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Oktober 2007: Timo Hildebrand pflegt gute Verhältnisse zu den Kollegen

Die Grabenkämpfe zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann in der deutschen Nationalmannschaft hat er lange genug erlebt. „Sie haben der Mannschaft nicht geschadet, aber förderlich für den Teamgeist und für eine positive Energie waren sie nicht“, sagt Timo Hildebrand zu den erbitterten Kontroversen, die sich seine zehn Jahre älteren Torwart-Kollegen in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) lieferten. Der 28-Jährige schlägt einen ganz anderen Kurs ein. Vor dem UEFA EM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien erklärte Timo Hildebrand ganz entspannt, wie er sich das Verhältnis zwischen den Torhütern einer Mannschaft vorstellt. „Man sollte aufhören gegeneinander zu kämpfen, man sollte miteinander spielen“, erklärte Hildebrand.

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Timo Hildebrand bei der Pressekonferenz der Nationalmannschaft am 15. Oktober in München: Der Torwart erklärte, er pflege ein kollegiales Verhältnis mit Jens Lehmann. (Foto: GES/Augenklick)


In München gegen Tschechien am 17. Oktober bestritt Hildebrand sein sechstes Länderspiel seit seinem Debüt im April 2004, weil Jens Lehmann nach einer Gelben Karte am Samstag zuvor beim 0:0 gegen Irland in Dublin gesperrt war. Der gebürtige Rheinhesse hatte sich nach kleinen Startschwierigkeiten einen Stammplatz im Tor des FC Valencia gesichert, diese Position hatte Lehmann beim FC Arsenal zum gleichen Zeitpunkt verloren. Doch daraus leitete der frühere Stuttgarter keinen Anspruch ab, dass ihm die Nummer eins im DFB-Team zusteht. „Die Hierarchie ist klar vorgegeben, die Rollen sind klar verteilt“, sagte Hildebrand. „Jens hat in Dublin eine tolle Leistung gebracht.“ Er sieht sich als erster Ersatztorhüter, der Lehmann gelegentlich ablösen darf. „Er ist die Nummer zwei“, sagte DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke.

Timo ist nach Aussagen des UEFA Europameisters von 1996 in einer „Sandwich“-Rolle. Von oben lastet Lehmann auf ihn, von unten drückt der Hannoveraner Robert Enke, dem Köpke auch Chancen eingeräumt werden, die Nummer zwei zu werden. Allerdings wird Hildebrands Rolle als erster Stellvertreter nicht richtig in Frage gestellt. Er zeigt gute Leistungen, die Niederlage gegen Tschechien konnte er nicht verhindern, die Feldspieler vor ihm boten nach dem Einzug in die Endrunde der UEFA Europameisterschaft vier Tage zuvor keine voll konzentrierte Leistung.

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Der schrecklichste Job für einen Torwart: Timo Hildebrand holt nach dem zweiten Treffer der Tschechen gegen Deutschland beim Länderspiel in München den Ball aus dem Netz. (Foto: FIRO/Augenklick)


„Dieses 0:3 gegen Tschechien war schon ziemlich derb und hat mich heftig aufgeregt. Klar wollte ich nach der Sperre von Jens Lehmann und seinem guten Spiel in Irland zeigen, was ich drin habe. Selbstverständlich war ich in München vor dieser tollen Kulisse topmotiviert und auch gut drauf. Dann kassierst du schon nach zwei Minuten das 0:1, völlig aus dem Nichts heraus. Bekommst danach nix auf den Kasten, aber wenig später das 0:2 eingeschenkt. Mensch war ich da sauer. Und nach diesem dritten Gegentor musste einfach der Frust raus – habe ihn am Ball abgelassen, irgendwohin geballert“, berichtete Hildebrand im Tagebuch seiner Internet-Homepage(http://www.timo-hildebrand.de/).

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Zum Haare raufen dieses Spiel! Timo Hildebrand nach dem 0:3 der deutschen Nationalmannschaft gegen Tschechien in München. (Foto: GES/Augenklick)


Joachim Löw passt es gut, dass Hildebrand null Interesse hat an einem Torwartkrieg, wie er einst unter Kahn und Lehmann herrschte. „Es freut uns, dass das Verhältnis der Torhüter respektvoll und intakt ist. Es ist ein gutes Miteinander. Sie kommunizieren und sprechen miteinander“, sagte der Bundestrainer. Lediglich im Training beim DFB-Team versuchen sich die beiden zu übertreffen. Die freundliche Kooperation zwischen den Torhütern soll aber laut Löw in der Mannschaft nicht der Regelfall werden. Um nach der sicheren Qualifikation für die UEFA EM-Endrunde einen Leistungsabfall in den nächsten Länderspielen gegen Zypern am 17. November in Hannover und gegen Wales am 21. November in Frankfurt (Main) zu vermeiden, schürt der Bundestrainer bewusst unter 35 Kandidaten den Kampf um die 23 Plätze im UEFA EM-Kader. „Es gibt einen Konkurrenzkampf wie nie“, sagt Löw.

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Als Hildebrand nach Valencia zurückkam, stand für seine spanische Topmannschaft das Auswärtsspiel bei Deportivo La Coruna an. In den vier Partien zuvor in der Primera Division hatte Hildebrand das Valencia-Tor gehütet, auch in der Champions League gegen den FC Chelsea machte er seinen Job zwischen den Pfosten. Doch nun musste Timo wieder ins zweite Glied rücken. Trainer Quique Flores entschied sich in La Coruna für Santiago Canizares. Der „Oldie“ hat keine internationalen Verpflichtungen mehr, er konnte in Valencia mit den Spielern trainieren, die nicht wie Hildebrand zu Länderspielen unterwegs waren. Die deutsche Nummer zwei nahm es gelassen. Auch mit Canizares hat er ein gutes Verhältnis. „Es ist Charaktersache, wie man mit der Rivalität umgeht“, sagte er in einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“.

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Timo Hildebrand in der Schalke-Arena: Am 18. September gewann Valencia den Auftakt der UEFA Champions League mit 1:0. Im Tor der Spanier stand aber Santiago Canizares. (Foto: FIRO/Augenklick)

„Manchmal ist der schwerere Weg der bessere. Ich habe die Herausforderung gebraucht. In Spanien sind die Topspieler, da kann ich mich weiter verbessern“, sagte er. Er besitze das Selbstvertrauen, dass er sich in Valencia auf Dauer durchsetzen werde. Und dieser Klub ist wahrlich nicht irgendeiner. Während der VfB Stuttgart große Schwierigkeiten nach dem Titelgewinn hat, spielt Valencia wieder an der Spitze mit. Einen Punkt hinter Spitzenreiter Real Madrid und einen Zähler vor dem FC Barcelona lag Timos Team nach dem 8. Spieltag am 20./21. Oktober.