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FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: Iran

Iran: Dritte WM-Teilnahme dank Bundesliga-Stars

Knapp zehn Jahre trennen Ali Daei und Ali Karimi altersmäßig. Dennoch stehen beide in ihrem Heimatland auf der gleichen Popularitätsstufe: sie sind die unumstrittenen Stars des iranischen Fußballs. Der 36 Jahre alte Kapitän Ali Daei hatte mit neun Treffer in den Qualifikationsspielen entscheidenden Anteil daran, dass sich der Iran zum drittenmal nach 1978 und 1998 für eine WM-Endrunde qualifizierte. Mittelfeld-Regisseur Ali Karimi trauen viele als erstem iranischen Kicker eine Weltkarriere zu. Nicht zuletzt deshalb sicherte sich Bayern München in diesem Sommer die Dienste des 26-Jährigen.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ...

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Als der koreanische Schiedsrichter Jong Chul Kwon am späten Abend des 8. Juni das Qualifikationsmatch gegen Bahrain abpfiff und der 1:0-Erfolg durch einen Kopfballtreffer von Abwehrspieler Mohammad Nosrati in der 47. Minute feststand, kannte der Jubel unter den 80.000 heißblütigen Fans im gigantischen Azadi-Stadion von Teheran keine Grenzen mehr. Die direkte Fahrkarte zur FIFA WM 2006 in Deutschland war gesichert.

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Der Iran ist seit langem eine der führenden Mannschaften in Asien. Ali Karimi, im Sommer 2005 zum FC Bayern München gewechselt, ist Asien Fußballer des Jahres. Foto: GES/Augenklick


Vergessen war die entsetzliche Tragödie, die sich zehn Wochen zuvor an gleicher Stätte abgespielt hatte, als nach dem 2:1 über Japan unter den damals 110.000 Besuchern beim Verlassen des Stadions eine Massenpanik ausbrach, bei der sechs Menschen zu Tode getrampelt wurden und mehr als 40 teils schwere Verletzungen davon trugen. Danach wurde das Fassungsvermögen auf 80.000 begrenzt. Vergessen auch das sportliche Drama von 2001, als die Elf in den Playoffspielen gegen Irland (0:2 und 1:0) nur hauchdünn die Qualifikation für die WM 2002 verpasste.

Dieses Mal verlief die Ausscheidung für das Team des kroatischen Trainers Branko Ivankovic (51) wesentlich reibungsloser. In zwölf Spielen gab es bei 29:7 Toren nur zwei Niederlagen: zu Hause gegen Jordanien (0:1) in der ersten Gruppenphase und im bedeutungslosen Abschlussmatch in Japan (1:2). Neun Partien wurden gewonnen, eine endete unentschieden. Entscheidenden Anteil daran hatte die starke Bundesliga-Fraktion im iranischen Nationaldress: Vahid Hashemian (29, Hannover 96), Ali Karimi (26, Bayern München), Mehdi Mahdavikia (28, Hamburger SV), der Deutsch-Iraner Ferydoon Zandi (26, 1. FC Kaiserslautern) sowie das 22-jährige Talent Moharram Navidkia (VfL Bochum) verdienen ihre Brötchen bei deutschen Profiklubs. „Ich bin mit den Spielern aus Deutschland sehr zufrieden. Ihre Bundesliga-Erfahrung ist wichtig, weil sie uns hilft zu gewinnen“, sagt Coach Ivankovic.

Guten Gewissens dazu rechnen lässt sich auch Ali Daei. Der Kapitän der iranischen Nationalmannschaft ist ein begnadeter Goalgetter (Welt-Torjäger des Jahres 1996 und 2004), ein erfolgreicher Geschäftsmann mit eigener Sportartikel-Kollektion („Daei Sportswear“) und derjenige, der den iranischen Fußball in Deutschland hoffähig machte. 1997 heuerte er gemeinsam mit seinem Landsmann Karim Bagheri bei Arminia Bielefeld an, wechselte ein Jahr später für 2,5 Millionen Euro zu Bayern München und wieder Jahr später zu Hertha BSC Berlin. In 107 Bundesligapartien erzielte er 19 Treffer. Der 36-Jährige, mittlerweile wieder in seiner Heimat bei Saba Battery aktiv, wurde mit neun Treffern Torschützenkönig der asiatischen WM-Ausscheidung und übertraf mit seinen vier Toren beim 7:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen Laos am 17. November 2004 als erster Spieler der Welt die 100-Tore-Marke in Länderspielen. Inzwischen steht seine Rekordmarke bei 104 Toren in 140 Länderspielen. Er hängte damit den zweitplatzierten Ungarn Ferenc Puskas (84) deutlich ab. Zum Vergleich: erfolgreichster deutscher Internationaler ist Gerd Müller mit 65 Länderspieltreffern.

„Oldie“ Ali Daei verdankt seinen vierten Fußball-Frühling nicht zuletzt dem neuen Stern des iranischen Fußballs, Mohammed Ali Karimi. Der offensive Mittelfeldspieler ist nicht nur ein glänzender Vorbereiter, er war Torschützenkönig der Asien-Meisterschaft 2004 in China, als sein Team im Elfmeterschießen gegen den Gastgeber knapp das Finale verpasste, und wurde im gleichen Jahr zu Asiens „Fußballer des Jahres“ gekürt. Ein guter Grund für den deutschen Rekordmeister Bayern München, den 26-Jährigen zu verpflichten. Zumal er ablösefrei von Al Ahli in Dubai zu haben war. Karimi entschied sich gegen den AS Monaco, weil „der FC Bayern doch noch eine andere Liga ist“. Er ist beidfüßig, dribbelstark, besitzt einen präzisen Schuss und ist offensiv vielseitig verwendbar. Ein Spielertyp, wie ihn Bayern-Trainer Felix Magath liebt. Für Karimi sprechen zudem 32 Tore in 92 Länderspielen. „Mindestens die Vorrunde überstehen“ und „den vielen Iranern, die in Deutschland leben, etwas bieten“ ist sein erklärtes Ziel für die Weltmeisterschaft 2006.

Über die Vorrunde ist der Asienmeister von 1968, 1972 und 1976 bei seinen bisherigen zwei WM-Teilnahmen noch nicht hinaus gekommen. 1972/73 nahm der 1920 gegründete Fußballverband IRIFF (IR Iran Football Federation) erstmals an der WM-Ausscheidung teil, vier Jahre später qualifizierte sich das Team für die Endrunde 1978 in Argentinien. Dort reichte es zwar zu einem 1:1 gegen Schottland, aber gegen die Niederlande (0:3) und Peru (1:4) setzte es klare Niederlagen. Es folgte eine lange Phase der sportlichen Isolation, bedingt durch die politischen Veränderungen im Lande, die 1979 nach der islamischen Revolution durch Ayatollah Khomeini in einen Gottesstaat mündeten.

Erst 1998 in Frankreich feierte der Iran sein Comeback auf der großen Fußballbühne. Zwar verlor man gegen Jugoslawien (0:1) und Deutschland (0:2), doch immerhin gelang gegen die USA der erste WM-Sieg. Unter den Torschützen war der heutige Hamburger Stürmer Mehdi Mahdavikia. Inzwischen weist die FIFA-Weltrangliste (Stand August 2005) den Iran auf Platz 15 als beste Mannschaft Asiens aus, noch vor Japan und Südkorea. Für Trainer Ivankovic zählen jedoch vor allem die langfristigen Perspektiven: „Ich hoffe, dass ich dem kommenden iranischen Trainer eine Mannschaft übergeben kann, die um die jüngere Generation herum aufgebaut ist. Wir haben fünf Spieler im Team, die unter 23 sind, insgesamt sind im aktuellen Kader elf U-23-Akteure. Das Land verfügt über viele talentierte Eigengewächse, und ich glaube, dass einige Spieler sich zu Stars entwickeln können, wenn sie die Chance bekommen. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg.“