Mai 2008: Joachim Löw mit Überraschungen: Mit Adler statt Hildebrand zur EM – Chance für Marin
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Joachim Löw war sogar noch etwas mutiger als sein Vorgänger Jürgen Klinsmann und sorgte bei der Nominierung des deutschen Kaders für die UEFA EURO 2008™ für einige handfeste Überraschungen. Torwart Rene Adler (Leverkusen), aber nicht Timo Hildebrand (Valencia), dazu die Bundesliga-Aufsteiger Marko Marin, Oliver Neuville (beide Mönchengladbach) und Patrick Helmes (Köln) berief Löw in das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft für das UEFA EM-Turnier in Österreich und in der Schweiz. Zudem benannte der 48-Jährige zunächst 26 statt der erforderlichen 23 Profis, die mit in das Trainingslager auf Mallorca gehen. Bis zum 28. Mai, dem offiziellen Meldeschluss bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA), hat Löw also noch drei Spieler aus seinem vorläufigen Aufgebot zu streichen. |
![]() Rene Adler, der 23 Jahre alte Torwart von Bayer Leverkusen, verdrängte den früheren Stuttgarter Timo Hildebrand (Valencia) aus dem deutschen UEFA EM-Aufgebot. (Foto: GES/Augenklick) |
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Jermaine Jones (Schalke) und David Odonkor (Betis Sevilla), der vor der FIFA WM 2006™ als Neuling die Überraschung bei der Nominierung von Klinsmann war, schafften ebenfalls den Sprung in Löws Auswahl. Löw und sein Trainerstab gaben ihren Kader in der „Panoramalounge 2962“ der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg, bekannt. Adler flog buchstäblich im letzten Moment auf den Gipfel. Der Torwart hat seit seinem Bundesliga-Debüt im Februar 2007 bei Bayer Leverkusen überragend gehalten, aber noch kein A-Länderspiel bestritten. Dass der 19 Jahre alte Offensivspieler Marko Marin dabei ist, entsprach einer kleinen Sensation. Der in Rumänien geborene und in Hessen aufgewachsene Dribbler hat auch noch kein A-Länderspiel absolviert. Er ist mit seinem Vereinskollegen Neuville und Helmes einer von drei Zweitligaspielern in der Elite.
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![]() Marko Marin, der 19-Jährige von Borussia Mönchengladbach, hat in der deutschen Junioren-U-21-Auswahl gespielt. Ein A-Länderspiel hat er noch nicht bestritten. (Foto: GES/Augenklick) |
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„Am 28. Mai ist Ende unseres Castings“, sagte Löw. Nach dem vorletzten EM-Test in Kaiserslautern gegen Weißrussland (Dienstag, 27. Mai), für den das Team Mallorca für 36 Stunden verlassen wird, wird der Kader auf 23 reduziert. Für die letzten Tage fährt dann nur dieser endgültige Kader zurück auf die Urlauberinsel, ehe er für die UEFA EM-Generalprobe am 31. Mai gegen Serbien in Gelsenkirchen zurückkehrt. Das Torwart-Trio Jens Lehmann (Arsenal), Adler und Roland Enke (Hannover) kann ebenso wie die sieben Abwehrspieler Christoph Metzelder (Real Madrid), Per Mertesacker, Clemens Fritz (beide Bremen), Philipp Lahm, Marcell Jansen (beide FC Bayern München), Arne Friedrich (Berlin) und Heiko Westermann (Schalke) fast fest von der Teilnahme an der UEFA EURO 2008™ ausgehen, die für die DFB-Auswahl am 8. Juni beginnt. Im Mittelfeld berief Löw neben seiner Stammkundschaft Michael Ballack (Chelsea), Thomas Hitzlsperger (Stuttgart), Simon Rolfes (Leverkusen), Torsten Frings (Bremen) und Bastian Schweinsteiger (Bayern München) mit Piotr Trochowski (Hamburg), Tim Borowski (Bremen), Jones (bisher 9 Länderspielminuten gegen die Schweiz), Odonkor und Marin fünf Kandidaten, von denen wahrscheinlich nur drei gebraucht werden. Im Sturm dürfen sich Miroslav Klose, Lukas Podolski (beide Bayern München), Mario Gomez (Stuttgart) und Kevin Kuranyi (Schalke) sicher fühlen, Neuville und Helmes kämpfen um den freien fünften Stürmerplatz. „Wir wollen alle unsere Ressourcen ausschöpfen. Außerdem wollen wir noch einen Konkurrenzkampf. Und es könnte Verletzte geben“, begründete Löw die Benennung eines größeren Kaders. Den Ratschlag von Franz Beckenbauer, dem ehemaligen Teamchef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dies nicht zu tun, weil für ihn die späteren Rauswürfe vor der FIFA WM 1986 und FIFA WM 1990 seine schlimmsten Erfahrungen als Trainer gewesen seien, schlug Löw in den Wind.
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Vor der unpopulären Maßnahme, in der übernächsten Woche drei Spieler aus Kaiserslautern nach Hause zu schicken, hat Löw keine Angst. „Den Spielern ist es egal, ob sie es heute erfahren hätten oder in zehn Tagen“, sagte Löw. Eine leichte Aufgabe, Spielern abzusagen, wäre es aber nicht. Neben Hildebrand dürften Manuel Friedrich, Gonzalo Castro, Stefan Kießling (alle Leverkusen), Roberto Hilbert (Stuttgart), Christian Pander (Schalke) und Mike Hanke (Hannover) nicht von Hochgefühlen befallen worden sein, als sie die Nachricht von Deutschlands schneebedeckter Spitze hörten.
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![]() Joachim Löw vor dem Gipfel der Zugspitze, mit 2962 Metern Deutschlands höchster Berg. Dort gab der deutsche Bundestrainer seine Spieler für die UEFA EURO 2008™ bekannt. (Foto: GES/Augenklick) |
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Hildebrand, der seit 2004 dabei war und sich als Kronprinz von Lehmann fühlen durfte, wurde in Valencia von Köpke informiert. „Es ist mir sehr nahe gegangen. Und Timo ist es sehr an die Nieren gegangen“, sagte der Torwarttrainer. „Ich bin überrascht, geschockt und auch irritiert“, teilte Hildebrand über seine Internet-Seite mit: „Natürlich muss ich das akzeptieren. Verstehen oder gar nachvollziehen, kann ich das nicht. Ich werde eine Weile brauchen, bis ich diesen Rückschlag verarbeitet habe.“ Wie es mit der Karriere des siebenmaligen Nationalspielers im DFB-Team weitergehe, wisse man nicht, sagte Köpke, der Enke (31) mit nur einem Länderspieleinsatz dem Ex-Stuttgarter vorzog. Nach der UEFA EURO 2008™, bei der das DFB-Team in der Gruppe auf Polen, Kroatien und Österreich trifft, dürfte der Generationswechsel vorangetrieben werden, in dem Torwart Manuel Neuer (Schalke) dazukommt. Die Berufung von Marin, der 1,69 Meter kleinen Dribblers, ist bereits ein Zukunftszeichen. „Für ihn ist das Sprung ins kalte Wasser. Von der Körpergröße ist er ein kleines Küken“, sagte Löw. Jos Luhukay, der Gladbacher Trainer, hielt die Berufung zu früh. Aber bei der „Bergtour“, wie der DFB die EM-Endrunde in den Alpenländern intern nennt, kann es eben auch steil rauf gehen. Ski-Olympiasiegerin Rosi Mittermaier setzte noch einen drauf: „Die EM soll für unsere Mannschaft keine Bergtour, sondern ein Gipfelsturm werden.“ |
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