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FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: Frankreich

Frankreich: Rückkehrer Zidane steuert den Luxusliner in den WM-Hafen

Ein Jahr lang schipperte der einstige Fußball-Dampfer namens „Equipe tricolore“ orientierungslos durch die Qualifikations-Gewässer. Der stolze Luxusliner war ins Schlingern geraten. Bis zum 3. September 2005, dem Tag, als der Kapitän an Bord zurückkehrte und das leckgeschlagene Schiff zielsicher in den Hafen WM 2006 steuerte. Dank Zinedine Zidanes Comeback darf Frankreich hoffen, das WM-Trauma von 2002 bei der Weltmeisterschaft in Deutschland zu überwinden.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ...

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Das Team, das Frankreich erstmals zum Weltmeister machte. Das 3:0 im Finale über Brasilien am 12. Juli 1998 in St. Denis machte den Triumph der „Equipe Tricolore“ perfekt. Foto: GES/Augenklick


Lässt man die reine Statistik sprechen, dann scheint es so, als sei das französische Star-Ensemble nach der Berg- und Talfahrt des letzten Jahrzehnts wieder auf dem Gipfel angekommen. Nach dem Leistungshöhepunkt der Mannschaft mit dem Weltmeistertitel 1998 und dem Gewinn der Europameisterschaft 2000 schlitterte der Top-Favorit bei den Welt-Titelkämpfen 2002 ins Desaster und schied in der Vorrunde torlos aus. Im Jahr darauf sicherte sich die „Equipe tricolore“ den Confed-Cup-Sieg, um 2004 bei der EURO in Portugal im Viertelfinale überraschend am späteren Titelträger Griechenland zu scheitern (0:1).

Danach schien sich ein Generationswechsel anzubahnen, die Superstars Zinedine Zidane und Claude Makelele verkündeten nach der harschen Kritik am EM-Aus ihren Rücktritt, Trainer Jacques Santini musste seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger wurde ein „Nobody“ im internationalen Fußball-Geschäft: Raymond Domenech. Der 53-Jährige, selbst achtfacher Nationalspieler, hatte bis dahin wenig aufzuweisen: Aufstieg mit Olympique Lyon 1989 in die erste Liga und seit 1993 im Nachwuchs-Bereich des französischen Fußball-Verbandes FFF (Fédération Française de Football) tätig, zuletzt recht erfolglos Trainer der U-21.

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Mit Real Madrids Spielmacher Zinédine Zidane gab Chelsea Londons defensiver Mittelfeldspieler Claude Makelele im August 2005 sei Comeback in der französischen Nationalelf. Foto: GES/Augenklick

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Kapitän Didier Deschamps mit dem EM-Pokal. Die Franzosen wurden am 2. Juli 2000 in Rotterdam nach einem 2:1 über Italien zum zweiten Mal nach 1984 Europameister. Foto: GES/Augenklick

Unter Domenech, dem früheren eisenharten Verteidiger, blieb die Mannschaft seit dem EM-Aus bis zum Oktober 2005 in 15 Spielen ungeschlagen, darunter zehn in der WM-Qualifikation. Doch Zahlen können täuschen: In den ersten neun Spielen unter seiner Regie gab’s bis Mai 2005 nur zwei magere Siege gegen die Fußball-Zwerge Färöer Inseln und Zypern. Viel zu wenig, um nicht in die Schusslinie zu geraten.

Angesichts des teilweise desolaten Zustands seiner Mannschaft sah sich Disziplin-Fanatiker Domenech zum Canossa-Gang gezwungen. Anfang August 2005 klopfte er bei seinen ehemaligen Mittelfeld-Strategen Zinedine Zidane (33, Real Madrid) und Claude Makelele (32, FC Chelsea) an. Der Coach überzeugte die beiden Repräsentanten großer französischer Fußballkunst, wieder ihre Stiefel für die "Equipe tricolore" zu schnüren. Es war für ihn und den französischen Fußball der Glücksgriff des Jahres. Zidane, längst nicht mehr so dynamisch und antrittsschnell wie zu seinen Glanzzeiten, schwang sich dennoch sogleich zur unumschränkten Führungsfigur empor – ganz so, als sei er nie weg gewesen. Und mit dem Weltsportler des Jahres 1999 kam der Erfolg zurück.


Bis zu seinem Comeback schien die WM-Teilnahme in weite Ferne gerückt. „Les Bleus“ (die Blauen) fristeten nach sechs von zehn Spielen ein unwürdiges Dasein auf Platz vier der Tabelle, drei Punkte hinter Tabellenführer Irland. Es holperte und rumorte an allen Ecken und Enden. Vor allen Dingen die torlosen Remis in den ersten drei Heimspielen nagten am Selbstvertrauen der Mannschaft. Die Unsicherheit und Nervosität auf dem Spielfeld mündete in Platzverweisen für Patrick Vieira (auf Färöer) und David Trezeguet (in Israel). Nur dank seiner individuellen Klasse hielt sich das Team dennoch im Rennen.

Am Ende reichte es dank des zurückgekehrten Kapitäns trotzdem zur 12. Teilnahme an einem WM-Endrundenturnier. In einer der kuriosesten Qualifikationsrunden der WM-Geschichte setzte sich Frankreich im Endspurt gegen die Konkurrenten Schweiz, Israel und Irland durch. Kurios deshalb, weil alle Begegnungen des Quartetts untereinander unentschieden endeten – nur eine nicht: Frankreich gewann dank eines Geniestreichs von Thierry Henry in Irland mit 1:0. Das reichte unter dem Strich für die WM-Fahrkarte nach Deutschland. Trotzdem hing die Qualifikation bis zur letzten Sekunde am seidenen Faden. Zwar gewannen Zidane und Co. ihr letztes Gruppenspiel sicher mit 4:0 gegen Zypern, doch ein einziges Tor der Schweiz im Parallelspiel in Irland hätte genügt, um den Ex-Weltmeister in die Relegationsrunde zu schicken.

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Selbst die zwischenzeitlichen langwierigen Verletzungen der beiden 28 Jahre alten Stürmerstars Thierry Henry (FC Arsenal) und David Trezeguet (Juventus Turin) steckte das Team in der Schlussphase der Ausscheidung weg. Bester Torschütze war Djibril Cissé, der 24-Jährige vom FC Liverpool erzielte vier der 14 Qualifikationstreffer. Henry, Sylvain Wiltord (31, Olympique Lyon) und Ludovic Giuly (29, FC Barcelona) trafen je zweimal.

Neben Zidane, Makelele, Henry, Wiltord und Trezeguet spielen noch die Defensiv-Allrounder von Juventus Turin, Patrick Vieira (29) und Lilian Thuram (33) aus der „goldenen Ära“ des französischen Fußballs eine Hauptrolle im Nationaltrikot. Im Mittelfeld hat sich Bayern Münchens Dauerläufer Willy Sagnol (28) inzwischen einen Stammplatz erkämpft, während Grégory Coupet (32, Olympique Lyon) im Tor zuletzt gegenüber Routinier Fabien Barthez (34, Olympique Marseille) die Nase vorn hatte. Insgesamt ist das Team etwas in die Jahre gekommen, aus dem engeren A-Kader ist Cissé mit 24 der Jüngste.

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Thierry Henry vom FC Arsenal London ist der überragende Stürmer Europas, der auch für Trainer Raymond Domenech bei Ex-Welt- und Europameister Frankreich unverzichtbar ist. Foto: GES/Augenklick