FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: USA
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USA: Der ewige Underdog wird salonfähig Als Deutschlands Viertelfinal-Kontrahent bei der Weltmeisterschaft 2002 feststand, frohlockten die Fans in der Heimat: „Wir haben den leichtesten Gegner erwischt!“ Doch die USA erwiesen sich denkbar harte Nuss. Nur mit viel Glück und dank eines Kopfballtores von Michael Ballack erreichte der spätere Vizeweltmeister das Halbfinale. Seitdem ist das US-Team ganz sicher nicht schwächer geworden. Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ... |
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Der kurze Blick in die Vergangenheit beschreibt ein typisches Merkmal des nordamerikanischen Fußballs: er wird chronisch unterschätzt. Man mag über den sechsten Platz in der Weltrangliste des Weltfußballverbandes FIFA (August 2005), noch vor Fußball-Großmächten wie England, Spanien, Frankreich, Deutschland oder Italien, streiten; Zufall ist die Platzierung ganz bestimmt nicht. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die US-Boys vom 34. Rang kontinuierlich nach oben gearbeitet. Zum achten Mal nimmt das Land, in dem der Fußball Soccer heißt, an einer WM-Endrunde teil. Zum Auftakt 1930 in Uruguay reichte es zwar nach Siegen über Belgien und Paraguay zum Halbfinale, doch dort war gegen Argentinien Endstation (1:6). 1934 und 1950 war nach der Vorrunde Schluss. Es folgten vier Jahrzehnte, in denen die USA als fußballerisches Entwicklungsland galten. 1968 wurde der Versuch unternommen, Fußball über die Installation einer Profiliga im Land populär zu machen. Doch die NASL (North American Soccer League), die in den 70er Jahren immerhin Superstars wie Pelé, Franz Beckenbauer oder Gerd Müller anlockte, scheiterte 1984 am fehlenden Zuschauerinteresse. Der nationale Verband „US Soccer Federation“ (USSF) wurde zwar bereits 1913 gegründet, allerdings führt Fußball im Schatten von American Football, Baseball, Basketball und Eishockey seit jeher ein recht stiefmütterliches Dasein. Erst die Vergabe der WM-Endrunde 1994 an die USA löste den erhofften Aufschwung aus. Die USSF erhielt den Zuschlag unter der Maßgabe, dass eine neue Profiliga etabliert wird, was 1996 auch umgesetzt wurde. Die Euphorie im Land mündete in der Qualifikation für die WM 1990 in Italien, wo das „Team USA“ allerdings Lehrgeld zahlte und gegen die CSSR, Italien und Österreich verlor. Vier Jahre später im eigenen Land wurde das Achtelfinale erreicht, dort unterlag die Mannschaft von Trainer Bora Milutinovic allerdings 0:1 gegen den späteren Weltmeister Brasilien. 1998 in Frankreich fuhr man nach drei trostlosen Vorrunden-Niederlagen gegen Deutschland, Iran und Jugoslawien frustriert nach Hause. Das Erreichen der Runde der besten acht Teams in Japan und Südkorea war der größte WM-Erfolg seit 72 Jahren für den Nord- und Mittelamerikameister (Gold-Cup-Gewinner) von 1991 und 2002. In den USA ist der beliebteste Sport der Welt eher eine Sache für Kinder und Frauen. Außerdem gibt es keine Vereine im europäischen Sinne, sondern nur schulische Infrastrukturen an Colleges, High Schools und Universitäten. Aus diesem Umfeld kommt auch der aktuelle Nationaltrainer Bruce Arena. Als der 53-Jährige aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn im Oktober 1998 nach dem WM-Desaster als Nachfolger von Steve Sampson angeheuert wurde, hatte er von 1978 bis 1996 sehr erfolgreich als Coach der University of Virginia gearbeitet. Nach Gründung der Profiliga „Major League Soccer“ (MLS) 1996 führte er Washington D.C. United zu zwei Titeln. Das „Team USA“ betreute er inzwischen in 114 Länderspielen, gewann davon 64 und verlor nur 25. Mit Torhüter Kasey Keller (35, Borussia Mönchengladbach), Frankie Hejduk (31, Columbus Crew), Gregg Berhalter (32, Energie Cottbus), Eddie Lewis (31, Leeds United), Claudio Reyna (32, Manchester City), Brian McBride (33, FC Fulham), Pablo Mastroeni (29, Colorado Rapids), Landon Donovan (23, Los Angeles Galaxy), Steve Cherundolo (26, Hannover 96) und DaMarcus Beasley (23, PSV Eindhoven) waren die zehn Korsettstangen des heutigen Teams auch schon 2002 in Japan und Südkorea dabei. Insgesamt ist die Stammelf zwar perfekt eingespielt, aber überaltert. Die mangelnde „Blutauffrischung“ veranlasste Coach Arena dazu, nach der feststehenden Qualifikation, im Auswärtsmatch in Guatemala (0:0) am 7. September, gleich sieben Neulingen eine Chance zu geben. „Sie können sich unter schwierigen Bedingungen behaupten. Wenn ihnen das gelingt, können sie uns auch bei der Weltmeisterschaft helfen“, begründete Arena die Maßnahme. Die Qualifikation für das Turnier 2006 verlief für die USA unproblematisch. Von 16 Begegnungen wurde nur eine verloren (1:2 in Mexiko). Die meisten Treffer erzielten zwei Youngster: Stürmer Ed Johnson (21, FC Dallas) und Mittelfeld-Stratege Landon Donovan, die sich jeweils siebenmal in die Torschützenliste eintrugen. Beide sind gemeinsam mit dem Eindhovener Mittelfeldspieler DaMarcus Beasley und dem erst 16-jährigen Freddy Adu (Washington D.C. United) die großen Zukunftshoffnungen des US-Fußballs. Donovan, der in der Saison 2004/05 bei Bayer Leverkusen über sieben Einsätze nicht hinaus kam, scheint bei Los Angeles Galaxy sein Glück gefunden zu haben. Mit zehn Treffern in 17 Spielern rangiert er derzeit auf Platz fünf der MLS-Scorer-Rangliste. Insgesamt befindet sich Soccer in den USA deutlich im Aufwind. Die Erfolge der Nachwuchsmannschaften und des Frauenteams sind nicht ohne Auswirkungen geblieben. Außer den Stars verdienen die meisten Nationalkicker ihr Geld inzwischen in der MLS. Im Jahr 2004 wollten durchschnittlich 15.559 Fans die Begegnungen der zwölf MLS-Teams sehen. Der Zuschauerrekord aus dem Jahr 1996 wird indes kaum noch zu toppen sein: damals sahen 92.216 Zuschauer im Rose Bowl Stadion von Pasadena das Match zwischen Los Angeles Galaxy und Tampa Bay Mutiny. Inzwischen spielen die Galaxy, wie auch das neue MLS-Team C.D. Chivas USA, im Home Depot Center in Carson, südlich von L.A., dem ersten reinen Fußballstadion der USA, das 27.000 Besuchern Platz bietet. |