Teil 1: Deutsche Nationalelf mit Tempo 280 km/h Richtung Halbfinale
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Mit Tempo 280 km/h auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt und Köln sauste die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Richtung Halbfinale. Am Tag nach dem 4:3 (2:2) zum Auftakt des FIFA Confederations Cup 2005 gegen Australien machte sich das Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im ICE der Deutschen Bahn auf in die Domstadt. Dort soll mit einem Erfolg gegen Tunesien am Samstag (Anstoß 18 Uhr) der vorzeitige Einzug in das Halbfinale perfekt gemacht werden. „Das ist unser Ziel. An etwas anderes denken wir nicht“, sagte Oliver Kahn zum Duell des Vizeweltmeisters gegen den Afrikameister. Am Vorabend war aus Kahn noch die Wut heraus geplatzt. Laut fluchend kam der Torwart, dem das Blut aus einer Platzwunde unter dem linken Auge rann, in die Umkleidekabine. Der Geburtstag war verdorben. Die Verletzung, die er sich in den letzten Sekunden gegen Australien zugezogen hatte, ließ er umgehend behandeln. Aber der Riss auf dem Jochbein war ohnehin nicht der Hauptgrund für Kahns Rage. „Für einen Torhüter war das ein grausames Spiel“, sagte er: „Man kann nichts machen, steht nur rum und holt die Bälle aus dem Netz. Aber das ist ja auch eine Beschäftigung.“ Zwölf Stunden nach dem Auftakt des FIFA Confederations Cup 2005 kommentierte der 36-Jährige die Leistung der Nationalmannschaft mit einer Mischung aus Ironie und Galgenhumor. Die eklatanten Abwehrschwächen der jungen Truppe von Bundestrainer Jürgen Klinsmann gehen dem Münchner gehörig auf den Geist. |
![]() Oliver Kahn ist nach wie vor der große Rückhalt von Vize-Weltmeister Deutschland. Beim FIFA Confederations Cup 2005 will der Torwart das Team vor Niederlagen bewahren. Foto: FIRO/Augenklick |
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Am Tag vor dem Spiel hatte der gebürtige Karlsruher mit Blick auf die Fehlleistungen der Defensive beim 2:2 gegen Russland noch geäußert, ihm sei ein 1:0 gegen Australien lieber als ein 4:3. „Das war sicher ein Geburtstagsgeschenk für mich, dass wir gewonnen haben“, meinte Kahn süffisant, der es als persönliche Beleidigung auffasste, dass ihm die „Aussies“ drei Eier ins Nest legten. „Es ist ja schon Tradition, dass ich meinen Geburtstag mit dem DFB verbringe. Vielen Dank noch“, sagte er. Vor einem Jahr hatte er den Frust, dass im ersten Spiel bei der EURO 2004 die Niederländer mit ihrem Ausgleichstor zum 1:1 die beste Leistung der DFB-Auswahl in Portugal vergällten. Vor fünf Jahren bei der Europameisterschaft in den Niederlanden und Belgien sah Kahn seinen Geburtstag ebenfalls schwer getrübt, da sich die Nationalelf in allerschwächster Form präsentierte. So schlimm findet Kahn die aktuelle Lage natürlich nicht. Aber der Badener ist schwer gefrustet. Unter Klinsmann ist die Abwehr der Nationalelf, über Jahrzehnte das Prunkstück und zugleich Grundlage für alle Erfolge, löchrig und anfällig. Verschärft wird das Leiden von Kahn durch die Tatsache, dass er beim FC Bayern ganz anderes gewöhnt ist, speziell in dieser Saison auf dem Weg zum „Double“. Der Älteste im DFB-Team ist den unerfahrenen Vorderleuten nicht nachhaltig böse. „Ich habe ihnen gesagt, sie sollen die Ruhe bewahren. Es ist auch nicht richtig, immer nur die Abwehrsituation zu diskutieren.“ Allerdings merkte er an, dass auch bei den Tests gegen den FC Bayern (2:4) und in Nordirland (4:1) den gegnerischen Offensivreihen zu viele Torchancen erlaubt wurden. Als er die Aussage von Klinsmann hörte, er würde im nächsten Jahr mit einem 5:4 im FIFA WM-Eröffnungsspiel akzeptieren, ahnte Kahn, dass es nichts wird mit seinen Wünschen, defensiver zu agieren. „Vom Unterhaltungswert ist so ein Ergebnis gut“, sagte er. Intern fordert er, eine bessere Balance zwischen stürmischer Offensive und sicherer Abwehr zu finden. Gegen Tunesien kann sich Kahn das „Sorgenkind Abwehr“, auch abfällig „Kinderriegel“ bezeichnet, von der Ersatzbank anschauen, weil Jens Lehmann wieder in den Kasten rotiert. Gegen Argentinien in Nürnberg wird Kahn wieder an der Reihe sein. Was danach in den entscheidenden Turnierspielen auf der Torhüter-Position passiert, ist angeblich noch offen. Falls Kahn nicht das Halbfinale bestreiten dürfte, wäre er sicherlich noch verärgerter als an seinem Geburtstagsabend. |
