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FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: Elfenbeinküste

Elfenbeinküste: Ein Märchen wie aus 1001 Nacht

Volle zwei Tage dauerten die Feierlichkeiten in Côte d’Ivoire, zu deutsch: Elfenbeinküste, nachdem am 8. Oktober die erste Teilnahme an einer Fußball-Weltmeisterschaft feststand. In der Millionenstadt Abidjan feierten die Menschen ausgelassen das „Wunder von Omdurman“, die nicht mehr für möglich gehaltene Qualifikation am letzten Spieltag der Afrika-Gruppe 3. Allerorten brach der Straßenverkehr komplett zusammen, auf den meisten Dächern wehte die Nationalflagge. Eine einzigartige Achterbahnfahrt der Gefühle hatte ein märchenhaft glückliches Ende genommen.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ...

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Dindane Aruna, hier für den RSC Anderlecht gegen Ismael Valerien (Bayern München) am Ball, ist ein Topstürmer der Elfenbeinküste. Er wechselte inzwischen zum RC Lens. (Foto: firo/augenklick)


Die erste WM-Teilnahme des westafrikanischen Landes ist untrennbar mit vier Namen verbunden: Henri Michel, Didier Drogba, Aruna Dindane und Pierre Wome. Letztgenannter hat mit der ivorischen Nationalmannschaft zwar nichts zu tun, doch der 26 Jahre alte Linksverteidiger von Inter Mailand spielte in dem unfassbaren Qualifikations-Drama gleichwohl die Hauptrolle. Vor dem letzten Spieltag hatte der haushohe Gruppenfavorit Kamerun, fünfmaliger WM-Teilnehmer und bestplatzierte Mannschaft des Kontinents in der FIFA-Weltrangliste (23. im Oktober 2005) alle Trümpfe in der Hand. Ein eigener Sieg zu Hause gegen Ägypten hätte die WM-Fahrkarte bedeutet. Beim Stand von 1:1 bekamen die „unbezähmbaren Löwen“ in der vierten Minute der Nachspielzeit einen umstrittenen Elfmeter zugesprochen. Wome scheiterte am Pfosten – und Kamerun war draußen.

Und die Elfenbeinküste war drin. Denn der gleichzeitige Sieg der grün-weiß-orangen Kicker im sudanesischen Omdurman (3:1) ließ das Pendel in letzter Sekunde noch einmal kippen. Lange Zeit hatte es in der Ausscheidung nach einem Durchmarsch der überraschend starken Ivorer ausgesehen. Das Team, das nur einmal (1992) die Afrika-Meisterschaft gewann und für den African Nations Cup 2004 in Tunesien gar nicht qualifiziert war, hatte nach dem 6. von zehn Spieltagen vier Zähler Vorsprung auf Kamerun. Aber drei Siege in Folge brachten das ehemalige Team des Ende 2004 gefeuerten deutschen Trainers Winfried Schäfer wieder heran. Am vorletzten Spieltag konnte die Elfenbeinküste trotzdem daheim gegen Kamerun mit einem Sieg alles klar machen. Doch nach dem Schlusspfiff herrschte unter den 35.000 Fans im „Felicia“-Nationalstadion von Abidjan Weltuntergangsstimmung. Kamerun siegte dank eines Dreierpacks von Achille Webo (CA Osasuna) 3:2 und benötigte jetzt selbst nur noch einen Heimsieg.

Niemand gab mehr einen Pfifferling auf die Elfenbeinküste. Umso größer war zum guten Schluss die Begeisterung in der ehemaligen französischen Kolonie über die nicht mehr für möglich gehaltene „göttliche Qualifikation“, wie sie im Land genannt wird. Bis 1999 galt die Elfenbeinküste als politisches und ökonomisches „Musterländle“ des Kontinents. Nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1960 verhalf der Export von Elfenbein, Kakao und Bananen den 17 Millionen Einwohnern zu relativem Wohlstand. Doch mit der weltweiten Kakaokrise 1999 wurde es unruhig im Land. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Regierung, Militär und Rebellen, was die UNO vor zwei Jahren zur Stationierung von 6.000 Blauhelm-Soldaten veranlasste. „Mit ihrem Sieg wollen unsere Spieler ein Zeichen für einen friedlichen Neubeginn in unserem Land setzen. Dieser Erfolg muss uns wieder zusammen bringen“, erklärte Jacques Anouma, Präsident des ivorischen Fussballverbandes, deshalb angesichts des drohenden Bürgerkrieges. Staatspräsident Laurent Gbagbo ließ sich nicht lumpen und ernannte die Nationalspieler allesamt zu „Rittern des Verdienstordens“. Als Zugabe gab’s für jeden eine Villa als Geschenk.

Der Architekt des Triumphes hielt sich derweil bescheiden im Hintergrund. „Die eigentlichen Helden sind die Spieler. Jetzt müssen sie auch die Möglichkeit haben, sich von ihrem Volk feiern zu lassen“, erklärte Nationaltrainer Henri Michel. Der 58 Jahre alte Franzose, als Spieler WM-Teilnehmer 1978 und als Trainer mit Frankreich 1986 WM-Dritter, kennt sich im afrikanischen Fußball bestens aus. 1994 führte er Kamerun zur WM, vier Jahre später Marokko. Innerhalb von zwei Jahren seit seiner Amtsübernahme 2004 gelang es dem ebenso smarten wie zielstrebigen Coach, aus exzellenten ivorischen Einzelkönnern eine erstklassige Mannschaft zu formen.

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International bekannte Spieler gibt es im Team reichlich. Allen voran die beiden Stürmer Didier Drogba und Aruna Dindane, die zusammen 16 der 20 Qualifikationstore erzielten. Der 27 Jahre alte Drogba, 2004 für 36 Millionen Euro von Olympique Marseille zum FC Chelsea gewechselt, avancierte zur unumstrittenen Führungspersönlichkeit. Mit Dindane (24, RC Lens) bildet er eines der gegenwärtig besten Sturmduos der Welt. Glänzend in Szene gesetzt werden beide vom Top-Vorbereiter Bonaventure Kalou (27, Paris St. Germain). Das Abwehrbollwerk bilden Habib Kolo Touré (24) und Emmanuel Eboué (22), beide vom FC Arsenal London, sowie Mannschaftskapitän Cyril Domoraud (34, US Creteil) und Arthur Boka (22, Racing Straßburg). Stammtorhüter ist Jean-Jacques Tizié (32) von Esperance Tunis, der wegen einer Verletzung in den letzten beiden Ausscheidungspartien schmerzlich vermisst wurde.

Insgesamt verfügt Michel über eine sehr junge, begeisterungsfähige Mannschaft, die noch gelegentlich im Offensiv-Überschwang die taktische Disziplin vernachlässigt. Nur fünf Spieler aus dem erweiterten Kader sind älter als 27. Aus der deutschen Bundesliga kann sich vor allem Guy Demel (24) vom Hamburger SV Hoffnungen auf eine WM-Nominierung machen. Er kam in drei Qualifikations-Partien zum Einsatz. Aber auch für Kaiserslauterns Stürmer Boubacar Sanogo (22) ist der Zug noch nicht abgefahren.

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Didier Drogba, der beim FC Chelsea zu einem der weltbesten Stürmer wurde, hatte großen Anteil an der ersten WM-Qualifikation der Elfenbeinküste. (Foto: GES/Augenklick)

Sicherlich reist die Elfenbeinküste als großer Außenseiter zur FIFA WM 2006. Aber das Team hat beachtlichen Unterhaltungswert. Und Guy Demels Ausspruch klingt wie eine Kampfansage an die etablierte Fußballwelt: „Wir kommen nicht als Touristen!“