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Teil 33: Das Rhythmus-Gesetz der WM gilt weiterhin: Im Duell der Kontinente siegt wieder Europa

Der Fußball-Weltmeister 2006 wird aus Europa kommen. Nachdem Brasilien als Titelverteidiger und letzte Mannschaft aus Südamerika im Viertelfinale gescheitert ist, ist der Weg frei für ein Comeback der Europäer. Mit den Halbfinal-Paarungen Deutschland-Italien und Frankreich-Portugal stand fest, dass der neue WM-Gewinner im „alten Europa“ zu Hause ist. Damit setzt sich auch der stetige Wechsel fort, der seit 1962 besteht. Bei Turnieren außerhalb Europas siegen südamerikanische Mannschaften, in Europa setzen sich indes nur Teams vom „alten Kontinent“ durch. Lediglich einmal wurde dieses „Gesetz“ durchbrochen: 1958 von Brasilien bei der WM in Schweden.

Danach setzten sich folgende Weltmeister durch: 1962 in Chile siegte Brasilien, 1966 Gastgeber England, 1970 in Mexiko war erneut Brasilien an der Reihe, 1974 gewann Gastgeber Deutschland, 1978 setzte sich Gastgeber Argentinien durch, 1982 in Spanien triumphierte Italien, 1986 in Mexiko holte Argentinien seinen zweiten Titel, 1990 in Italien sicherte sich Deutschland den dritten WM-Titel, 1994 in den USA siegte Brasilien, 1998 mit Frankreich wieder ein Gastgeber, und 2002 in Japan/Südkorea feierte Brasilien den fünften WM-Sieg.

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Die Trophäe des Siegers der FIFA Weltmeisterschaften™ geht im Jahr 2006 zum neunten Mal an ein Team aus Europa. Neun Mal seit 1930 gewannen südamerikanische Mannschaften. (Foto: GES/Augenklick)

Zuletzt holten die Brasilianer 1958 in Schweden als nicht-europäisches Team den WM-Sieg. Es war damals der erste Titelgewinn der „Selecao“. Zuvor hatte es den gleichen Erdteil-Rhythmus gegeben: 1954 in der Schweiz hieß der Weltmeister Deutschland, 1950 in Brasilien siegte Uruguay, 1938 verteidigte Italien in Frankreich den Titel von 1934, der im eigenen Land geholt worden war. Bei der ersten WM 1930 war ebenfalls Gastgeber Uruguay als Sieger durch das Ziel gegangen. Sechs Mal setzte sich also bislang die Nationalmannschaft des Ausrichterlandes durch.

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Ronaldo mit dem goldenen FIFA-Weltpokal nach dem Finale 2002. In diesem Jahr bekommen die Brasilianer nach einem rein-europäischen Finale die Trophäe nicht in Hand. (Foto: GES/Augenklick)


Für Portugal wäre es der erste WM-Sieg, für Italien und Deutschland jeweils der vierte, und für Frankreich der zweite – Voraussetzung die Teams gewinnen ihre Halbfinals und das Endspiel am 9. Juli in Berlin. Deutschland stand elf Mal seit 1934 in einem WM-Halbfinale und 1978, als es kein Semifinale gab, in der zweiten Finalrunde. Nur 1930 und 1950 nahm der Deutsche Fußball-Bund nicht an der WM teil. Die Gründe dafür waren bei der ersten Durchführung der WM vor 76 Jahren die hohen Kosten, die lange Schiffsreise nach Montevideo und die erforderliche lange Abwesenheit der Spieler, die damals noch Amateure waren, von ihren Arbeitsplätzen. 1950 war Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg vom internationalen Sportbetrieb noch ausgeschlossen. Italien hat sich bei der FIFA WM 2006 zum siebten Mal für das Halbfinale qualifiziert und stand 1978 in Argentinien in der zweiten Finalrunde. Frankreich nimmt zum sechsten Mal am Semifinale teil. Die Portugiesen schafften dies nur einmal: 1966 in England.

Erst zum vierten Mal bei insgesamt 18 WM-Turnieren stellt Europa alle vier Halbfinal-Teilnehmer. Zuvor war dies 1934 in Italien (Tschechoslowakei, Deutschland, Österreich und Sieger Italien), 1966 in England (Deutschland, Portugal, UdSSR und Sieger England) und 1982 in Spanien (Deutschland, Frankreich, Polen und Sieger Italien) der Fall. Dass drei ehemalige Weltmeister im Halbfinale vertreten sind, ist kein Rekord. 1970 (Brasilien, Italien, Deutschland, Uruguay) und 1990 (Deutschland, England, Italien und Argentinien) standen sogar für vier Ex-Weltmeister in der Vorschlussrunde.

Damit kommt es am 9. Juli mit dem Endspiel in Berlin zum Gleichstand zwischen Europa und Südamerika. Bisher siegten neun Mal die Teams aus Brasilien (5), Uruguay (2) und Argentinien (2). Aus Europa gewannen bisher Italien, Deutschland (beide 3), England und Frankreich (beide 1). Deutschland stand bisher sieben Mal in einem Endspiel, Italien fünf Mal, Frankreich ein Mal. Portugal kämpfte noch nie in einem Finale um den WM-Titel.

Die nächste Weltmeisterschaft wird erstmals in Afrika stattfinden. Der Internationale Fußball-Verband (FIFA) wählte für 2010 Südafrika als Gastgeber aus. Bis 1994 gab es lediglich den Wechsel zwischen südamerikanischen und europäischen Ländern als WM-Gastgeber. Vor zwölf Jahren fand mit der WM in den USA die Endrunde erstmals in Nordamerika statt, mit der bisher höchsten Zuschauerzahl von rund 3,5 Millionen Besuchern, die auch bei der FIFA WM 2006TM in Deutschland (etwa 3,2 Millionen) nicht übertroffen wird. Die WM vor vier Jahren vergab die FIFA erstmals nach Asien. Ein Novum für das Endrunden-Turnier war es auch, dass mit Südkorea und Japan erstmals zwei Länder als Co-Ausrichter der WM auftraten. Für die WM 2014 haben bisher Brasilien und auch Australien ihr Interesse deutlich gemacht, die WM auszutragen. Die Entscheidung fällt voraussichtlich im Jahr 2008. Bis dahin werden sich wahrscheinlich weitere Länder um die WM-Ausrichtung in acht Jahren bewerben.