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März 2008: Spanien begeistert: „Timo Hildebrand, Du bist ein Heiliger“

Als Profi in Spanien steht er seltener im Blickpunkt in seiner deutschen Heimat als die jungen, starken Bundesliga-Torhüter Rene Adler und Manuel Neuer. Auch Robert Enke wird intensiver beobachtet, und am Schicksal von Jens Lehmann im Londoner Exil nehmen die meisten deutschen Medien und Millionen Fußball-Fans regelmäßig Anteil. Timo Hildebrand bestreitet fast jede Woche Duelle gegen Weltklassespieler in der Primera Division, die vom spielerischen Niveau als die stärkste der Welt eingestuft wird. Der ehemalige Stuttgarter hat sich beim FC Valencia fest als Nummer eins etabliert, wobei er die Rückennummer 13 trägt. Eine Sternstunde erlebte Hildebrand Ende Februar im Halbfinal-Hinspiel des Copa del Rey, des spanischen Pokals.

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Timo Hildebrand bei seinem ersten Auftritt im Stadion „Nou Camp“: Beim Pokalspiel gegen Barcelona bot er eine Weltklasseleistung und zeigte Valencia die Richtung. (Foto: FIRO/Augenklick)


Während des 1:1 (0:0) beim FC Barcelona bot Hildebrand, Werbepartner der Continental AG, vor 100.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion Nou Camp eine bestechende Leistung. Es sah sogar solange so aus, als könnte Valencia den Sieg mitnehmen, nachdem David Villa (70.) das Team des niederländischen Trainers Ronald Koeman in Führung gebracht hatte. Erst in der vierten Minute der Nachspielzeit glich Xavi für die Katalanen aus. Valencia hofft im Rückspiel am 19. März das Finale gegen Getafe oder Racing Santander zu erreichen. Die deutsche Nachrichtenagentur Sport-Informations-Dienst (sid) fasste die Reaktionen der Medien in Spanien zusammen: „Hildebrand hält Valencia am Leben. Er erinnerte an seine berühmten Landsleute Sepp Maier und Toni Schumacher.“ (Sportzeitung AS). „Er hat zwölf hundertprozentige Chancen vereitelt und damit einen weiteren Rekord der laufenden Saison seines Vorgängers Santago Canizares gebrochen. Überragend!“ („Marca“). „Du warst ein Heiliger. Unglaublich, was Du gehalten hast.“ (Radiosender Cadena Ser). Lob erhielt der Keeper auch vom sonst eher kritischen Koeman: „Er hat sehr gut gehalten, besonders bei Eins-gegen-Eins-Situationen.“

In einem Interview mit „Welt online“ äußerte sich Hildebrand zu seinen erfolgreichen Duellen gegen Topstürmer wie den Argentinier Lionel Messi, den Kameruner Samuel Eto’o und den Franzosen Thierry Henry so: „Ich habe zum ersten Mal im Nou Camp gespielt. Die Atmosphäre in diesem Stadion ist einmalig und hat mich ungeheuer inspiriert. Unter solchen Bedingungen macht Fußball einfach Spaß. Für mich ist es gut gelaufen.“ Auf die Frage, ob er mit seinen Gala-Auftritt seine Chancen auf einen Einsatz bei der UEFA EURO 2008™ verbessert habe, sagte Hildebrand, dazu wolle er sich nicht äußern. Es ist eben ein äußerst sensibles Thema.

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„Timo, Du bist ein Heiliger!“ So feierte ein Radiosender Valencia-Torhüter Hildebrand beim 1:1 im Pokal in Barcelona, der hier einen Treffer von Thierry Henry verhinderte. (Foto: FIRO/Augenklick)


Denn die deutsche Nationalmannschaft kommt ohne Torwart-Diskussion offenbar nicht mehr aus. Lehmann? Hildebrand? Enke? Adler? Vier Torhüter standen in den ersten Wochen des Jahres 2008 besonders im Blickpunkt, wenn an den Stammtischen der Fußball-Fans und in den deutschen Medien debattiert wurde, wer bei der UEFA EURO 2008™ im Team des WM-Dritten zwischen den Pfosten stehen soll. In der UEFA Champions League schob sich im Achtelfinal-Rückspiel des FC Schalke 04 beim FC Porto auch Manuel Neuer mit einer grandiosen Leistung wieder ins Rampenlicht. Zwei Elfmeter wehrte der 21-Jährige in der Penalty-Entscheidung (4:1) ab, nachdem er den deutschen Vizemeister mit starken Paraden durch die Verlängerung (0:1, 0:1, 0:0) geführt hatte. Doch den Schlussmann der deutschen U-21-Auswahl werden Bundestrainer Joachim Löw und Bundestorwarttrainer Andreas Köpke nach dem aktuellen Stand Mitte März, noch nicht vor der EM-Endrunde ins A-Team holen. Löw und Köpke werden die drei Torhüter, die bei der UEFA EURO 2008™ mit 20 Feldspielern den Kader des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bilden werden, höchstwahrscheinlich aus dem Kreis der vier Erstgenannten auswählen.

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Lehmann durfte beim FC Arsenal einige Partien im Januar und Februar bestreiten, ehe wieder sein spanischer Konkurrent Manuel Almunia von Trainer Arsene Wenger bevorzugt wurde. In der UEFA Champions League glänzten die „Gunners“ aus London beim Einzug in das Viertelfinale als Gast des AC Mailand, aber in der Premier League hat Arsenal viel Boden auf Konkurrent Manchester United verloren. Bei der 0:4-Abfuhr im FA-Cup gegen ManU hütete Lehmann das Tor. Trotz allem: Löw und Köpke betonten wiederholt, dass der 38 Jahre alte ehemalige Schalker und Dortmunder die Nummer eins bei der EM-Endrunde sein wird.

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Timo Hildebrand bei einem Abschlag vor den mit 100.000 Zuschauern voll besetzten Tribünen des Stadions „Nou Camp“ beim Pokal-Duell Barcelona gegen Valencia (1:1). (Foto: FIRO/Augenklick)

Ganz so hitzig wie vor der FIFA Weltmeisterschaft 2006™ wird die Frage, ob der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann als seine Stammkraft Oliver Kahn oder Lehmann aufbieten würde, nicht diskutiert. Aber das Torwart-Problem ist auch vor der UEFA EURO 2008™ das Topthema des deutschen Teams. Viele Experten kritisieren, dass Lehmann nicht genug Spielpraxis habe. Das war im Februar nach dem 3:0 der deutschen Mannschaft im Testspiel gegen Österreich in Wien der Fall, als die ehemaligen Nationaltorhüter Toni Schumacher, Uli Stein und Bodo Illgner übereinstimmend erklärten, wer im Kasten der deutschen Nationalelf stehe, müsse auch im Verein immer spielen. Das sehen auch viele Fans so, wobei Lehmann durchaus viel Unterstützung erhält.

Die Konkurrenten von Lehmann im Kampf um die Position im Tor des dreimaligen UEFA Europameisters haben die geforderte umfassende Spielpraxis. Rene Adler kam nach überragenden Leistungen in der Bundesliga und einem Weltklasseauftritt mit Bayer Leverkusen während des 0:0 bei Galatasaray Istanbul im UEFA-Pokal als dritter Torwart für den deutschen EM-Kader ins Gespräch. „Natürlich ist das auch bei uns eine Überlegung und deshalb sage ich auch ganz klar: Im Moment ist die Tür nicht zu“, erklärte DFB-Torwarttrainer Köpke in einem Interview mit der Fachzeitung „Kicker“. Es war die Antwort auf die Frage, ob es sich nicht ratsam sei, im deutschen Aufgebot für die UEFA Europameisterschaft 2008 einen der drei Torhüterplätze durch den jüngeren Adler (23 Jahre) zu besetzen. Löw neige noch zur Berufung von Jens Lehmann (38), Timo Hildebrand (28) und Robert Enke (30), sagte Köpke. „Das ist der Stand der Dinge, aber bis zur EM kann noch viel passieren“, erklärte der frühere Nationaltorhüter und hob die Vorzüge Adlers hervor: „Er hat von allen Bundesliga-Torhütern die beste Saison gespielt. Davor verschließen wir nicht die Augen.“ In der Torwartfrage ständig zu wackeln und keine Konstanz zu zeigen, wäre ein Fehler, betonte Köpke.

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Wenn Adler wirklich nachrücken würde, dann müsste wohl Enke seine Hoffnungen begraben. Nur ein Länderspiel hat der Hannoveraner bisher bestritten: Beim 0:1 gegen Dänemark im März 2007 in Duisburg, bei dem Löw eine B-Elf testete. „Die ganze Diskussion wird total hektisch geführt. Ich bin bereit eine gute UEFA EM zu spielen, wenn ich zum Einsatz komme“, sagte Enke in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“. Bei den Niedersachsen hat Enke einen Stammplatz, aber nach 23 Saisonspielen hatte er schon 39 Gegentreffer kassiert. Sein Team bewegt sich trotz höherer Erwartungen im Mittelfeld der Bundesliga. Im Mittelfeld der spanischen Liga bewegt sich der FC Valencia.

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Rene Adler von Bayer Leverkusen könnte nach starken Leistungen die Hierarchie der deutschen Torhüter für die UEFA EURO 2008™ durcheinander bringen. (Foto: GES/Augenklick)

In der Mannschaft, die in dieser Saison ihre schlechteste seit vielen Jahren bestreitet, hat sich Hildebrand indes fest etabliert. Deswegen dürfte der Deutsche-Meister-Torwart, der seit 2004 bei der Nationalmannschaft dabei ist und sieben Länderspiele aufzuweisen hat, bessere Karten als Enke haben, wenn Löw und Köpke für den Leverkusener Adler wirklich einen Torwart-Platz in ihrem UEFA EM-Kader frei machen müssten.

Link zum Interview bei „Welt online“ mit Timo Hildebrand nach dem 1:1 des FC Valencia beim FC Barcelona

Link zu einer Bildergalerie mit Timo Hildebrand bei „Welt online“