FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: Trinidad und Tobago
|
Trinidad und Tobago: Fröhlicher Fußball aus der Karibik Viele Fußballfans werden zunächst ihren Weltatlas aus dem Regal geholt haben, als Trinidad und Tobago am 16. November 2005 als 29. Teilnehmer der FIFA WM 2006 feststand. Die beiden Antillen-Inseln unweit der Küste Venezuelas, zusammen etwa doppelt so groß wie das Saarland, aber nur von einer Million Menschen bevölkert, sind bekannt für Zucker- und Kakaoanbau, Erdöl-Förderung, farbenprächtigen Karneval und Weltklasse-Sprinter wie Hasely Crawford und Ato Boldon. Und seit neuestem für Fußballer, die erstmals im Konzert der Großen mitspielen dürfen. Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ... |
|
|
Seit 1962 ist der Commonwealth-Staat unabhängig von Großbritannien. Seitdem versuchten sich die Fußballer zehnmal mehr schlecht als recht in diversen WM-Ausscheidungen. Größter Erfolg der "Trinidad and Tobago Football Federation" (TTFF) war bisher die Halbfinal-Teilnahme beim CONCACAF Gold Cup 2000, der Nord- und Mittelamerika-Meisterschaft. Ansonsten gibt es auf der Insel sieben Proficlubs mit skurrilen Namen wie "Defence Force", "Doc's Khelwalaas" oder "Police". |
|
![]() Leo Beenhakker errang Erfolge mit Ajax Amsterdam, Real Madrid und der niederländischen Nationalelf. Mit Trinidad und Tobago nimmt der Trainer an der WM 2006 teil. (Foto: firo/Augenklick) |
|
Die völlig unverhoffte WM-Teilnahme ist ganz sicher zuvorderst ein Verdienst des niederländischen Star-Trainers Leo Beenhakker. Der 63-Jährige, der einst Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam, die holländische Nationalmannschaft und Real Madrid zu großen Erfolgen führte, löste im April 2005 Bertille Saint Clair ab. Zu diesem Zeitpunkt rangierte T&T in der 3. Runde der CONCACAF-Qualifikation mit nur einem Punkt aus den ersten drei Spielen auf dem letzten Platz. Niemand gab mehr einen Pfifferling auf die "Soca Warriors" (Soca-Krieger), wie die Spieler in Anspielung auf die volkstümliche Calypso- und Soca-Musik von ihren Fans genannt werden. Doch unter Beenhakker holten die Roten zwölf Punkte aus sieben Spielen und schafften das Unmögliche durch einen 2:1-Sieg im abschließenden Match über das mittelamerikanische "Überfliegerteam" Mexiko. Nach 0:1-Rückstand und verschossenem Elfmeter sorgte ein Doppelschlag von Stürmer Stern John dafür, dass die Feiern im Hasely-Crawford-Stadion von Port of Spain, benannt nach dem 100-Meter-Olympiasieger von 1976, bis in den frühen Morgen dauerten. Der Erfolg über den Asien-Fünften Bahrain in den Playoff-Spielen war anschließend nur noch das „Tüpfelchen auf dem i“. Die Steeldrums, die traditionellen Schlaginstrumente der armen Bevölkerung aus kunstvoll geformten Stahlblechen alter Erdölfässer, verstummten in den Tagen danach nur noch selten. Eine Woche lang herrschte vorgezogener Karneval im Land. Und Regierungschef Patrick Manning unterbrach eine Rede, um den 17. November kurzerhand zum nationalen Feiertag zu erklären. Der 1:0-Sieg in Bahrain, nach dem 1:1 im Hinspiel, rührte selbst den alten Hasen Beenhakker fast zu Tränen: "Wenn man vierzig Jahre im Fußball arbeitet, dann hat man schon verschiedene Höhepunkte erleben dürfen. Das war heute ganz sicher einer von ihnen", sagte der Holländer. Torhüter Kelvin Jack (29) vom schottischen Club FC Dundee, der sein Team in der Schlussminute mit einer waghalsigen Parade vor dem Ausgleich bewahrte, lobte den Coach überschwänglich: "Er hat bei uns für bisher nicht gekannte Professionalität und auch für Selbstvertrauen gesorgt." |
|
![]() Dwight Yorke, der Ex-Stürmer von Manchester United, hier im WM-Qualifikationsspiel gegen Mexiko (li.), ist der bekannteste Akteur des Nationalteams von Trinidad und Tobago. (Foto: firo/Augenklick) |
|
Beim Begriff Fußball fällt dem geneigten Fan im Zusammenhang mit Trinidad und Tobago eigentlich nur ein Name ein: Dwight Yorke. Der mittlerweile 34-Jährige gilt als der beste Fußballer aller Zeiten aus der Karibik. Der Kapitän der "Soca Warriors" erlebte seine beste Zeit bei Manchester United und gewann mit dem Club 1999 die Champions League (2:1 Finalsieg über Bayern München). Inzwischen ist der 121-malige Torschütze aus der Premier League in der neu gegründeten australischen Profiliga "Hyundai A-League" beim FC Sydney, trainiert vom deutschen Weltmeister Pierre Littbarski, gelandet. Eigentlicher Star der Mannschaft ist allerdings ein anderer: Stürmer Stern John (29) vom englischen Zweitligisten Derby County. Der 1,85 Meter große Modellathlet erzielte für sein Heimatland bisher 64 Tore in 89 Länderspielen und war in der abgelaufenen CONCACAF-Qualifikation mit 12 Treffern hinter Jared Borgetti (Mexiko, 14) zweitbester Goalgetter. In Szene gesetzt werden die beiden Spitzen Yorke und John vom mittlerweile 37 Jahre alten Russell Latapy (FC Falkirk). Der sensible Filigrantechniker schnürte zuvor für den FC Porto und die Glasgow Rangers seine Schuhe und feierte nach längerer Nationalmannschaftspause im September 2005 sein Comeback. Auch die meisten anderen der "Warriors" verdienen auf der britischen Insel ihr Geld. Neben Torhüter Jack und Latapy spielt auch Verteidiger Marvin Andrews (29, Glasgow Rangers) in Schottland. Beim walisischen Club FC Wrexham steht der 2,01 lange Abwehr-Hüne Dennis Lawrence unter Vertrag, der als Kopfballtorschütze zum 1:0-Erfolg in Bahrain internationale Bekanntheit erlangte. Fast das komplette Mittelfeld spielt in England: Christopher Birchall (21), erster hellhäutiger Nationalspieler Trinidads seit 60 Jahren, für den FC Port Vale, Carlos Edwards (27) für Luton Town und Kenwyne Jones (21) für den FC Southampton. Einige andere hat es hinaus in die weite Welt verschlagen, wie Silvio Reinaldo Spann (24) zum FC Yokohama nach Japan und Avery John (30) zu New England Revolution in die US-Profiliga. Deutschland kann sich auf eine unterhaltsame Mannschaft freuen, die in ihrer fröhlichen Ausstrahlung wahrscheinlich nur noch von den eigenen Fans übertroffen wird. Mit ihren Steeldrums und heißen Karibik-Rhythmen werden die "Soca Warriors Supporters" in den Städten und Stadien für prächtige Stimmung sorgen. |

