Star der FIFA WM 1998: Zinedine Zidane
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"Große Spieler entscheiden große Spiele", lautet eine alte Fußball-Weisheit. Das große Spiel fand am 12. Juli 1998 im Stade de France in St. Denis bei Paris statt. Und der große Spieler, der es entschied, war Zinedine Zidane. Der geniale Spielmacher führte die "Grande Nation" mit zwei blitzsauberen Kopfballtoren in der 27. und 46. Minute zum ersten Weltmeister-Titel und sorgte dafür, dass die brasilianischen Ball-Virtuosen bei ihrer fünften Finalteilnahme erstmals als Verlierer vom Platz gingen. Das Tor von Petit zum 3:0-Endstand hatte nur noch statistischen Wert. 75.000 euphorisierte Fans im Stadion und ein ganzes Land feierten nur einen Mann: "Zizou", die weiße Katze. |
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Zwei Jahre später führte Zidane die "Equipe Tricolore" in Rotterdam auch zum Europameister-Titel (2:1 durch Golden Goal über Italien). Dieses Double hatte seit Deutschland 1972/74 niemand mehr geschafft. Kein Fußballer seit Alfredo di Stefano verkörpert derart viele Talente und Vorzüge in einer Person wie der Stratege von Real Madrid. Er ist Lenker und Denker, glänzt als Torschütze, verfügt über eine ausgefeilte Balltechnik, starkes Zweikampfverhalten und ist überdies ein außerordentlich mannschaftsdienlicher Spieler. Kurz: Ein Fall für´s Fußball-Lehrbuch. |
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![]() Zinedine Zidane im EM-Spiel 2000 gegen Spanien. Frankreich sucht einen Nachfolger für den Mittelfeld-Star, der in einer Reihe mit Pele, Beckenbauer, Cruyff und Maradona steht. Foto: GES/Augenklick |
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Und das nicht nur wegen seiner begnadeten fußballerischen Fähigkeiten. Auch sein Lebenslauf passt prächtig ins Klischee vom armen Arbeiterkind, das sich zum Millionär empor arbeitet. Zinedine Yazid Zidane wurde am 23. Juni 1972 als Sohn algerischer Einwanderer in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille geboren. Dort wuchs er mit seinen drei Brüdern Nordine, Farid, Djamel und seiner Schwester Lila im Problemviertel La Castellane auf. Der spätere Nationalheld ist ein waschechter "Straßenfußballer" und kickte als Kind in den Hinterhöfen trister Betonwüsten. Mit zwölf Jahren erlebte er den französischen EM-Triumph 1984 als Balljunge mit. Mit 14 wurden Talentspäher auf ihn aufmerksam, und er landete im Fußball-Internat des AS Cannes. Mit 16 Jahren debütierte er für Cannes in der ersten französischen Liga. Nach dem Abstieg wechselte er 1992 zu Girondins Bordeaux und absolvierte im August 1994 sein erstes Länderspiel. Es glich einem Triumphzug: Beim Stand von 0:2 gegen Tschechien eingewechselt, erzielte "Zizou" die Tore zum Ausgleich. 1996 wechselte Zidane zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin, wo er den letzten internationalen Schliff erhielt. Mit Juve gewann er zweimal die italienische Meisterschaft und stand zweimal im Finale der Champions League - beide Endspiele verlor er. Dafür hielt er sich anschließend mit dem Welt- und Europameistertitel im Nationalteam schadlos. 2001 kaufte Real Madrid Zidane für 71,6 Millionen Euro Ablöse, damit wurde er zum bisher teuersten Fußballer aller Zeiten. Bei Real gewann der Franzose auch den Titel, der ihm als einziges noch fehlte: die Champions League. Durch ein Traumtor von ihm im Finale am 15. Mai 2002 in Glasgow besiegten die "Königlichen" Bayer Leverkusen mit 2:1 und nahmen den Pokal zum neunten Mal mit in die spanische Hauptstadt. |
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![]() Zinedine Zidane war der überragende Regisseur der Franzosen bei den Turniersiegen der WM 1998 und der EM 2000. Foto: Kunz/Augenklick |
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Damit war Zidane auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Und der Fall umso tiefer: Nur wenige Monate später, kurz vor Beginn der FIFA WM 2002 in Japan und Südkorea, zog sich "Zizou" einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu und saß die beiden ersten Vorrundenspiele auf der Bank. Im letzten Spiel gegen Dänemark lief Zidane dann doch noch mit einem Verband am Bein auf, aber auch er, erheblich geschwächt durch die Verletzung, konnte das Ausscheiden des Weltmeisters und haushohen Turnierfavoriten in der Vorrunde mit null Toren und einem mickrigen Pünktchen nicht mehr verhindern. Bei der EURO 2004 in Portugal war Zidane, der insgesamt drei Tore erzielte, davon zwei in der Nachspielzeit beim denkwürdigen 2:1 über England, der Beste der ansonsten enttäuschend spielenden Franzosen, die im Viertelfinale gegen den späteren Europameister Griechenland ausschieden. Am 12. August 2004 erklärte Zidane unter dem Eindruck der verkorksten Europameisterschaft seinen Rücktritt aus der französischen Nationalmannschaft. Er wolle künftig nur noch für seinen Arbeitgeber Real Madrid antreten, erklärte der sichtlich frustrierte Superstar. In seinen insgesamt 93 Länderspielen erzielte er 26 Tore für die "Equipe Tricolore". Zu Recht hat sich Zidane einen würdigen Platz in den Geschichtsbüchern neben Namen wie di Stefano, Pele, Cruyff, Beckenbauer und Maradona erobert. Dreimal (1998, 2000 und 2003) wurde er Weltfußballer des Jahres, 1998 Europas Fußballer des Jahres und 1999 Weltsportler des Jahres. Dabei sind es nicht nur seine Technik und Torgefährlichkeit, die den 32-Jährigen so einzigartig machen. Er ist ein Spielertyp, der stets alles gibt und nie durch Star-Allüren auffällt. Trotz seines sinkenden Sterns ist der bestbezahlte Fußballer der Welt für seinen Club Real Madrid, bei dem er noch bis 2007 unter Vertrag steht, wahrscheinlich jeden Cent seines auf acht Millionen Euro geschätzten Jahresgehalts wert. |

