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Teil 38: Joachim Löw ist neuer Bundestrainer: „Wir wollen Europameister werden“

Am liebsten wäre der „Jogi“ der Assi vom „Klinsi“ geblieben. Aber da Jürgen Klinsmann nicht einmal zwei Jahre nach seinem Dienstbeginn als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft seinen Job wieder aufgab, akzeptierte Assistent Joachim Löw seine Beförderung. Am Mittwoch, den 12. Juli, drei Tage nach der FIFA Weltmeisterschaft 2006TM wurde ein Wechsel bei der sportlichen Leitung des WM-Dritten vollzogen, der viele Beobachter überraschte. Einerseits hatte auch die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gehofft, dass Klinsmann den Bitten der Fans, der Spieler und des Verbandes folgen und seine Arbeit wenigstens bis zur UEFA Europameisterschaft 2008 fortsetzen würde. Andererseits kam auch die Entscheidung, Klinsmanns Assistenten zum neuen DFB-Chefcoach zu machen, für viele unerwartet.

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Joachim Löw, 46 Jahre, geboren in Schönau im Schwarzwald, ist der neue Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. (Foto: GES/Augenklick)

Die schwäbisch-badische Idealpaarung zum Wohle des deutschen Fußballs mit dem Stuttgarter Klinsmann und dem Freiburger Löw ist beendet. Der 46-jährige Löw machte aber deutlich, dass er mit Kontinuität die Arbeit der vergangenen beiden Jahre fortsetzen will. Bei der Pressekonferenz in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main sagte Löw an Klinsmann, der an seiner Seite saß, gerichtet: „Du hast vor zwei Jahren gesagt, als du auf diesem Stuhl gesessen hast: Wir wollen Weltmeister werden. Und ich sage ganz klar: Wir wollen Europameister werden.“ Löw, der einen Zwei-Jahres-Vertrag bis nach der EM 2008 in der Schweiz und Österreich erhält, erklärte: „Ich freue mich auf die Arbeit. Das ist eine große Herausforderung.“ Bereits in fünf Wochen beim Test gegen Schweden in Gelsenkirchen (16. August) übernimmt er die Verantwortung des Chefs, danach folgen die ersten EM-Qualifikationsspiele in Stuttgart gegen Irland und auswärts gegen San Marino (2. und 6. September).


Der Aufstieg des Schwarzwälders vom A-Jugendcoach und Spielertrainer eines Schweizer Drittligisten innerhalb 14 Jahren war perfekt. 1992, als er beim FC Winterthur noch als Spieler beschäftigt war, übernahm er die A-Jugend des Vereins. 1994 war er für eine Saison Spieler-Trainer beim Drittligisten FC Frauenfeld und begann in der Schweiz eine Ausbildung zum Fußball-Lehrer, die er aber nicht abschloss. 1995 bot ihm der Schweizer Rolf Fringer, der neue Coach des VfB Stuttgart, die Stelle des Co-Trainers an. Löw wurde nach einem Jahr, als Fringer den VfB vier Tage vor Beginn der Saison 1996/97 verließ, zum Interimstrainer befördert. Am 21. September 1996 bekam er von VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder einen Cheftrainervertrag.


Stuttgart beendete die Spielzeit auf Platz vier und gewann den DFB-Pokal. 1998 führte Löw den VfB in das Europacup-Finale der Pokalsieger gegen Chelsea, musste aber zum Saisonende gehen. Häufig hatte er sich vorwerfen lassen müssen, er wäre zu freundlich zu Stars wie Krassimir Balakow. Erst die Jobs in der Türkei bei Fenerbahce Istanbul (Juni 1998 bis Juni 1999) und Adanaspor (Januar/Februar 2002), FC Tirol Innsbruck (Oktober 2001 bis Juni 2002) und Austria Wien (Juni 2003 bis März 2004) machten ihn im Spielerumgang kompromissloser. Zwischendurch war er zudem beim Karlsruher SC beschäftigt (Oktober 1999 bis April 2000). „Ich muss einräumen, dass ich im Lauf der Jahre dazugelernt habe. Den netten Herrn Löw gibt es nicht mehr“, gestand er vor einem Jahr.

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Joachim Löw, der zehnte Bundestrainer in der DFB-Geschichte, und Theo Zwanziger (rechts), der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). (Foto: GES/Augenklick)



Als Spieler bestritt Löw für Stuttgart, Frankfurt und Karlsruhe 52 Bundesligaspiele. Beim SC Freiburg wurde er in sechs Zweitliga-Spielzeiten bis 1989 zum Rekordtorschützen (81 Treffer). Stets grundsolide und höchst engagiert, nie abgehoben oder arrogant - so war Löw als Spieler und danach als Trainer. Diesen Arbeitsstil praktiziert der Badener mit dem Spitznamen „Jogi“ auch bei der Nationalmannschaft. Unter Klinsmann hatte er den größten Einfluss, den ein Assistent jemals ausüben konnte. Er entwickelte die Spielphilosophie mit seinen Richtlinien für Taktik und Strategie, die bei den Fans die große Begeisterung auslöste.


Klinsmann begründete seinen Rückzug damit, dass er nach der WM völlig ausgebrannt sei. Die Entscheidung habe er treffen müssen, weil „ich den großen Wunsch habe, wieder in die Normalität mit der Familie überzugehen“, sagte der 41-Jährige: „Ich fühle mich im Moment absolut nicht im Stande, diese Arbeit mit der gleichen Energie und mit der gleichen Power weiterführen zu können.“ Er wolle erst einmal ein halbes Jahr in Urlaub gehen. Damit die deutsche Mannschaft weiterhin so begeisternd auftreten würde wie bei ihren dritten Plätzen beim FIFA Confederations Cup 2005TM und bei der FIFA WM 2006TM habe er dem DFB empfohlen, Löw zum Bundestrainer zu befördern.

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Zwei Jahre war Jürgen Klinsmann Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Am 12. Juli gab er trotz des 3. Platzes bei der FIFA WM 2006™ sein Amt auf. (Foto: GES/Augenklick)



Die Aufgabe, die auf seinen Nachfolger zukommt, wäre schwieriger, meinte der Ex-Bundestrainer. Denn die deutsche Mannschaft, die vor der WM keine Qualifikationsspiele bestreiten musste, steht vor schweren Ausscheidungsspielen in der EM-Qualifikation. Zu seinem Beschluss als Cheftrainer abzutreten und damit die große Sympathiewelle, die er im Sommer 2006 erfuhr, zu ignorieren, sagte Klinsmann: „Ich hoffe, dass ich nicht allzu viele Herzen gebrochen habe.“