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FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: Saudi Arabien

Saudi-Arabien: Die Könige des asiatischen Fußballs

Am 8. Juni um 22.55 Uhr herrschte Ausnahmestimmung in Saudi-Arabien. 67.000 Fans im König-Fahd-Stadion und hunderttausende Menschen in den Straßen der Millionen-Metropole Riad feierten ausgelassen und enthusiastisch die vierte Qualifikation ihrer Nationalmannschaft für eine Weltmeisterschafts-Endrunde in Folge. Vorausgegangen war ein klarer 3:0-Sieg über Usbekistan, der die direkte Fahrkarte nach Deutschland bedeutete.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ...

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Iran, Japan und Südkorea rangieren zwar in der Weltrangliste vor Saudi-Arabien, aber die wahren Regenten des asiatischen Fußballs sind derzeit die Kicker aus dem fußballverrückten Königreich auf der arabischen Halbinsel, das flächenmäßig sechsmal so groß wie Deutschland ist, aber nur 26 Millionen Einwohner hat. Mit beeindruckender Leichtigkeit spazierten die „Grünen“ mühelos durch die Asien-Qualifikation, blieben ungeschlagen und gewannen zehn ihrer zwölf Spiele, bei einer Tordifferenz von 24:2.

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Bei der WM 2002 fuhr Saudi-Arabien punktlos und mit 0:12 Toren nach Hause. Abdullah Sulaiman Zubromawi im Zweikampf mit Kameruns Patrick Mboma (links) beim 0:1 in Saitama. Foto: GES/Augenklick


Dabei ist die Geschichte des saudischen Fußballs noch gar nicht so alt. Der nationale Verband wurde erst 1959 gegründet. Bis 1951 war Fußball im „Heiligen Land des Islam“ sogar strengstens verboten. Aber auch nach danach tat sich sehr wenig. Der beliebteste Sport der Welt fristete drei Jahrzehnte lang ein Mauerblümchendasein, in der Popularität weit hinter dem Nationalsport Kamelrennen.

Das änderte sich erst, als König Fahd Ende der 80er Jahre beschloss, seine Fußballbegeisterung für alle Welt sichtbar zu machen. Er errichtete das unglaublich prunkvolle Nationalstadion in der Hauptstadt Riad und lud im Oktober 1992 erstmals zum erdteilübergreifenden Turnier um den „König-Fahd-Pokal“ ein, den heutigen FIFA Confederations Cup.

Als Prestigeprojekt war das schon nicht schlecht, aber damit war das ambitionierte Staatsoberhaupt noch längst nicht zufrieden. Es fehlten sichtbare Erfolge der Nationalmannschaft. Die hatte zwar 1984 und 1988 die Asien-Meisterschaft gewonnen (und gewann sie 1996 noch ein drittes Mal), aber im Weltmaßstab war der saudische Fußball eine vergleichsweise unbedeutende Nummer.

1994 trug die Verpflichtung eines ausländischen Trainers endlich die ersehnten Früchte. Der Argentinier Jorge Solari führte Saudi-Arabien erstmals zu einer WM-Endrunde. In den USA sorgte das Team für Furore, schlug in der Vorrunde überraschend Marokko (2:1) sowie Belgien (1:0) und scheiterte erst im Achtelfinale mit 1:3 an Schweden.

Vier Jahre später in Frankreich lief es weniger gut. Außer einem 2:2 gegen Südafrika in der Vorrunde gab’s nichts zu holen. 2002 in Japan trafen die Saudis in der Gruppe E unter anderem auf Deutschland und kassierten mit 0:8 ihre höchste WM-Niederlage. Unter anderem drei Treffer von Miroslav Klose leiteten seinerzeit in Sapporo den unerwarteten Höhenflug des späteren Vizeweltmeisters ein. Saudi-Arabien verabschiedete sich punkt- und torlos von seiner dritten WM.

Bei der vierten WM-Teilnahme 2006 in Deutschland setzt der Präsident der „Saudi Arabian Football Federation“ (SAFF), Prinz Sultan Bin Fahad Bin Abddulaziz, wieder auf argentinisches Fußball-Knowhow. Gabriel Humberto Calderón, der als Spieler 1990 in Italien Vizeweltmeister wurde, heißt der neue Hoffnungsträger. Dass der 44-Jährige auf seinem Trainerstuhl sicher sitzt, kann man allerdings nicht behaupten. 13 Trainer wurden in den vergangenen elf Jahren verschlissen, zuletzt musste 2004 der Niederländer Gerard van der Lem vorzeitig gehen. Er war mit seinem Team bei der Asien-Meisterschaft überraschend bereits in der Vorrunde sieglos ausgeschieden.

Calderón darf sich allerdings berechtigte Hoffnungen machen, in Deutschland 2006 auf der Trainerbank zu sitzen. „Das Erreichen der Weltmeisterschafts-Endrunde ist zum großen Teil sein Verdienst. Er hat den langen Weg mit uns begonnen, und daher sollte er auch das Recht haben, mit in Deutschland dabei zu sein“, ließ der Verbandschef nach dem Triumphzug in der Qualifikation mit dem abschließenden 1:0-Erfolg in Südkorea verlauten.

Dem Argentinier, seit November 2004 in Amt und Würden, gelang dabei ein genialer taktischer Schachzug, der ihm bei den stets extrem kritischen Fans und Medien viele Sympathien einbrachte: er holte rechtzeitig zur entscheidenden Qualifikationsrunde Anfang 2005 den Fußball-Nationalhelden Sami Al Jaber zurück ins Team, der zuvor drei Jahre geschmollt und kein Länderspiel bestritten hatte. Der 32 Jahre alte Stürmer von Al-Hilal, mit 152 Einsätzen und 42 Toren Rekord-Internationaler und -Torjäger seines Landes, war als einziger saudischer Kicker bei allen drei bisherigen WM-Teilnahmen dabei.

Der Kapitän dankte es mit wichtigen Toren und war neben Mohammad Al Shlhoub und Ibrahim Al Shahrani mit jeweils drei Treffern erfolgreichster Qualifikations-Torschütze. Als größtes Talent in der insgesamt sehr jungen Mannschaft gilt der 22 Jahre alte Angreifer Yasser Al-Qahtani. Mehr Substanz im Mittelfeld verspricht sich Calderón vom Comeback des lange verletzten Mittelfeldstrategen Nawaf Al Temyat. Der 29-Jährige, bereits 1998 und 2002 im WM-Kader, hatte zwei Jahre lang kein Länderspiel mehr bestritten.

International sind fast alle „Wüsten“-Kicker gänzlich unbeschriebene Blätter. Auslands-Legionäre sind nahezu unbekannt. Al Jaber versuchte es einmal für fünf Monate in der englischen Liga bei Wolverhampton Wanderers, scheiterte aber kläglich. Die Spitzenspieler verdienen auch in der Heimat nicht schlecht. Kein Wunder in einem Land, in dem die Dollar-Milliarden in Form von Öl aus dem Boden sprudeln.