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FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: Spanien

Spanien: Titel-Hoffnungen beim chronisch erfolglosen Mitfavoriten

Wenn es so etwas gibt wie den kompletten Gegenentwurf zur deutschen Nationalmannschaft, dann ist es die spanische. Während die DFB-Auswahl fast immer auf den Punkt topfit bei FIFA Weltmeisterschaften aufkreuzt und immerhin neun Mal den Sprung unter die besten drei Mannschaften schaffte, steht für die große europäische Fußball-Nation Spanien als größter Erfolg gerade einmal ein eher bescheidener 4. Platz zu Buche. Und das ist 55 Jahre her (1950 in Brasilien). Aber wie schon bei den bisherigen elf Anläufen seit 1934: auch diesmal zählt der Weltranglisten-Sechste (Stand: November 2005) wieder zum Kreis der Mitfavoriten.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ...

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Die Gleichgültigkeit, mit der die sehr kritischen spanischen Fans die chronische Erfolglosigkeit ihrer Nationalauswahl ertragen, ist nur auf den ersten Blick erstaunlich. Lange spielte auf der iberischen Halbinsel der Vereinsfußball die Hauptrolle. In den Europacup-Wettbewerben trumpfen die spanischen Klubs auf: 20 europäische Pokale gingen bisher an Real Madrid, FC Barcelona, FC Valencia und Co.

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Raúl González Blanco von Real Madrid, kurz Raúl genannt, ist Kapitän der Spanier und mit 40 Länderspieltoren der Rekordschütze des Landes. (Foto: GES/Augenklick)

Als Luis Aragonés im August 2004 das Traineramt übernahm, hatte Spanien gerade eine miserable Europameisterschaft hinter sich gebracht. Nach dem 1:0-Auftaktsieg über Russland bedeuteten das 1:1 gegen den späteren Sieger Griechenland und das 0:1 gegen Gastgeber Portugal das „Aus“ bereits in der Vorrunde. Eine nationale Schmach, wie schon die Viertelfinal-Pleite bei der WM 2002 gegen Gastgeber Südkorea im Elfmeterschießen. Coach Inaki Saez musste nach heftiger Kritik an der defensiven Spielweise seinen Hut nehmen.


Der spanische Fußballverband RFEF (Real Federación Española de Fútbol) eiste seinen langjährigen Wunschkandidaten Luis Aragonés aus dessen laufenden Vertrag bei Real Mallorca los. Der 67-Jährige mit dem grauen Haar und der markanten Brille, Spitzname „der Weise“, nutzt seitdem seine weit reichenden Vollmachten aus. Er forderte von den Fußball-Millionären aus Madrid und Barcelona Demut: „Wir fangen wieder ganz unten an.“ Er brauche auf dem Platz „keine Künstler, sondern vor allem richtige Arbeiter“. Disziplin, Ballbesitz, Eigeninitiative sind seine Lieblingsvokabeln.

Die Spieler scheinen die Botschaft verstanden zu haben. Unter Aragonés’ Ägide verloren die Spanier bis Ende des Jahres 2005 kein Spiel, kamen in den eineinhalb Jahren zu elf Siegen und sieben Unentschieden. Dass die Qualifikation zur WM 2006 dennoch holprig verlief, lag an der Schwäche des Teams: sie kann mächtigen Druck entwickeln, lässt aber sehr viele Torchancen aus. Das führte in der Gruppe 8 zu unnötigen Punktverlusten, schmerzhaft vor allem die beiden Remis gegen Bosnien-Herzegowina. So langte es Ende ungeschlagen nur zum zweiten Gruppenplatz hinter Serbien und Montenegro. In den Playoff-Begegnungen gegen die Slowakei zeigte das Team dann jedoch das wahre Leistungsvermögen und löste mit 5:1 und 1:1 doch noch souverän die WM-Fahrkarte.

Die meisten Qualifikationstreffer (7) erzielte das derzeit größte Talent, der erst 21 Jahre alte Mittelstürmer Fernando Torres von Atlético Madrid, während sich Kapitän Raúl González Blanco von Real Madrid, mit 40 Treffern Spaniens Länderspiel-Rekordschütze, nur dreimal in die Torjägerliste eintrug. Der 28-Jährige zog sich im November im Liga-Topspiel gegen FC Barcelona eine schwere Knieverletzung zu,  die sogar seine WM-Teilnahme in Frage stellen könnte.

Im Team der Iberer gab es seit der EURO 2004 kaum nennenswerte personelle Veränderungen. Aragonés versprach zwar bei seinem Amtsantritt, künftig verstärkt auf die Jugend zu setzen, doch aus den Juniorenteams, die 1999 Weltmeister und 2003 Vizeweltmeister wurden, finden sich nur wenige im aktuellen Kader. Allerdings verdienen mittlerweile nicht mehr alle Spieler in der „Primera Division“ ihr Geld. Ein halbes Dutzend zog es auf die britische Insel. Ersatztorhüter José Manuel Reina (23), Xabi Alonso (24), Luis García (27) und Fernando Morientes (29) stehen bei Champions-League-Sieger FC Liverpool unter Vertrag, Asier Del Horno (24) kickt für den FC Chelsea und José Antonio Reyes (22) hat seine sportliche Heimat beim FC Arsenal gefunden.

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Iker Casillas ist unumstrittener Stammtorhüter der spanischen Nationalelf. Der Markenbotschafter der Continental AG ist die Zuverlässigkeit in Person. (Foto: GES/Augenklick)

Im Tor ist Iker Casillas (24), der Markenbotschafter der Continental AG, unumstritten die Nummer eins. Vor dem Akteur von Real Madrid agieren in der Dreier-Abwehrkette meist Michel Salgado (30, Real Madrid), mit 48 Länderspielen neben Raúl (92) der Erfahrenste im Team, Carlos Marchena (26, FC Valencia) und Carles Puyol (27, FC Barcelona). Im defensiven Mittelfeld zieht der Kapitän des FC Valencia, David Albelda (28) die Fäden, unterstützt vom nimmermüden „Dauerläufer“ Xavi (Xavier Hernández, 25) vom FC Barcelona. Auf der linken Außenbahn hat Vicente Rodríguez (24, FC Valencia) seinen Stammplatz sicher, die rechte Seite besetzt Joaquín Sánchez (24, Real Betis Sevilla), 2002 der jüngste Akteur im spanischen WM-Kader.

Im offensiven Mittelfeld führt kein Weg mehr an Luis García vorbei, der sich mit seinen drei Toren im Playoff-Hinspiel gegen die Slowakei in die Herzen der Fans geschossen hat. Die ersten Alternativen in diesem Mannschaftsteil sind Xabi Alonso, Alberto Rivera (27, Real Betis Sevilla) und Antonio López (24, Atlético Madrid). Das Standard-Sturmduo bilden Raúl und Fernando „Niño“ Torres. Luis Aragonés verfügt über eine homogene, hungrige Mannschaft, die von vielen als „Geheimfavorit“ auf den WM-Titel gehandelt wird. Wäre da nur nicht diese ominöse Turnierschwäche. Doch die Vergangenheit ficht den Trainerfuchs wenig an. Sein erklärtes Ziel heißt: Finale! Und sein Kapitän Raúl stimmt ihm zu: „Wir hatten im vergangenen Jahrzehnt noch nie so viele gute Spieler. Wir fahren zur Weltmeisterschaft, um den Titel zu holen.“