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FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: Niederlande

Niederlande: Van Basten nährt die Hoffnung auf den ersten WM-Titel

Vor vier Jahren fühlten sich die Fans der niederländischen Nationalmannschaft gar nicht gut. Die Stars des Oranje-Teams, das 1998 bei der FIFA WM noch den vierten Platz belegt hatte, waren in der Qualifikation für das Endrunden-Turnier in Südkorea und Japan kläglich an Portugal und Irland gescheitert. Für die seit drei Jahrzehnten stark auftrumpfende Fußball-Nation war dies ein schwerer Rückschlag. Die Qualifikation zur FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, quasi vor der Haustüre gelegen, meisterten die Niederländer aber souverän. Im Herbst 2005 gilt der Europameister von 1988 und zweimalige Vize-Weltmeister (1974 und 1978) als einer der Favoriten für die Titelvergabe im nächsten Sommer. Der zweite Platz in der Weltrangliste hinter Brasilien ist ein Beweis für die Leistungsstärke der Oranje-Stars, die unter der Führung ihres neuen Bondscoachs Marco van Basten ihr Potenzial wieder entfalten.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ...

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Die Ansprüche der niederländischen Fans und Medien sind hoch: Bei der Europameisterschaft 2004 erreichte die „Elftal“ das Halbfinale, das gegen Gastgeber Portugal mit 1:2 verloren ging. Dennoch war danach von einer Krise die Rede. Trainer Dick Advocaat, der wegen eines angeblich zu defensiven Stils kritisiert worden war, räumte frustriert seinen Platz für den früheren Stürmerstar van Basten. Dieser Wechsel führte zur Wende. Die Niederländer spielten in der Europa-Gruppe 1 eine ausgezeichnete Qualifikationsrunde ohne Niederlage (zehn Siege bei zwei Unentschieden/ 27:3 Tore) und besiegten die hoch eingeschätzten Tschechen zweimal mit 2:0 in Amsterdam und Prag. Die sportliche Stabilität, früher nicht selbstverständlich, wurde ergänzt durch einen Stimmungsumschwung bei den Anhängern, die der Zukunft wieder optimistisch entgegenschauen.

Internationale Experten stufen die aktuelle holländische Mannschaft so stark ein wie jene, die 1988 in München den EM-Titel gewann und mit Namen wie Ruud Gullit, Frank Rijkkaard und van Basten verbunden ist. Keine andere europäische Nationalmannschaft besitzt personell ein so gutes Fundament wie die Holländer. Die meisten Akteure sind bei europäischen Spitzenvereinen Stammspieler. Dazu drängen ständig junge Spieler nach. Akteure wie Edgar Davids (Tottenham) oder Torjäger Roy Makkay (Bayern München) finden sich auf der Ersatzbank wieder. Für die Oranje-Fans ist dies nicht ungewöhnlich: Einen Platz in der Nationalelf zu erkämpfen, gelingt nur Weltstars wie Ruud van Nistelrooij oder Torwart Edwin van der Sar (beide Manchester United). Van Basten hat außerdem den Generationswechsel stark vorangetrieben. Von früheren Leistungsträgern ist neben van der Sar nur Kapitän Phillip Coco (Eindhoven) übrig geblieben. Dafür haben Rafael van der Vaart (Hamburger SV), ein Spielmacher mit Torjäger-Qualitäten, und Stürmer Arjen Robben (FC Chelsea) den Sprung in die Mannschaft geschafft.

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Mit Marco van Basten als Bondscoach die Niederlande die Qualifikation zur WM 2006 souverän gemeistert. Der frühere Weltklassestürmer setzt auf eine neue Spieler-Generation. FOTO: Kunz/Augenklick

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Die Nationalmannschaft der Niederlande vor einem Testspiel im Frühjahr 2004 gegen die USA. Bei der WM 2006 in Deutschland will das Oranje-Team wie 1974 in das Endspiel vorstoßen. Foto: GES/Augenklick


Unter van Basten beeindrucken die Nationalspieler durch ihre mannschaftliche Geschlossenheit, wobei genug Platz bleibt für Individualität und Kreativität. Für die WM 2006 wurden hohe Ziele ausgegeben: Van Basten erklärte, dass er mit seiner Mannschaft in Deutschland endlich den ersten WM-Titel für das Land holen wolle. Als Orientierungshilfe dienen die Vorgänger von 1974, die beim ersten Endrunden-Turnier, das in Deutschland stattfand, erst im Finale von München vom Gastgeber geschlagen wurden. Der damalige Kapitän Johan Cruyff hält es für möglich, dass der FIFA-Weltpokal nach dem 9. Juli 2006 wirklich einmal in den Trophäenschrank des Niederländischen Fußball-Verbandes gestellt werden kann. In den WM-Endspielen 1974 und 1978 mussten sich die Niederländer jeweils den WM-Gastgebern Deutschland und Argentinien geschlagen geben. Seitdem erreichten sie kein WM-Finale mehr.

Ein Halbfinal-Einzug wie bei der EURO 2004 stufen die meisten Niederländer als einen Misserfolg ein, wenn er mit einer als unattraktiv betrachteten Spielweise erzielt wurde. Advocaat warf man vor, die Mannschaft zu defensiv eingestellt zu haben. Oranje-Fußball muss aber offensiv vorgetragen werden, glauben die meisten Fans. Indes hat dies – gemeinsam mit einer unerklärlichen Schwäche bei Entscheidungen durch Elfmeterschießen - zuweilen zu mageren Turnier-Ergebnissen geführt. Vor dem K.o. in der Qualifikation zur WM 2002 hatte die Nation noch das Ausscheiden bei der Europameisterschaft 2000 im eigenen Land zu verarbeiten.

Nach Siegen gegen Tschechien (1:0), Dänemark (3:0), Frankreich (3:2) und Jugoslawien (6:1) galt das Team als klarer Favorit, scheiterte aber im Halbfinale nach einem 0:0 an Italien im Elfmeterschießen (1:3). Im Jahr 2001 kam ein weiterer Tiefpunkt hinzu, weil die Nationalspieler Edgar Davids, Jaap Stam und Frank de Boer wegen Nandrolon-Dopings mit langen Sperren belegt wurden. Nachdem die Trainer Frank Rijkaard, Louis van Gaal und Advocaat verschlissen wurden, sind die Niederländer erst jetzt wieder zufrieden gestellt. Mit van Basten soll die WM 2006 zu einem richtigen Erfolg werden – und Erfolg bedeutet für das Oranje-Team, das früher wegen seiner hohen Spielkultur oft als das „europäische Brasilien“ bezeichnet wurde, nicht weniger als der WM-Triumph.