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Deutschlands Trainer im Portrait: Jürgen Klinsmann

Auf die große Pauke schlägt Jürgen Klinsmann nicht, um sein zweites großes Ziel in der Öffentlichkeit darzustellen. Aber das von ihm gegründete Kinderhilfswerk „Agapedia“ ist dennoch eine Herzenssache des 40-Jährigen. „Neben meinem Amt des Bundestrainers ist Agapedia mein wichtigstes Anliegen“, sagt Klinsmann. In diesem Jahr begeht das Hilfswerk mit der offiziellen Bezeichnung „Agapedia – Jürgen Klinsmann Stiftung – gemeinnützige GmbH“ bereits sein zehnjähriges Bestehen. Doch das Wissen um Klinsmanns Engagement hält sich in Grenzen.


„Durch mein neues Engagement hoffe ich, die Arbeit bis zur FIFA WM 2006™ noch bekannter zu machen“, erklärte Klinsmann. Erfolgreich ist seine Kinderstiftung allerdings schon lange. Der Name Agapedia kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Liebe zu Kindern“. Den Impuls zur Gründung erhielt der Nationalspieler auf einer Reise mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). „Anlass war eine Länderspielreise nach Tirana in Albanien, wo zu diesem Zeitpunkt meine Jugendfreunde Stefan und Marika Barth in einer Poliklinik arbeiteten. Sie zeigten mir damals die katastrophale Situation der Kinder und wir entschlossen uns, gemeinsam eine eigene Kinderhilfsorganisation aufzubauen“, berichtet der Bundestrainer.

Das Ziel der Agapedia-Gründung, besonders Straßen- und Waisenkindern in Osteuropa eine bessere Zukunft zu bieten, wurde erfüllt. Die Stiftung betreibt und unterstützt Hilfsprojekte in Moldawien, Bulgarien und Rumänien sowie ein Kinderhaus in Esslingen. Die Höhe der ist ebenso unbekannt wie die Finanzbasis, die Klinsmann bei der Gründung zur Verfügung stellte. Aber es dürften durchaus stattliche Summen bewegt werden, da mittlerweile rund 40 Mitarbeiter für Agapedia tätig sind. Klinsmann betont, dass jeder Spenden-Euro den Waisenkindern zu Gute kommt, indem sie den Projekten zufließen. „Die Verwaltungskosten trage ich persönlich“, sagt er.

Die Stiftung handhabt er mit großer Obacht darauf, unabhängig zu bleiben. Schon bei der Gründung spielte dies eine Rolle. „Bei den großen Hilfswerken wusste ich nie genau, wie viel von meinen Spenden in der Administration hängen geblieben sind“, erklärt Klinsmann. Also wurde gleich eine ganz eigene Stiftung ins Leben gerufen. Damit war er auch unabhängig von Verbänden und anderen Organisationen und ist es bis heute geblieben. Wenn er das Gefühl bekommt, dass Spendengeber vor allem darauf aus sind, Werbung für ihre eigenen Firmen zu machen, verzichtet Klinsmann lieber auf vermeintlich milde Gaben.

Mehr Spaß hat er an seinen Visiten vor Ort. Dem Agapedia-Kinderzentrum in Bulgarien stattete auch der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel ein Besuch ab. Die Landesstiftung von Baden-Württemberg fördert das Projekt, in dem Jugendliche aufgefangen werden, die von den Waisenhäusern wegen Überschreitung der Altersgrenze von 18 Jahren entlassen werden. In Rumänien und Moldawien kümmert sich die Stiftung vor allem um Kinder, die von ihren Familien ausgesetzt werden. Schwerpunkt neben dem Betreiben von Kinderheimen ist die Suche nach inländischen Pflege- und Adoptivfamilien. Bis zur FIFA WM 2006™ hofft Klinsmann die Einnahmen seines Sozialwerks steigern zu können. Doch marktschreierisch will er auf keinen Fall vorgehen. Bevor zu viel Wirbel entfacht wird, soll die Stiftung lieber still und im Verborgenen tätig bleiben.

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