Star der FIFA WM 1974: Franz Beckenbauer
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Als Fußballspieler war er eine Ausnahmeerscheinung. Fritz Walter, Uwe Seeler oder Lothar Matthäus waren Figuren, die dem deutschen Fußball geprägt haben, doch bei den Fans gibt es kaum eine Diskussion darüber, dass Franz Beckenbauer der beste deutsche Spieler aller Zeiten war. Im internationalen Bereich fällt in Fachdebatten, wer der beste Spieler der Welt sei, ebenfalls seine Name. Pele, Maradona, Cruyff und Beckenbauer - das sind die Superstars der vergangenen Jahrzehnte. Nach Beckenbauers Meinung ist sein Freund Pele der allerbeste. Und Zinedine Zidane gehöre bald auch zur Auslese der ganz großen Topstars, die fast allein ein Spiel gestalten und prägen können, obwohl noch 21 andere Akteure mit auf dem Rasen stehen. |
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![]() Franz Beckenbauer mit Bernd Bransch vor dem WM-Spiel 1974 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR-Auswahl. In Hamburg bezog der Weltmeister die einzige Niederlage. Foto: KUNZ/Augenklick |
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Als Vorbild seiner Jugend nennt der "Kaiser", der diesen Spitznamen wohl erhielt, weil er als Spieler mit souveräner Leichtigkeit die Kollegen dirigierte, Fritz Walter. An den Tag des 4. Juli 1954 kann sich Beckenbauer noch gut erinnern. Als die deutsche Mannschaft unerwartet das FIFA WM-Endspiel gegen Ungarn in Bern mit 3:2 gewonnen hatte, traf sich Franz mit seinen Freunden auf der Straße im Münchner Stadtteil Giesing. "Wir haben das ganze Spiel noch einmal nachgespielt." Schon als Junge war das außergewöhnliche Talent des Postbeamten-Sohnes zu erkennen. Das behaupten jedenfalls Zeitzeugen. Eine Bestätigung zu folgender Geschichte erhält man auch von ihm selbst: Eigentlich wollte er sich dem TSV München 1860 anschließen, aber da er von einem "Löwen"-Spieler in einer Jugendpartie eine Ohrfeige erhielt, wechselte er von seinem Giesinger Klub dann doch zum FC Bayern München. Es war wohl das große Glück des FC Bayern und auch das von Beckenbauer. Er stieg als junger Mann mit den Münchnern 1965 in die Bundesliga auf, spielte kurz darauf, gerade 20 Jahre alt geworden, erstmals in der Nationalmannschaft, wo er sich sofort einen Stammplatz sicherte. 396 Bundesligaspiele bestritt er in den folgenden zwölf Jahren für seinen Verein, erzielte als Abwehrspieler 44 Tore und gewann, gewann und gewann. Je vier Mal führte er das Team zur Deutschen Meisterschaft (1969/72/73/74), zu DFB-Pokalsiegen (1966/67/69/71) und Europapokal-Triumphen. Es begann mit dem Erfolg im Pokalsieger-Wettbewerb (1967), ein Jahr nachdem er in Wembley Vize-Weltmeister geworden war, und gipfelte im dreifachen Gewinn der Landesmeister-Trophäe (1974/75/76), um die heute in der Champions League gekämpft wird. 103 Länderspiele (14 Tore) bestritt dieser elegant spielende Mann bis 1977, dem man heute nachsagt, er hätte die taktische Position des "Liberos" erfunden. |
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![]() Franz Beckenbauer war der beste Abwehrspieler aller Zeiten. In 103 Länderspielen erzielte er 14 Tore. Hier trifft der „Kaiser“ beim 3:2 gegen England bei der WM 1970 in Mexiko. Foto: KUNZ/Augenklick |
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Er selbst meint, er habe die Rolle nur gut ausgefüllt, was daran lag, dass sie ihm auf den Leib geschnitten war. Hinter der Abwehr stehend konnte Beckenbauer ideal seine strategischen Fähigkeiten ausspielen. Mit hervorragendem Stellungsspiel und Zweikampfverhalten überzeugte er als starker Abwehrspieler. Seine perfekte Technik spielte dabei eine Rolle, doch seine Gewandtheit und seine unglaublich sichere Ballbehandlung in jeder Lage führte vor allem in der Offensive zu Weltklasseleistungen. Wenn er die Abwehr verließ, konnte er das Spiel aus dem Mittelfeld heraus lenken. Sololäufe mit Dribblings gehörten genauso zu seinem Repertoire wie weite, exakte Pässe, oft spektakulär mit dem Außenrist geschlagen. Für Doppelpässe fand er besonders in Gerd Müller einen idealen Partner. Beckenbauer hatte zudem einen beherzten Schuss und war ein hervorragender Freistoßspezialist, wie viele der ganz großen Stars vor und nach ihm. Er war schlicht perfekt, auch weil er die Chefrolle ausgezeichnet interpretierte, die ihm überall wegen seiner Extraklasse zubilligt wurde. Sein größten Erfolge basierten auf dem Mix aller Eigenschaften: 1972 wurde die deutsche Elf mit ihm als Kapitän Europameister, zwei Jahre später bei der FIFA WM in Deutschland Weltmeister. Vier Jahre zuvor in Mexiko hatte es nur zu Platz drei gereicht, aber inzwischen war Beckenbauer weiter gereift. Im Finale siegte er mit seinem Mannschaftskameraden mit 2:1 gegen die Niederländer um Johan Cruyff, einen Spielmacher der Extraklasse. Der Turnierverlauf war für die Deutschen und Beckenbauer eher bescheiden gewesen. Viel glanzvoller hatte die deutsche Elf zwei Jahre zuvor bei der EM in Belgien aufgetrumpft. Viele der älteren deutschen Fußball-Fans behaupten, diese Europameisterelf sei die beste deutsche Mannschaft aller Zeiten gewesen. 1977 hörte er in der Nationalmannschaft und beim FC Bayern auf und ging in die damals neue US-Profiliga. Bei Cosmos New York spielte er zusammen mit Pele. Überraschend kehrte er 1980 doch noch einmal in die Bundesliga zurück, spielte beim Hamburger SV (28 Einsätze) und wurde dort 1982 nochmals als 36-Jähriger Deutscher Meister. Zwei Jahre später übernahm er von Jupp Derwall die Nationalmannschaft. Ohne Ausbildung und Lizenz baute er als Teamchef eine deutsche Mannschaft zusammen, die 1986 Vizeweltmeister wurde und 1990 in Rom den dritten FIFA WM-Titel für Deutschland gewann. Damit war die Mission zu Ende, aber Beckenbauer erhörte im Januar 1994 und im April 1996 zweimal die Hilferufe des FC Bayern, als ein Trainer benötigt wurde. 1994 wurden die Bayern Meister, 1996 reichte es trotz Hilfe von "Kaiser Franz" nur zur Vizemeisterschaft hinter Dortmund. Stattdessen wurde der UEFA-Pokal gewonnen. Als die deutsche FIFA WM-Bewerbung 1998 in eine Krise geriet, wurde Beckenbauer wieder gerufen. Vor allem ihm ist es zu verdanken, sagen seine Mitarbeiter, dass im Juli 2000 die FIFA WM 2006TM nach Deutschland vergeben wurde. Das Amt des Präsidenten des Organisationskomitees sei sein bisher schwerster Job, meint Beckenbauer. Aber auch der schönste, weil man als Spieler und auch als Trainer mehrmals eine FIFA WM gewinnen könne. Aber eine Fußball-Weltmeisterschaft zu organisieren, das Glück würde einem Menschen nur ein Mal geschenkt. |

