Robert „Bobby“ Charlton steht das Geburtsdatum 11. Oktober 1937 und der Geburtsort Ashington, Northumberland. Keinen Eintrag im Ausweis des Engländers erhielt der 6. Februar 1958. Es ist der schlimmste Tag im Leben von Bobby Charlton. Es ist der Tag einer Flugzeug-Katastrophe in München-Riem. Es ist gewissermaßen auch der Tag der zweiten Geburt von Bobby Charlton. Denn wie durch ein Wunder und mit Hilfe der „Angels of Munich“, wie Charlton noch heute sagt, überlebte Bobby dieses Drama. |
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An jenem bitter kalten, diesigen und verschneiten 6. Februar verloren acht Spieler der so genannten „Busby Babes“ ihr Leben. Der 20-jährige Bobby Charlton überlebte das Unglück jedoch ohne schwere körperliche Verletzungen. Die seelischen Schäden, die der Verlust vieler Teamkameraden verursachte, waren allerdings überhaupt nicht zu ermessen. |
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![]() Bobby Charlton, Weltmeister von 1966, mit Wimbledonsieger Boris Becker bei einer Laureus-Veranstaltung. Die beiden Stars gehören der Jury an, die den Laureus-Sport-Oscar vergibt. Foto: GES/Augenklick |
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Am 22. September 2004 kehrte der einstige Fußballstar Bobby Charlton, inzwischen mit viel lichterem Haar, noch einmal in stiller Trauer an den Ort des Unglücks zurück. Charlton enthüllte in der Nähe des alten Münchner Flugplatzes für seine tödlich verunglückten Kollegen, die Freunde und mitgereisten Journalisten von 1958 eine Gedenktafel. Diese Tafel, die ein Fußballfeld symbolisiert, steht auf einer Grünfläche in Riem, an der Kreuzung Empelstraße/Rappenweg, an jener Stelle, wo Münchner Bürger 46 Jahre zuvor spontan ein Holzkreuz an der Absturzstelle errichtet hatten. Die „Engel über München“ haben Bobby Charlton noch eine wundervolle und auch aus historischer Sicht unglaublich wertvolle Karriere als Fußballprofi erleben lassen. Seine Millionen Fans erlebten mit Charlton noch viele glorreiche Tage. Denn der geniale Mittelfeldakteur von Manchester United gewann danach drei englische Meistertitel, den WM-Titel 1966 und den Europapokal, er wurde EM-Dritter und englischer Cupgewinner. Robert "Bobby" Charlton begann als Fußballer in der Schulauswahl von East Northumberland. Als Jugendlicher spielte er schließlich bei Preston North End. In jener Zeit fiel er schon einem gewissen Matt Busby auf, dem legendären Manager von Manchester United. Dieser verschaffte dem 15-jährigen hageren Jungen im Januar 1953 seinen ersten Vertrag. Charlton schaffte den Sprung aus den Jugend- und Amateurmannschaften von Manchester United und feierte im Oktober 1956 sein Debüt im Profiteam. Gleich in seinem ersten Spiel steuerte er zwei Tore zum 4:2 seiner Mannschaft über Charlton Athletic bei. Bobby Charlton blieb dem Verein trotz vieler lukrativer Angebote schließlich 19 Jahre treu. Manchester konnte sich freuen, diesen „Gentleman des Fußballs“ in seinen Reihen zu haben. Er war zwar kein Genie wie der Brasilianer Pelé und auch kein Torjäger wie der Portugiese Eusebio, auch keiner wie Puskas aus Ungarn oder di Stefano aus Spanien. Aber durch seine Zweikampfstärke, seine präzisen Pässe über das ganze Feld und seine Schussgewalt - links wie rechts - und seine Vielseitigkeit war Charlton ein enorm effektiver Spieler. Bobby spielte zunächst vor allem als Linksaußen oder als halblinker Stürmer, der später von seinem Förderer Sir Matt Busby sowie von Nationalcoach Sir Alf Ramsey auch als Regisseur im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde. Der Brite war immer ein Vorbild an Bescheidenheit, Einsatz und Fairness. In seiner Laufbahn gewann Bobby Charlton wirklich alles, was man als Fußball-Profi gewinnen konnte. Im Europapokal-Finale 1968 gegen Benfica Lissabon schoss er zwei Tore zum 4:1-Erfolg. In der Nationalmannschaft debütierte der Stürmer am 19. April 1958 hingegen auf der rechten Seite im defensiven Mittelfeld. Wie bei seinem ersten Spiel für Manchester war er auch hier sofort erfolgreich: Im Hampden Park in Glasgow wurde der Erzrivale Schottland mit 4:0 besiegt, Charlton krönte seinen Einstand mit einem Treffer. Sein erster WM-Auftritt 1958 in Schweden verlief kurz, da England in der Vorrunde ausschied, der 20-jährige Charlton machte kein Spiel. Beim seinem zweiten WM-Turnier 1962 unterlag England mit Charlton gegen den späteren Weltmeister Brasilien im Viertelfinale. Im dritten Anlauf gingen die Wünsche des „Mutterlandes des Fußballs“ endlich in Erfüllung: Bobby Charlton führte das englische Nationalteam 1966 als „Kopf der Mannschaft“ zum ersten und bisher einzigen Weltmeistertitel Englands. Es waren die Hände von Gordon Banks, das Herz von Bobby Moore, die Tore von Geoffrey Hurst und das Hirn von Bobby Charlton, die zu diesem Titel führten. Dieser Sieg war ein Triumph, den Robert gemeinsam mit seinem Bruder Jack feiern durfte, der als zentraler Abwehrspieler auch im Weltmeister-Team stand. Warum England im Endspiel in Wembley über Deutschland siegte, begründete seine Rivale Franz Beckenbauer so: „England konnte gegen uns gewinnen, weil Bobby Charlton ein kleines bisschen besser war als ich.“ Noch heute spricht Beckenbauer mit größtem Respekt über Bobby, dem Star der WM 1966. In diesem Jahr wurde Charlton für seine Leistungen bei der WM zu „Europas Fußballer des Jahres“ gewählt. Bei seiner vierten WM 1970 in Mexiko ging das Duell Charltons mit Beckenbauer umgekehrt aus. Deutschland gewann das Viertelfinale und schickte England mit dem inzwischen 32-jährigen Bobby Charlton vorzeitig nach Hause. In einer Laudatio auf Charlton sagte sein Entdecker Busby später einmal: „Es gab nie einen populäreren Fußballer. Er war als Spieler wie auch als Mensch so perfekt, wie man nur sein kann.“ Charlton bestritt in seiner großartigen Laufbahn 106 Länderspiele, in denen er 49 Tore erzielte. Damit hält er bis heute den englischen Rekord, ein Tor vor Gary Lineker, der ein reinrassiger Stürmer war. Nach 752 Spielen mit 247 Toren für Manchester United kehrte Charlton 1973 schließlich zu seinem alten Verein Preston North End zurück, wo er 1975 seine Karriere beendete. Im Jahre 1994 wurde Robert „Bobby“ Charlton von der britischen Königin zum Ritter geschlagen. Er trägt den Titel "Knight of the British Empire", womit er sich als „Sir“ bezeichnen darf. In seiner Heimat gehört er zu den populärsten Sportlern aller Zeiten. Seit 1984 ist er Direktor bei Manchester United. Zudem tritt er als angesehener Fernseh- und Hörfunk-Kommentator auf. |
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