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FIFA WM Deutschland 2006™ Teilnehmer: Paraguay

Paraguay: Hoffnung auf das „deutsche“ Sturmduo

„Der Star ist die Mannschaft“ – wenn diese Weisheit jemals den Nagel auf den Kopf getroffen hat, dann im Fall Paraguay.  Im Team der „Albirroja“, benannt nach den rot-weiß gestreiften Trikots, gibt es keine herausragenden Spieler-Persönlichkeiten. Dennoch hat sich der kleine Pufferstaat zwischen Brasilien und Argentinien in den vergangenen Jahren als „dritte Fußball-Kraft“ des Kontinents hinter den beiden großen Nachbarn etabliert.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Star der Mannschaft ...

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Mit Leichtigkeit spielten sich die „Guaraníes“, wie sich die sechs Millionen Paraguayer in Anlehnung an die Ur-Einwohner selbst bezeichnen, durch die Mammut-Ausscheidung mit 18 Spielen und ließen höher eingeschätzte Teams wie Uruguay und Kolumbien hinter sich. Seit dem 3. Spieltag belegte die Mannschaft in dem Zehnerfeld immer einen Platz, der zur Qualifikation berechtigte. Das bedeutete am Ende die siebte WM-Teilnahme insgesamt und die dritte hintereinander.

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Roque Santa Cruz kam schon mit 17 Jahren zum FC Bayern München. Der Stürmer half mit, dass die Nationalmannschaft von Paraguay bei der WM 2006 dabei ist. (Foto: GES/Augenklick)


1930, 1950 und 1958 schied die Auswahl des paraguayischen Fußball-Verbandes APF (Asociación Paraguaya de Fútbol) in der Vorrunde aus; 1986 (0:3 gegen England), 1998 (0:1 n.V. gegen Frankreich) und 2002 (0:1 gegen Deutschland) war jeweils im Achtelfinale Endstation. Die größten Erfolge der Albirroja liegen lange zurück. 1953 und 1979 gewann die Elf die Copa América, die Südamerika-Meisterschaft. Allerdings ließ der Außenseiter bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen mit dem Gewinn der Silbermedaille aufhorchen.

Seitdem sitzt der bei Fans und Medien stets umstrittene Trainer Aníbal Ruiz (62), der „El Maño“ genannt wird, vergleichsweise fest im Sattel. Er werde, so Verbandspräsident Oscar Harrison, das Team auch bei der WM in Deutschland betreuen. „Er hat einen Riesenjob gemacht“, lobt der mächtige Fußball-Boss. Damit ergeht es dem Uruguayer besser als seinem Landsmann Sergio Markarian vor vier Jahren: er wurde eigens für das WM-Turnier in Japan und Südkorea durch den italienischen Starcoach Cesare Maldini ersetzt – mit wenig durchschlagendem Erfolg. Der Vater des Milan-Kapitäns Paolo Maldini durfte gleich wieder seine Koffer packen.

Seitdem hat Ruiz das Sagen und setzt ganz auf die erklärten Tugenden des paraguayischen Fußballs: Leidenschaft, Kampfkraft und Kontinuität, denn zwölf Spieler aus seinem jetzigen Kader schnupperten bereits 2002 WM-Luft. Eine Strategie, die trotz des Erfolges Paraguays Torwart-Legende José Luis Chilavert, der seine Karriere 2002 beendete, auf die Palme bringt: „Nach der WM 2002 wurde der Umbruch versäumt. Die Uhr tickt gegen uns.“

Chilavert, weltweit berühmt geworden als hervorragender Freistoßschütze, ist vor allem sein langjähriger Mitstreiter Carlos Gamarra ein Dorn im Auge. Der Kapitän und Rekordnationalspieler (96 Länderspiele) kam in den vergangenen zwei Jahren bei Inter Mailand selten zum Einsatz, ist aber aus dem Nationalteam nicht wegzudenken. Im Sommer 2005 wechselte der 34-Jährige nach Brasilien zum FC Palmeiras. „Er hat in der Nationalmannschaft nichts mehr zu suchen“, meint Chilavert. Beleg für die Kritik an der Defensivabteilung sind 23 Gegentore in der Qualifikation. Stabiler Faktor in diesem Mannschaftsteil ist einzig der umsichtige Torhüter Justo Villar (28) von den Newell’s Old Boys in Argentinien. Gamarras Innenverteidiger-Kollege Julio Cesar Caceres (26) von Atletico Mineiro (Brasilien) gilt ebenso als „Bruder Leichtfuß“ wie Außenverteidiger Delio Toledo (29) von Real Saragossa.

Je weiter es nach vorne geht, umso besser ist die „Albirroja“ besetzt. Im Mittelfeld geben die Europa-Legionäre Roberto Acuña (33, Deportivo de La Coruña) und Carlos Paredes (29, Reggina Calcio) den Ton an, unterstützt von den beiden großen Talenten Julio dos Santos (22) und Edgar Barreto (21), der bei NEC Nijmegen in Holland spielt. Beide Youngster waren mit hervorragenden Leistungen maßgeblich am überraschenden Finaleinzug bei den Olympischen Spielen 2004 beteiligt.

Ruiz’ beste und bekannteste Kräfte verdienen ihr Geld in der deutschen Bundesliga: die Stürmer Roque Santa Cruz (24) von Bayern München und Nelson Haedo Valdez (22) von Werder Bremen. Der Bayern-Angreifer genießt nahezu Kultstatus bei den Fans, seit er sein Land Anfang September 2005 mit dem 1:0-Siegtreffer zum ersten Sieg über Argentinien in der Geschichte der „Eliminación sudamericana“ führte. „Roque ist aufgrund seiner technischen Fähigkeiten und seines guten Kopfballspiels ein Schlüsselspieler für meine Mannschaft“, sagt Anibal Ruiz. Umso schwerer traf ihn die Nachricht von der schweren Verletzung, die sich Santa Cruz im Bundesligamatch am 29. Oktober 2005 in Köln zuzog. Diagnose: Kreuzbandriss, ein halbes Jahr Pause. Ob der schlaksige Stürmer, der in der Qualifikation immerhin vier Tore erzielte, bis zur WM wieder fit wird, steht in den Sternen. „Er ist jung, er kann das schaffen“, macht Ruiz dem Spieler und sich selbst Mut.

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Nelson Valdez ist ein ausgezeichneter Kopfballspieler. Der Stürmer von Werder Bremen, hier im Duell mit Rafinha (Schalke), hofft auf Topleistungen mit Paraguay bei der WM 2006. (Foto: GES/Augenklick)


So ruhen die Hoffnungen auf Nelson Valdez, der in Bremen auf dem Sprung zum Stammspieler ist. Für ihn unvergesslich bleibt die „Nacht von Maracaibo“ am 8. Oktober 2005, als er mit seinem Siegtor in Venezuela die WM-Fahrkarte unter Dach und Fach brachte und danach von den Medien überschwänglich gefeiert wurde. „Ich bin überglücklich, dass wir unser Ziel erreicht haben“, erklärte Valdez nach seiner herausragenden Leistung. „Paraguay hat eine hervorragende Mannschaft. Wir können im nächsten Jahr gut abschneiden“, glaubt der Jungstar.

Sollte Santa Cruz nicht rechtzeitig in Form kommen, wird Valdez’ Sturmpartner sicher José Cardozo heißen. Der bald 35-Jährige, 2002 Südamerikas Fußballer des Jahres, mit sieben Treffern hinter Ronaldo (10) zweitbester Torjäger der Südamerika-Ausscheidung und bei Olympia mit fünf Toren ebenfalls zweitbester Schütze, fand sich zuletzt immer häufiger auf der Ersatzbank wieder. Das nur 1,73 Meter große Kraftpaket begann einst beim FC St. Gallen seine Karriere und spielte danach zehn Jahre für Deportivo Toluca in Mexiko. Inzwischen schnürt er seine Schuhe für den argentinischen Club San Lorenzo. Mit Nelson Cuevas (25, River Plate Buenos Aires) und Fredy Bareiro (23, Saturn Ramenskoje, Russland) hat Ruiz weitere Asse im Ärmel.

Trotz mangelnder Konstanz in den Leistungen ist Coach Ruiz überzeugt: „Diese Mannschaft kann, wenn man uns Zeit lässt zu arbeiten, große Dinge erreichen.“ Dazu gilt es aber zunächst die Auswärtsschwäche abzustellen, denn außerhalb des eigenen Stadions „De los Defensores del Chaco“ in Asunción ist die Albirroja nur die Hälfte wert, wie acht magere Auswärtspunkte in der Qualifikation unterstreichen.