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FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: Schweden

Schweden: Nordländer mit viel Temperament

Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, dass der schwedische Fußball seine letzte Blütezeit erlebte. 1958, bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land, erreichten die „Tre Kronors“, benannt nach den drei Kronen im Staatswappen, das Finale. Dort unterlagen die Gelb-Blauen mit ihren Stars Nils Liedholm, Kurt „Kurre“ Hamrin und Gunnar Gren den brasilianischen Fußball-Rastellis um den 17-jährigen Pelé mit 2:5. Seitdem ist es wesentlich stiller geworden um die Skandinavier.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ...

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Die Schweden spielen zwar mit im Konzert der „Großen“, aber beileibe nicht die erste Geige. Mit schöner Regelmäßigkeit erreicht Schweden die WM-Endrunde, um dort spätestens in der Zwischenrunde auszuscheiden. Ausnahmen wie der 3. Platz 1994 in den USA, mit der unglücklichen 0:1-Halbfinalniederlage gegen Brasilien, bestätigen höchstens diese Regel. An die Erfolge aus den WM-Gründerjahren (Vierter 1938, Dritter 1950, Zweiter 1958) konnte das Team nie mehr anschließen. Im Gegenteil: In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren Schwedens Kicker komplett von der internationalen Bildfläche verschwunden. Allerdings steht der Fußball im Schatten des Eishockeys zwischen Göteborg und Stockholm.

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Zlatan Ibrahimovic (Mitte) freut sich mit Hendrik Larsson (re.) und Markus Allbäck (li.) über ein Tor bei der EM 2004. Bei der WM 2006 wollen die Schweden wieder jubeln. (Foto: GES/Augenklick)


Die Wende leitete Tommy Svensson ein, der 1991 als Nationalcoach den glücklosen Nisse Andersson ablöste. Er überraschte 1994 mit dem dritten WM-Rang und etablierte die „Tre Kronors“ mit Spielern wie Patrik Andersson (2001 Champions-League-Sieger mit Bayern München), Martin Dahlin und Tomas Brolin zumindest wieder in der erweiterten Weltspitze. Auch die verpasste WM-Qualifikation vier Jahre später konnte den generellen Aufwärtstrend nicht stoppen. 1998 nahm Tommy Söderberg (56) auf dem Trainerstuhl Platz, zwei Jahre später holte er sich Lars Lagerbäck (57) gleichberechtigt an seine Seite. Die beiden fungierten fortan als „Doppelspitze“ – ein Novum im internationalen Fußball. Der Erfolg gab ihnen Recht: in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2000 und zur WM 2002 blieben die „Tre Kronors“ ungeschlagen.

Bei der WM 2002 unterlag Schweden im Achtelfinale dem Überraschungsteam Senegal mit 1:2 nach Verlängerung, zwei Jahre später bei der EURO in Portugal war im Viertelfinale Schluss: die Niederlande gewannen im Elfmeterschießen 5:4. „Wir kommen dem Halbfinale immer näher", kommentierte Lagerbäck lakonisch. Der frühere Junioren- und Assistenzcoach des schwedischen Fußballverbandes SvFF (Svenska Fotbollförbundet) zeichnet seit der EURO für das Nationalteam allein verantwortlich.

Im Oktober hat sich Schweden, als einer der beiden besten Gruppenzweiten, zum elften Mal für eine WM-Endrunde qualifiziert. In der Gruppe 8 wurden bis auf die beiden Partien gegen Gruppensieger Kroatien (jeweils 0:1) alle Spiele gewonnen. 30:4 Tore aus zehn Spielen, also drei Tore pro Match im Schnitt, machen auf den ersten Blick deutlich, wo die große Stärke der schwedischen Mannschaft liegt: in der Offensive. Das Weltklasse-Trio Zlatan Ibrahimovic (Juventus Turin, 8 Tore), Fredrik Ljungberg (FC Arsenal, 7 Tore) und Henrik Larsson (FC Barcelona, 5 Tore) erzielte zwei Drittel aller Tore.

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Vor allem auf dem 24-jährigen Jungstar Ibrahimovic ruhen große Hoffnungen. Der 1,92 Meter lange Juve-Angreifer, dessen Marktwert inzwischen auf rund 30 Millionen Euro geschätzt wird, hat einen bemerkenswerten Leistungsschub in den vergangenen zwei Jahren erlebt. „Er hat sich als Mensch und als Fußballer enorm weiterentwickelt. Er ist heute einer unserer besten Spieler“, sagt Lagerbäck über den gebürtigen Bosnier, den alle nur „Carlo“ rufen. Ihm zur Seite stürmt der 34 Jahre alte Routinier Henrik Larsson (FC Barcelona), der seinen Rücktritt nach der WM 2002 vor der EURO 2004 wieder rückgängig gemacht hat, aber im November 2004 durch einen Kreuzbandriss zurückgeworfen wurde.

Der Dritte im Bunde, Fredrik Ljungberg, zählt seit Jahren zu den unverzichtbaren Stützen des FC Arsenal London. Der 28-Jährige spielt direkt hinter den Spitzen und gilt als einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler Europas. Komplettiert wird die famose Offensiv-Garde von Flügelstürmer Christian Wilhelmsson (25) vom RSC Anderlecht sowie den Nachwuchskräften Johan Elmander (24, Bröndby Kopenhagen), Markus Rosenberg (22, Ajax Amsterdam) und Kim Källström (23, Stade Rennes).

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Zlatan Ibrahimovic, der für Juventus Turin stürmt, ist ein Virtuose am Ball. Bei der WM 2006 peilt er mit Schweden wie 1994 das Halbfinale an. (Foto: GES/Augenklick)

Doch der attraktive Angriffsfußball birgt auch erhebliche Risiken. Um dem Leitsatz aus dem American Football, „offense wins games, defense wins championchips“ (der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften), gerecht werden zu können, fehlt es in den hinteren Reihen merklich an Qualität. Nur der 28-jährige Kapitän und Abwehrchef Olof Mellberg (Aston Villa) und der 1,97 Meter lange Torwart-Hüne Andreas Isaksson (Stade Rennes) werden gehobenen Ansprüchen gerecht.

In der deutschen Bundesliga, wo viele Jahre stets mehrere Schweden spielten, ist momentan kein einziger Profi aus dem Land der Elche und Seen aktiv. Als Stützpunkt bei der WM 2006 haben die Skandinavier Bremen gewählt. Von Norddeutschland aus wollen die Schweden eine Reise voller Erfolge antreten.