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FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: Ukraine

Ukraine: Erste WM-Teilnahme macht eine Nation glücklich

Fünfmal verfehlte die Nationalmannschaft der Ukraine knapp die Qualifikation zu einem großen Turnier. Nach dem 1:1 und dem 1:4 gegen Deutschland in den Relegationsspielen im November 2001 verpassten die Osteuropäer die Teilnahme an der FIFA WM 2002 in Korea und Japan. Das war ihnen auch schon vor der FIFA WM 1998 in Frankreich passiert, als sie in der Relegation an Kroatien scheiterten. Auch 1995, 1999 und 2003 vor den Europameisterschaften fehlte dem blau-gelben Team jeweils nicht viel zur Endrunden-Qualifikation. Doch Anfang September 2005 war es endlich soweit: Die Ukrainer qualifizierten sich als erste europäische Nationalmannschaft für die FIFA Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ...

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Andrej Schewtschenko gehört zu den Superstars des Fußballs. Der Stürmer vom AC Mailand hat es mit der Ukraine endlich geschafft, sich für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Foto: GES/Augenklick

„Wir sind jetzt alle gespannt auf die erste WM-Teilnahme der Ukraine mit ihrem großartigen Weltklasse-Stürmer Andrej Schewschenko“, sagte Franz Beckenbauer, Präsident des Organisationskomitees der FIFA WM 2006. Der frühere Weltklasse-Libero schickte ein Gratulationsschreiben nach Kiew. Hervorragende Spieler wie Juri Maximov und Viktor Skripnik früher bei Werder Bremen oder seit einiger Zeit Andrej Voronin bei Bayer Leverkusen hätten dem ukrainischen Fußball zu einem guten Ruf bei den deutschen Fans verholfen, erklärte Beckenbauer.

International war der Ruf der Ukraine bereits vorher besser als die Resultate. Als „Frankreich des Ostens“ wird die Nationalmannschaft manchmal bezeichnet. Dahinter steckt die große Wertschätzung, die die Elf um Schewtschenko, den Superstar von AC Mailand, genießt. In spielerischer Hinsicht ist das Team, das mit Oleg Blochin einen der überragenden Spieler der alten UdSSR-Zeiten als Trainer hat, in der Lage, glänzende Leistungen zu produzieren. Im Gegensatz zum Nationalteam des Landes, das noch auf seinen internationalen Durchbruch wartet, bildet die Vereinsmannschaft Dynamo Kiew eine feste Größe auf der europäischen Ebene. Der Abonnementsmeister hat in den vergangenen Jahren wiederholt in der Champions League als Gegner großer Teams wie Bayern München, Manchester United oder Real Madrid seine Klasse nachgewiesen. Die Mannschaft, die bereits zu UdSSR-Zeiten herausragend besetzt war und 1975 und 1986 den Europapokal der Pokalsieger gewann, stellt gemeinsam Schachtjor Donezk das Gerüst der Nationalelf. Schachtjor, der aktuelle Meister, ist dabei, den Kiewern den Rang abzulaufen.


„Es ist unbeschreiblich. Was wir da geschafft haben, ist ein Traum. Das werde ich im Leben nicht vergessen“, sagte Voronin, der bereits im Alter von 15 Jahren nach Deutschland zu Borussia Mönchengladbach kam, später zu Mainz 05 und zum 1. FC Köln wechselte und seit dem Sommer 2004 für Bayer Leverkusen stürmt. „Alle Menschen in der Ukraine sind überglücklich, dass wir in Deutschland endlich einmal bei der WM dabei sein werden. Darauf haben wir 15 Jahre gewartet.“ Mit einem 1:1 in Georgien sicherten sich die Ukrainer am 3. September den ersten Tabellenplatz in der Europa-Gruppe 2 und den Einzug in die WM-Endrunde. „Als es feststand, war in Kiew und allen anderen Städten die Hölle los. Der Empfang, der uns nach der Rückkehr bereitet wurde, war einmalig“, berichtete Voronin.

Nach dem Ende der Sowjetunion 1991 und der Unabhängigkeitserklärung trat die Ukraine ein Jahr später dem Internationalen Fußball-Verband (FIFA) bei. 14 Jahre lang entwickelte sich eine Geschichte, die einem sportlichen Drama glich. Immer wieder scheiterte die Nationalmannschaft bei ihren Anläufen zu den großen Turnieren denkbar knapp. Nach der verpassten Qualifikation für die Europameisterschaft 2004 vollzog sich im Team ein Umbruch. Der frühere sowjetische Nationalspieler Oleg Blochin, Europas Fußballer des Jahres 1975, übernahm die Leitung der Nationalelf von Leonid Buryak. Das Ziel des früheren Topstürmers war es, eine Schwäche des Teams auszumerzen. Zwar sind alle Spieler technisch gut ausgebildet, doch unter Stress neigten sie zum einfallslosen „Schablonen-Fußball“. Rudi Völler, der ehemalige Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, urteilte im Jahr 2002: „In der Mannschaft steckt die alte russische Schule.“

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Andrej Woronin spielt seit seinem 15. Lebensjahr in Deutschland. Der Ukrainer stürmte für Mönchengladbach, Mainz, Köln und trägt seit 2004 das Trikot von Bayer Leverkusen. Foto: GES/Augenklick

Seit Blochin im September 2003 das Amt des Nationaltrainers übernahm, kam die Mannschaft auf Erfolgskurs. In der Gruppe setzten sich die Ukrainer vor Europameister Griechenland, Ex-Europameister Dänemark und dem WM-Dritten Türkei durch. Die Probleme lagen abseits des Spielfeldes. Im März 2005, kurz vor entscheidenden Begegnungen in der WM-Qualifikation, erklärte Blochin seinen Rücktritt. Aus politischen Gründen fühlte sich der Coach aus dem Amt gedrängt. „Mein Herz schmerzt, denn die Mannschaft ist mein Leben“, sagte Blochin. Da er Abgeordneter des ukrainischen Parlaments ist, sollte er keine Nebentätigkeit ausüben dürfen. Im Land herrschte Empörung, dass Blochin demissionieren sollte. Deswegen konnte der Trainer einen Rücktritt vom Rücktritt vollziehen. Ein halbes Jahr später konnte er den Lohn seiner zweijährigen Arbeit ernten – die erste WM-Teilnahme der Ukraine.