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März 2009: „Shampoo für die Reifen“

„Shampoo für die Reifen“

Der Frühling ist da, die Sommerreifen kommen zum Einsatz. Eugen Geyer, Kundendienstingenieur für Reifen bei Continental, verrät die besten Tipps und Tricks für eine sichere Fahrt in den Sommer.

Herr Geyer, der Frühling ist da, die Winterreifen müssen herunter. Worauf ist zu achten?

Vor allem darauf, dass für die Reifen der Frühling nicht unbedingt mit dem kalendarischen Frühlingsanfang beginnt. Die Faustregel lautet für Winterreifen: Von O bis O, also von Mitte Oktober bis Ostern, beziehungsweise Mitte April.

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Eugen Geyer, Zentraler Kundendienst Reifen

In dieser Zeit liegen die Temperaturen in Deutschland im statistischen Mittel unter 7 Grad Celsius. Erst um Ostern herum steigen die durchschnittlichen Temperaturen so, dass man auf Sommerreifen umrüsten sollte. Dann kommen die Vorteile von Sommerreifen zum Tragen: besseres Handling, kürzere Bremswege und dazu auch ein geringerer Spritverbrauch als bei Winterreifen.

Wie verhält man sich eigentlich, wenn man Sommerreifen aufgezogen hat – und dann der April mit Schneeschauern und Hagel daherkommt?

Das kann passieren, mitunter gibt es ja sogar im Sommer mal einen Hagelschauer. Wenn ich umgerüstet habe, ist es ratsam, mir erst einmal darüber klar zu werden, dass man eben keine Winterreifen mehr aufgezogen hat und daher bei kritischem Wetter sehr vorsichtig unterwegs sein sollte. Am besten steuert man den nächsten Rastplatz an und wartet ab, bis die Straßen wieder frei sind.

Viele Autofahrer lagern und wechseln ihre Reifen selber. Was sollte man in diesem Fall beachten?

Wichtig ist, die Reifen in einem adäquaten Lagerraum aufzubewahren. Reifen sollten kühl, trocken und frei von Ölen oder Chemikalien gelagert werden. Dachböden sind zum Beispiel nicht geeignet, weil sie sich im Sommer leicht erhitzen und die Wärme dem Gummi von eingelagerten Winterreifen schadet. Der Lagerraum sollte kühl, trocken und geschützt vor direkter Sonneneinstrahlung sein. Wenn es dann ans Wechseln geht, sollte man die Reifen einer gründlichen Untersuchung unterziehen: Gibt es Fremdkörper im Profil, gar Schnitte im Gummi? Auch die Felgen sollte man säubern, so dass bei der Montage kein Schmutz zwischen Felgenzentrierung und Radnarbe ist, der den Fahrkomfort mindert.

Sie sagen, Reifen dürfen nicht mit Öl in Verbindung kommen. Das kann aber schnell passieren, wenn man den Reifen durch die Garage zum Auto rollt.

Kautschuk ist ein Material, das im Herstellungsprozess unter hohen Temperaturen und Zumengung von Chemikalien zu Gummi umgewandelt wird. Der Reifen besteht zum großen Teil aus Gummi, und dieses reagiert auf Öle und chemische Dämpfe. Das Gummi kann sich verhärten oder weich werden. Ein kurzer Kontakt mit Öl ist allerdings nicht schlimm. Man sollte aber den Reifen dann sofort reinigen, am besten mit Wasser, vielleicht mit ein bisschen Shampoo dabei. Danach spült man den Reifen gründlich ab.

Wie lagere ich die Winterreifen am besten ein?

Kompletträder mit Felge am besten hängend an der Wand oder an einem Felgenbaum. Wer sie stehend lagert, sollte darauf achten, die Räder alle paar Wochen ein Stück zu drehen, damit das Gewicht nicht den ganzen Sommer auf derselben Gummifläche ruht. Das ist in der Praxis aber meist zu umständlich, von daher rate ich wirklich zum Aufhängen. Kompletträder kann man auch liegend stapeln, da sie dann auf der Felge die Form behalten. Bei der Demontage sollte mandie Radposition am Wagen zum Beispiel mit Kreide auf dem Gummi oder in der Felge markieren, VL für vorne links, HR für hinten rechts.

Darf man Reifen in der kommenden Saison auch in anderer Position aufziehen? Die Reifen der Hinter- auf die Vorderachse wechseln?

Doch, das kann man machen. Die Reifen auf der Antriebsachse etwa verschleißen immer etwas schneller als die auf der nicht angetriebenen Achse. Von daher bietet der Reifenwechsel die hervorragende Möglichkeit, hier für einen Ausgleich zu sorgen und die Räder von hinten nach vorn und umgekehrt zu wechseln. Wer das tut, sollte dann die Reifen der Vorderachse noch einmal nachwuchten lassen, um den optimalen Fahrkomfort zu erzielen.

Darf man auch diagonal wechseln, also von links nach rechts und umgekehrt?

Man darf, aber wir empfehlen das nicht. Man ändert damit die Drehrichtung des Reifens, darunter kann der Fahrkomfort in den ersten zwei- bis dreitausend Kilometern signifikant leiden. Denn durch den Einsatz auf einer Seite erhält ein Reifen ein gewisses Abnutzungsbild, wie ein Radiergummi, überspitzt formuliert. Das ist völlig normal. Wenn ich ihn aber nun umdrehe und von der linken auf die rechte Seite des Autos wechseln lasse, läuft er nicht optimal. Das hat keinerlei Nachteile in Punkto Sicherheit, aber im Komfort. In der Betriebsanleitung des Fahrzeugherstellers finden sich in der Regel weitere spezifische Empfehlungen, die auch beachtet werden sollten.

Viele Autofahrer lagern ihre Reifen gar nicht zu Hause ein, sondern in einer Werkstatt oder beim Reifenhändler. Oft bekommt man beim anstehenden Wechsel zu hören, man solle mal über neue Reifen nachdenken. Woran erkenne ich als Laie, ob die Reifen tatsächlich untauglich sind, oder ob man mir nur etwas verkaufen will?

Für Reifenersatz gibt es zwei Faktoren. Der eine ist die Verschleißgrenze. Der Gesetzgeber sagt, bei 1,6 Millimetern Restprofil ist die Verschleißgrenze erreicht, es müssen neue Reifen her. Wer dann noch weiterfährt, riskiert den Verlust des Versicherungsschutzes und Punkte in Flensburg. Wir empfehlen, bereits bei einer Profiltiefe von weniger als drei Millimetern neue Sommerreifen zu kaufen, weil sich zum Beispiel der Bremsweg bei nasser Fahrbahn deutlich verlängert. Das ist kein Marketinggerede, die Sicherheit leidet tatsächlich deutlich, wenn das Profil zu weitabgenutzt ist. Der zweite Grund für Reifenersatz ist das Alter. Die klare Empfehlung lautet, ein Reifen sollte nicht älter als zehn Jahre sein, das Gummi altert und die Fahreigenschaften leiden. Das Alter eines Reifens kann man anhand der vierstelligen Nummer an der Reifenflanke ablesen, die ersten beiden Ziffern stehen für die kalendarische Produktionswoche, die zweiten beiden für das Produktionsjahr. 1208 etwa heißt: zwölfte Kalenderwoche 2008.

Wichtig ist auch der Reifendruck. Studien besagen, dass ein Drittel aller Autofahrer den Reifendruck so gut wie nie kontrollieren.

Das hängt sicher damit zusammen, dass die Menschen Vertrauen in ihre Reifen haben, weil Reifen sehr hochwertige und sichere Produkte sind. Dennoch sollte man den Reifendruck alle zwei bis vier Wochen überprüfen, wenn man kein Reifendruckkontrollsystem an Bord hat. Ein Fremdkörper im Reifen kann einen schleichenden Luftverlust zur Folge haben. Wer das nicht merkt, kann bei hoher Geschwindigkeit oder im Kurvenbereich schnell in Gefahr kommen. Außerdem nutzt der Reifen sich dann schneller ab, was den Kraftstoffverbrauch des Autos deutlich erhöht und die Lebenserwartung des Reifens mindert. 0,4 bar zu wenig kann eine geringere Lebenserwartung von bis zu 30 Prozent nach sich ziehen.

Den Reifendruck soll man im kalten Zustand überprüfen, heißt es immer. Was ist aber, wenn die nächste Tankstelle ein paar Kilometer entfernt liegt?

Das macht nichts. Der Reifen erhitzt sich erst bei längerer Fahrt in hoher Geschwindigkeit so stark, dass es Auswirkungen auf den Luftdruck hat. Wer zwei Stunden mit 160 km/h über die Autobahn gefahren ist, sollte den Reifendruck nicht sofort überprüfen, der liegt dann einige Zehntel bar über dem empfohlenen Wert. Und man sollte dann nicht auf die Idee kommen, Luftdruck abzulassen. Sobald der Reifen wieder kalt ist, hätte man zu wenig Druck. Wer nun aber erst ein paar Kilometer mit 60 oder 80 km/h durch die Stadt oder über die Landstraße gefahren ist, hat immer noch relativ kalte Reifen und kann ruhig den Luftdruck überprüfen und gegebenenfalls nach Herstellerangaben anpassen.