Juni 2008: Mit „Wut im Bauch“ kämpft er um eine neue Chance
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Er hatte sich vorbildlich verhalten. Jedenfalls glaubte Timo Hildebrand das. Im Oktober 2007, bevor er sein vorläufig letztes Länderspiel bestritt, in München gegen Tschechien (0:3), hatte er erklärt, Kameradschaft sei wichtig. Er müsse nicht ständig sagen, er wolle die Nummer eins in der deutschen Nationalmannschaft werden. Er müsse nicht immer heftig an Jens Lehmanns Thron rütteln. Zusammen mit dem Leverkusener Verteidiger Manuel Friedrich erhielt Timo Hildebrand während der Qualifikation zur UEFA Europameisterschaft die meisten Berufungen in den Kader des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Doch als am 16. Mai auf der Zugspitze Bundestrainer Joachim Löw mit seinen Assistenten und Teammanager Oliver Bierhoff die 26 Spieler bekannt gab, die das vorläufige Aufgebot für die UEFA EURO 2008™bildeten, fehlte überraschend der Name Hildebrand. Vier Jahre war der Profi des FC Valencia davon ausgegangen, der Kronprinz auf die erste Position im deutschen Tor zu sein. Doch plötzlich wurde er geopfert, für ihn rückte der Neuling Rene Adler aus Leverkusen ins Team. |
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![]() Unter Anleitung von Torwarttrainer Andreas Köpke trainieren beim DFB-Team Rene Adler, Jens Lehmann und Robert Enke. (Foto: Kunz/Augenklick) |
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Es dauerte ein paar Tage, bis der ehemalige Stuttgarter Meistertorhüter seinem Unmut Luft machte. Der 29-Jährige nahm kein Blatt vor den Mund. „Wenige Stunden vor Bekanntgabe des Kaders hat Andy Köpke mich angerufen und Jogi Löw entschuldigt, da er gerade im Flieger sitze und deshalb nicht mit mir telefonieren könne. Was ist das denn für eine Art? Als Köpke mir die Entscheidung mitgeteilt hat, war ich zuerst so geschockt, dass ich nichts mehr sagen konnte und wieder aufgelegt habe“, sagte der Torwart. Er habe von Torwarttrainer Köpke die Begründung bekommen, seine Leistungen in den Länderspielen wären nicht gut genug gewesen. Deswegen seien Lehmann, Adler und Robert Enke in das Aufgebot berufen worden. „Ich hatte gerade mal vier Länderspieleinsätze in den letzten beiden Jahren. Mein schlechtestes ist eineinhalb Jahre her, gegen Zypern. Da war die ganze Mannschaft nicht gut“, erklärte Hildebrand in einem Interview mit Spiegel-Online. „Das kann nicht der Grund sein, warum ich nicht dabei bin. Und ich frage mich: Warum ist ein Spieler, der vier Jahre zum Stammkader der Nationalmannschaft zählt, am Tag der Nominierung plötzlich nicht mehr gut genug? Oder haben die mich vorher nur mitgenommen, weil sie dachten, ich halte still?“ |
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![]() Im Werbefilm mit alter Bergsteiger-Ausrüstung ist Timo Hildebrand (links) noch dabei. Vorne Michael Ballack (rechts) und Joachim Löw (links), im Hintergrund Piotr Trochowski. (Foto: GES/Augenklick) |
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Seine Kollegialität, Lehmann nicht zu stark unter Druck zu setzen, wurde nicht belohnt. Eigentlich fordern die Trainer aber öffentlich diese Fairness von den Nationalspielern. Aber nach seiner Ausbootung gab Hildebrand preis, dass Köpke ihm sogar geraten habe, auf Lehmann öffentlich Druck auszuüben. „Er sagte, mehr Konkurrent sein, mehr angreifen, mehr fordern. So steht es auch in meinem UEFA EM-Leitfaden, der bei einem Workshop im Sommer 2007 verteilt wurde.“ Hildebrand war sehr enttäuscht. Viele Medien rügten die Art und Weise, wie er vor die Tür gesetzt wurde. „Dass Hansi Flick und Andy Köpke in der letzten Saison nur ein einziges Mal in Valencia waren, um mich live spielen zu sehen, habe ich mir damit erklärt, dass sie eben wissen, wie ich drauf bin. Sie sind ja auch nicht ständig nach London geflogen und Jens Lehmann spielt trotzdem. Vielleicht habe ich zu sehr dem Leistungsprinzip vertraut“, klagte Hildebrand, der nach seinem Wechsel von Stuttgart nach Valencia den spanischen Pokal gewann. In der Nationalelf empfehlen konnte er sich nicht mehr, da Lehmann im DFB-Team die Spielpraxis sammeln musste, die er bei seinem Verein FC Arsenal nicht mehr bekam. |
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![]() Bei einem Training der deutschen Mannschaft stand Timo Hildebrand im Jahr 2004 einmal in der Sonne und vor Jens Lehmann. (Foto: Firo/Augenklick) |
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Lehmann wechselte während der Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die UEFA Europameisterschaft vom FC Arsenal zum VfB Stuttgart. Löw und Köpke erklärten, der 38-Jährige erhalte das Vertrauen als erster Torhüter. Beim 2:2 im Testspiel in Kaiserslautern gegen Weißrussland bot der frühere Schalker und Dortmunder jedoch eine stark verbesserungswürdige Leistung. Möglicherweise gibt es für Hildebrand nach der UEFA EURO ein Comeback. „Löw sagte, in dem Gespräch nach der EM werden wir über die Perspektiven reden. Es ist immer noch mein Traum, die Nummer eins zu sein. Ich werde nicht aufhören, dafür zu kämpfen“, erklärte Hildebrand. Er werde nicht aufgeben, er „werde jeden Tag mit etwas Wut im Bauch zum Training fahren“. Am 28. Mai gab der DFB dann die 23 Spieler bekannt, die den Kader für die EM bilden. Marko Marin (Gladbach), Jermaine Jones (Schalke) und Patrick Helmes (Köln) wurden gestrichen. Tor:
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