Interview mit Continental-Partner Timo Hildebrand:
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Continental: Wie erklären Sie selbst die ständige Aufwärtsentwicklung, die Sie seit Ihrem Debüt in der Bundesliga im November 1999 genommen haben? Timo Hildebrand: "Als Torhüter entwickelt man sich ständig weiter. Jedenfalls sehe ich das so. Es stimmt, ich habe einen großen Schritt nach vorne gemacht. Das liegt auch am positiven Lauf der Mannschaft, von dem jeder einzelne Spieler profitiert." |
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Continental: Sie sind sehr reaktionsschnell, Sie sind sehr stark im Zweikampf gegen die anstürmenden Offensivspieler. Dennoch: Wo sehen Sie für sich Verbesserungsmöglichkeiten? Timo Hildebrand: "Mein Ziel ist, ein möglichst kompletter Torwart zu werden. Das heißt für mich: Ich will mich in allen Bereichen verbessern: Auf der Linie, in der Strafraumbeherrschung, bei hohen Flanken, in 1:1-Situationen gegen die Stürmer. Und ich will ein guter Fußballspieler sein, bei dem die Mitspieler nicht zittern müssen, wenn er den Ball mit dem Fuß spielt. Das beherrsche ich auch ganz gut, aber Steigerungsmöglichkeiten gibt es immer." Continental: Es gibt ja verschiedene Torhüter-Typen. Einige spielen sehr sachlich und vermeiden eher spektakuläre Paraden. Flanken pflücken sie ruhig aus der Luft. Sepp Maier war früher so einer. Dann gibt es Torhüter, die sehr tollkühne Flugparaden abliefern, dass die Zuschauer staunen. Würden Sie sich in eine dieser Kategorien einordnen? Timo Hildebrand: "Wenn ich das muss, dann eher in die erste. Ich bin keiner, der für die Galerie spielen will. Ich mache keine Parade, damit es nur gut aussieht. Das gibt es in der Bundesliga ja auch. Wenn man aber muss, weil ein Ball nicht anders abzuwehren ist, kann ich das auch." Continental: Wie viel haben Sie von den älteren Torhütern gelernt? Haben die Ihnen geholfen? Timo Hildebrand: "Man lernt viel von den älteren Kollegen. Mit 20 Jahren habe ich auch noch anders gehalten. In fünf Jahren Bundesliga habe ich viel gelernt. Man verhält sich anders im Training, geht viel konzentrierter zur Sache. Manche der älteren Torhüter haben mir Tipps gegeben, andere nicht. Bei denen musste ich mir einige Sachen abgucken. Wichtig bei der Entwicklung ist aber auch der Trainer." Continental: Inwieweit haben die Trainer Sie gezielt gefördert? Timo Hildebrand: "Felix Magath hat mir erklärt, dass ich anders trainieren muss. Er sagte nicht, dass ich mehr trainieren muss, aber immer voll konzentriert. Danach habe ich mein Training umgestellt und gemerkt, dass das richtig war. Von jedem Trainer bekommt man wertvolle Hinweise, auch von Matthias Sammer oder von Andreas Köpke bei der Nationalmannschaft." Continental: Sie sind bei einer Größe von 1,85 Meter und einem Gewicht von 77 Kilo ein schlanker Torhüter. Es gibt auch diese Bodybuilder-Typen wie Oliver Kahn und Tim Wiese. Absolvieren Sie ein spezielles Krafttraining? Timo Hildebrand: "Das, was die ganze Mannschaft ab und zu im Kraftraum macht, mache ich auch. Ich finde, es muss eine Balance zwischen Kraft und Beweglichkeit geben bei einem Torwart. Aber ich werde bei der Kraft in den nächsten ein, zwei Jahren noch zulegen. Das sagt der Trainer auch. Das wird noch kommen. Aber ich werde nicht zu viel Krafttraining machen." Continental: Wie lautet Ihre Fußball-Philosophie? Haben Sie es lieber, wenn Ihre Mannschaft offensiv spielt und Sie Ihre Stürmer in 60 bis 100 m Entfernung beobachten können? Oder schätzen Sie es mehr, wenn Ihre Abwehr kompakt steht und die Offensive kontrolliert ausgeübt wird? Timo Hildebrand: "Das ist eine gute Frage. Wir haben in dieser Saison in allen Spielen wenige Torchancen zugelassen. Das ist natürlich gut. Harakiri-Fußball zu spielen - ich weiß nicht, ob das erfolgreich sein kann. Es kommt sicher auf eine gute Mischung an. Hinten sicher, vorne durchschlagskräftig. Das ist eine Idealvorstellung. Lieder klappt das nicht immer." Continental: In der Saison 2003/2004 haben Sie den Rekord von Oliver Kahn verbessert und sind zehn Spiele ohne Gegentor geblieben. Bedeutet Ihnen diese Bestmarke etwas? Timo Hildebrand: "Der Rekord allein ist ja nicht viel wert. Und allein hätte ich das nie geschafft, die ganze Mannschaft hat in den Spielen kein Tor kassiert. Aber es ist für mich eine nette Zugabe für die guten Leistungen gewesen." Continental: Im Jahr 2004 haben Sie Ihr Debüt in der Nationalmannschaft gegeben und spielten in Rumänien und in Thailand. Was bedeutet Ihnen die Nationalmannschaft? Timo Hildebrand: "Sie hat eine sehr hohe Bedeutung. Ich habe schon sehr gerne in der U 21 gespielt. Die Nationalmannschaft ist das höchste Ziel für jeden Fußballspieler. Es wäre ein Traum, bei der WM 2006 zu den besten drei deutschen Torhütern zu gehören, auch wenn ich hinter Olli Kahn und Jens Lehmann nicht zum Einsatz käme. Dann könnte ich mir das alles, wie schon bei der Europameisterschaft 2004, ohne großen Druck anschauen und viel lernen." Continental: Oliver Kahn möchte nach der WM 2006 seine Karriere beenden. Werden Sie einmal sein Nachfolger werden? Timo Hildebrand: "Als Torhüter solche Prognosen zu machen, ist schwierig. Denn als Nummer eins muss man ständig gute Leistungen bringen. Das ist der gravierende Unterschied zu den Feldspielern, die eventuell mal etwas schwächere Spiele dabei haben. Ein Torwart ist erst gut, wenn er über lange Zeit gut ist. Unser Job ist ein Tanz auf der Rasierklinge. Das sieht man daran, dass in dieser Bundesliga-Saison schon viele Torhüter gewechselt wurden. Aber ich wäre kein guter Torwart, wenn ich schon zufrieden wäre. Den Ehrgeiz, auch in der Nationalelf die Nummer eins zu sein, habe ich." |