Teil 32: Aus für den Rekord-Weltmeister: Brasilien wie eine Altherren-Mannschaft
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Seit dem Beginn der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™ verweigerte der fünfmalige Weltmeister Brasilien, seinen zauberhaften „Samba-Fußball“ zu präsentieren. Nur in der zweiten Halbzeit beim 4:1 (0:1) im dritten Gruppenspiel gegen Japan, als angesichts der sicheren Achtelfinal-Teilnahme eine halbe „B-Elf“ im Dortmunder FIFA WM-Stadion aufspielte, konnte die „Selecao“ glänzen. Im Viertelfinale war der Traum von der Titelverteidigung und vom sechsten FIFA WM-Titel geplatzt. Mit dem 0:1 (0:0) gegen Frankreich in Frankfurt am Main war für die Brasilianer die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft ™ beendet. |
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![]() Thierry Henry beim Torschuss zum 1:0 der Franzosen im Viertelfinale, der das Ausscheiden von Rekordweltmeister Brasilien besiegelt. Torwart Dida ist chancenlos. (Foto: GES/Augenklick) |
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„Man lernt im Leben ständig dazu. Wir haben bereits gelernt, wie es ist zu gewinnen. Heute haben wir gelernt, wie es ist zu verlieren“, sagte Stürmer Robinho mit großer Weisheit für sein junges Alter von 22 Jahren. Der kleine, flinke Angriffsspieler von Real Madrid war in vier der fünf FIFA WM-Spiele nur eingewechselt worden. Auch gegen die Franzosen, die einen hoch verdienten Sieg errangen, stand Robinho nur elf Minuten auf dem Platz, nachdem die brasilianischen Fans nach dem 0:1 durch Thierry Henry (57.) in Sprechchören seinen Einsatz gefordert hatten. Aber das Supertalent, das in Brasilien manchmal als legitimer Nachfolger des großen Pele bezeichnet wird, spielte nur eine Nebenrolle im Konzept von Trainer Carlos Alberto Parreira. Viele Experten fragten sich, warum der Coach immer an der fast gleichen Mannschaft festhielt. Denn nicht nur Ronaldo hatte seinen Leistungszenit überschritten, obwohl er mit drei WM-Toren den Rekord des besten FIFA WM-Torschützen aller Zeiten (insgesamt 15 Treffer) verbesserte. Die Außenverteidiger Cafu (36 Jahre) und Roberto Carlos (33) hätten durch schnellere Spieler wie Gilberto oder Cicinho ersetzt werden. Neben den wuchtigen Ronaldo meist mit Adriano einen zweiten Riesen zu stellen, obwohl mit Robinho ein kleiner Dribbelkünstler zur Verfügung steht, stieß auf Dauerkritik in Brasilien. Auch Emerson auf der zentralen defensiven Mittelfeldposition wirkte oft so, als wäre er nicht auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit. Brasilien sah teilweise wie eine Altherren-Mannschaft aus. Auch Ronaldinho geriet in die Formkrise. Der zum besten Fußballer der Welt gewählte Offensivstar konnte zu keinem Zeitpunkt der FIFA WM 2006™ sein Können unter Beweis stellen. |
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![]() Zinedine Zidan (rechts) war der überragende Spieler beim Viertelfinale zwischen Frankreich und Brasilien. Auch Kaka (links) konnte nichts gegen „Zizou“ ausrichten. (Foto: GES/Augenklick) |
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Gegen die Franzosen, die ihr bestes Länderspiel seit zwei Jahren boten, kam das Ende für Brasiliens Senioren. Nach elf FIFA WM-Siegen in Folge mit dem Gewinn des Titels vor vier Jahren im Finale in Yokohama gegen Deutschland (2:0) folgte die erste Niederlage seit dem FIFA WM-Endspiel von 1998. Auch damals war es die Equipe tricolore, die den Südamerikanern beim 3:0 in St. Denis die Grenzen aufzeigte. Der überragende Spieler der Partie war Zinedine Zidane, kürzlich 34 Jahre alt geworden, der auftrumpfte wie in besten Tagen. Dabei war auch der große Regisseur hart kritisiert worden, als die Franzosen in der Vorrunde mit dem 0:0 gegen die Schweiz und dem 1:1 gegen Südkorea zunächst nicht in Tritt kamen. Bei den Brasilianern machten viele Medien und auch viele Fans in der Heimat den Trainer für den Knockout verantwortlich. „So ist das eben in Brasilien. Wenn wir gewinnen, liegt das am großen Talent der Spieler. Wenn wir verlieren, ist es die Schuld des Trainers“, sagte Parreira, der das Team 1994 in den USA zum Titel geführt hatte. Nun wird sein Rücktritt erwartet, denn in den vergangenen Jahrzehnten konnte sich in Brasilien kein Nationaltrainer halten, wenn die FIFA WM-Teilnahme enttäuschend verlief. Parreira war für den für südamerikanische Verhältnisse schnörkellosen Fußball des Rekord-Weltmeisters verantwortlich. „Warum die brasilianische Elf nicht ihr gewohnt schönes Spiel aufgezogen hat?“, fragte er nach dem 3:0 gegen Ghana im Achtelfinale quasi sich selbst und gab eine Antwort, die an Klarheit nicht zu übertreffen war: „Weil uns ein Eintrag in die Fußball-Geschichtsbücher wegen unseres schönen Spiels nicht interessiert. Was wir wollen, ist bei dieser FIFA WM unseren sechsten Titel zu gewinnen.“ Das hohe Ziel blieb mit einer unerwartet defensiven Spielweise unerfüllt. |
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![]() Der enttäuschte Ronaldinho (Mitte) verabschiedet sich vom Franzosen Claude Makelele nach dem WM-K.o. der Brasilianer. Juan (links) wird von einem Ersatzspieler getröstet. (Foto: GES/Augenklick) |
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Das „alte Europa“ war mit dem Ausscheiden der Brasilianer in den Halbfinalspielen unter sich. Beim Klassiker Deutschland gegen Italien und beim Duell Frankreich gegen Portugal werden die Endspiel-Teilnehmer ermittelt. Bittere Tränen flossen auch bei den Engländern, die nach einem torlosen Remis nach 120 Minuten in Gelsenkirchen das Elfmeterschießen gegen Portugal mit 1:3 verloren. Die Briten, die nach einer Roten Karte für ihren Stürmerstar Wayne Rooney aufgrund einer groben Unsportlichkeit mit zehn Spieler lange gleichwertig waren, scheiterten zum fünften Mal bei einer Welt- oder Europameisterschaft in der Penalty-Entscheidung. In dieser Beziehung könnten die Engländer wohl etwas von den Deutschen lernen, denn sie haben noch keines ihrer vier Elfmeter-Duelle bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ verloren. |


