Die Weltmeister:
Frankreich triumphierte in Paris
Frankreich triumphierte in Paris
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Die Mannschaftsaufstellung hat einen Wert für die Ewigkeit. Barthez; Thuram, Desailly, Leboeuf, Lizarazu, Karembeu (57. Boghossian), Deschamps, Petit, Zidane, Djorkaeff (76. Vieira), Guivarc´h (66. Dugarry). Diese 14 Namen können und wollen Millionen Franzosen nicht vergessen. Denn diese Mannschaft berauschte am 12. Juli 1998 die "Grande Nation". Frankreich wurde zum ersten und bisher einzigen Mal FIFA Fußball-Weltmeister. Gut 75.000 Menschen abzüglich der traurigen Brasilianer feierten im Stade de France von St. Denis, dieser gigantischen Arena vor den Toren von Paris, diesen großen Triumph. |
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Die Franzosen sind in vielen Sportarten sehr erfolgreich, aber der Gewinn des FIFA WM-Titels im Fußball erfüllte sie mit besonderem Stolz. Hunderttausende bejubelten den 3:0-Sieg gegen Brasilien in den Straßen der Hauptstadt, Millionen waren landesweit auf den Beinen. Staatspräsident Jaques Chirac stand an der Balustrade der Ehrentribüne im Stadion. Über den Anzug hatte er das Trikot der Equipe tricolore gezogen, Rückennummer 23. |
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![]() Das Team, das Frankreich erstmals zum Weltmeister machte. Das 3:0 im Finale über Brasilien am 12. Juli 1998 in St. Denis machte den Triumph der „Equipe Tricolore“ perfekt. Foto: GES/Augenklick |
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Er klatschte in die Hände, als unten ein Mann den FIFA WM-Pokal in den Händen hielt, dessen Name in der Aufstellung, die zur Legende wurde, fehlt. Laurent Blanc, der Abwehrchef, musste auf der Bank mit ansehen, wie seine Mannschaftskollegen auf dem Rasen die brasilianische Mannschaft in einer Art beherrschten, wie es vorher kaum jemand für möglich gehalten hatte. Blanc hatte im Halbfinale, beim mühsamen 2:1 gegen den späteren FIFA WM-Dritten Kroatien, die Rote Karte gesehen. Geht das gut, ohne den Kämpfer Blanc gegen Ronaldo und Rivaldo, diesem brasilianischen Sturmduo der Extraklasse? Das hatte sich die Nation gefragt, und sie hatte während des Endspiels recht schnell eine Antwort bekommen. Es ging gut. Die Mannschaft wirkte so leichtfüßig wie in keinem anderen Spiel des Turniers. Sie dominierte die Ballkünstler und Strategen vom Zuckerhut. Die Abwehr hatte alles im Griff. Von Ronaldo, um den es vor dem Spiel Verwirrung gab, ob er überhaupt würde spielen können, war nichts zu sehen. Zinedine Zidane sorgte schon vor der Pause für einen beruhigenden Vorsprung. Zwei Kopfballtreffer machten "Zizou", den Sohn algerischer Einwanderer, zum Helden der Nation. Emanuel Petit, der fleißige Mittelfeldrenner mit dem blonden Zopf, setzte in der Schlussminute den Schlusspunkt mit dem Treffer zum 3:0. Kurze Zeit später nahm Kapitän Didier Deschamps, der Kapitän und Stratege im Spiel der Franzosen, den goldenen FIFA WM-Pokal in die Hände. Die Mission war erfüllt. Es war eine schwierige Mission, da jeder Franzose den Titel erwartet hatte. Dieser Druck hatte sich schon in der Vorrunde negativ bemerkbar gemacht, auch wenn die Mannschaft von Aimé Jacquet von den Ergebnissen her souverän in die nächste Runde einzog. Südafrika (3:0), Saudi-Arabien (4:0) und Dänemark (2:1) wurden besiegt. Aber der Motor stotterte. Jacquet hatte alles akribisch vorbereitet. Individuelle Klasse und Zaubereien standen im Schatten des funktionierenden Kollektivs. Was sich im Nachhinein als perfekte professionelle Planung herausstellte, sorgte zunächst für heftige Diskussionen. Wie es heißt, nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Spielern. Zidane sah in der Partie gegen Saudi-Arabien die Rote Karte. Dies galt als Indiz für die angespannten Nerven. |
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Die große Bewährungsprobe für das Nervenkostüm aller Franzosen folgte in der K.o.-Runde. Paraguay war der Gegner im Achtelfinale. Die Mannschaft der international kaum bekannten Spieler - mit Ausnahme des schillernden Torwarts Luis Chilavert - zwang den Favoriten in die Verlängerung. Die Regelung um das Golden Goal machte Angst. Nach einem Gegentor wäre alles Aus. Diese Furcht schien die Franzosen zu lähmen. Dann aber stürmte Blanc mit langen Schritten nach vorne, Doppelpass, strammer Schuss, Tor, der Favorit war im Viertelfinale. Der nächste Gegner hieß Italien. Der vermeintliche Klassiker war eher ein Langweiler. Es ging ins Elfmeterschießen, und Frankreich gewann. Blanc küsste seinem Torwart Fabien Barthez die Glatze. War das die Initialzündung? Würde es jetzt auch spielerisch leichter gehen? Die Franzosen hofften es, doch auch im Halbfinale gegen Kroatien lief es nicht nach Wunsch. Davor Suker, der Torschützenkönig der FIFA WM 1998, brachte die Überraschungsmannschaft in Führung. Jetzt waren sie gefragt, die Herren Zidane, Djoerkaeff und Guivarc´h. Aber es war Lilian Thuram, der Mann von der rechten Seite der Vierer-Abwehrkette, der die Wende mit zwei Toren brachte. Es waren seine ersten und einzigen Treffer in 103 Spielen mit der Nationalmannschaft. |
![]() Kapitän Didier Deschamps mit dem EM-Pokal. Die Franzosen wurden am 2. Juli 2000 in Rotterdam nach einem 2:1 über Italien zum zweiten Mal nach 1984 Europameister. Foto: GES/Augenklick |
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Frankreich war endlich im Finale, und die Fesseln waren gelöst. Nach dem furiosen Sieg gegen Brasilien küsste Barthez Präsident Chirac. Die Zeitung France Soir schrieb: "Trikolore-Orgasmus! Für den, der warten kann, kommt alles zur rechten Zeit. Die in fast allgemeiner Gleichgültigkeit begonnene FIFA WM ist in einer Raserei und kollektiver Inbrunst zu Ende gegangen, wie sie Frankreich selten gekannt hat." Schließlich war es auch die erste Endspiel-Teilnahme für den Europameister von 1984 bei einer FIFA WM, die 1958 (6:3 gegen Deutschland) und 1986 (4:2 gegen Belgien) FIFA WM-Dritter geworden waren. Dem FIFA WM-Triumph von Paris schloss sich zwei Jahre später der zweite EM-Erfolg an. Doch nach der Enttäuschung der FIFA WM 2002 in Japan und Südkorea befindet sich das Team nun in einem Neuaufbau, allerdings auf hohem Niveau. |

