Interview mit Continental Personalvorstand Thomas Sattelberger
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Mit dem ContiTeamCup hat Continental die wohl größte Firmen-interne Fußball-WM der Welt ausgetragen. Conti-Personalvorstand Thomas Sattelberger verrät, ob ein Sportfest zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen kann. Und ob Fußball womöglich wichtiger ist als unternehmerisches Fachwissen. |
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FRAGE: Herr Sattelberger, in den Finalspielen des ContiTeamCup haben sich die Männer-Mannschaft des slowakischen Continental-Standorts Puchov und das mexikanische Frauen-Team aus Cuautla durchgesetzt. Hätten Sie gedacht, dass die Slowakei und Mexiko 2006 Weltmeister werden? |
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SATTELBERGER: Wieso nicht? Osteuropäische und südamerikanische Mannschaften standen doch schon immer in einer guten fußballerischen Tradition. Die Slowakei und Mexiko haben sich ausgezeichnet präsentiert und sind verdient Weltmeister geworden. Vor allem die Mexikanerinnen waren so voller Enthusiasmus, es war eine besondere Freude, ihnen zuzuschauen. |
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FRAGE: Sind Sie nicht ein bisschen enttäuscht, dass sich die deutschen Teams bereits in der Vorrunde verabschiedet haben?
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SATTELBERGER: Wissen Sie, mein Herz schlägt für jedes Land. Ich bin traurig über jedes Team, das früh ausgeschieden ist und freue mich für jedes Land, das es in die Finalrunde geschafft hat. Continental ist ein global aufgestelltes Unternehmen mit Standorten in 140 Ländern, da kommen die Teams aus allen Teilen der Welt, ganz wie bei der richtigen Weltmeisterschaft. Als Personalvorstand bin ich patriotisch für die ganze Conti, nicht für ein Land. |
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FRAGE: Wie kam es überhaupt zu der Idee, eine Unternehmens-WM auszutragen?
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SATTELBERGER: Am Anfang stand die schüchterne Idee unserer Mitarbeiterin Petra Hamich aus der Unternehmenskommunikation. Es gibt bei Conti wohl wenig Projekte, die so stark von einer einzelnen Person vorangetrieben wurden wie der ContiTeamCup von Frau Hamich, die das Turnier dann mit großer Leidenschaft, Ausdauer und Frustrations-Toleranz auf die Beine gestellt hat. Der Vorstand war von Anfang an begeistert von der Idee. Dass wir mit unserem Sponsoring im Rahmen der WM und unserem vielseitigen Engagement im Bereich des Fußballs auch innerhalb des Unternehmens ein so erfolgreiches Turnier wie den ContiTeamCup veranstalten können, ist ein tolles Bild. Wir sind eine Hochleistungsfirma, wir haben Jahr für Jahr Top-Rekorde aufgestellt, was die Profitabilität betrifft. Das erreicht man nur mit Sportsgeist, mit Teamgeist. Wenn der geschäftliche Erfolg sich auch in einer sportlichen Hochleistungskultur nach innen zeigt, können wir alle zufrieden sein. |
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FRAGE: Hätten Sie geglaubt, dass sich eine solche Dynamik entwickelt? Mehr als 100 Männerteams aus 75 verschiedenen Standorten in 26 Ländern und 16 Frauenteams aus zehn Ländern haben um den Titel gekämpft.
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SATTELBERGER: Ehrlich gesagt, die riesige Begeisterung hat mich überrascht. Vor allem auch das unglaubliche Engagement der Damenmannschaften. Am Anfang hatten wir ja Bedenken, ob wir überhaupt vier Teams zusammenbekommen, und dann waren es doch so viele. Und die haben wahnsinnig trainiert! Es gab Teams, bei denen hat die Hälfte der Spielerinnen überhaupt erst einmal Fußball spielen gelernt. Einige wussten zu Anfang noch gar nicht, was genau eigentlich Abseits ist. Gerade die Damen haben sich ganz vorbildlich vorbereitet. Die Beigeisterung für das Damen-Turnier ist mir ganz wichtig, denn der Erfolg von Conti wird ja nicht nur von den Männern, sondern im gleichen Maße auch von den Frauen getragen. |
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FRAGE: Trägt ein Fußball-Turnier auch zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bei?
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SATTELBERGER: Wir haben das Projekt nicht mit einer wirtschaftlichen Zielsetzung verknüpft. Wir haben es wegen des Sportsgeists in der Conti auf die Beine gestellt, wegen der länderübergreifenden Zusammenarbeit. Der ContiTeamCup drückt natürlich symbolisch aus, dass Conti eine Gewinner-Firma ist. Und wenn das Turnier darüber hinaus einen wirtschaftlichen Vorteil für uns erzielt, dann ist das ein schöner Nebeneffekt, ein Spin-off, über den wir uns natürlich alle freuen. |
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FRAGE: Können Sie ein Beispiel nennen?
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SATTELBERGER: Eine schöne Sache hat sich in Mexiko ergeben. In einem Vorrundenspiel hat das neue Werk von Continental Teves in Las Colinas gegen das Werk in Silao gespielt, und das neue Werk Las Colinas hat gewonnen. Dieser Sieg hat in der Folge mit geholfen, die Anlaufschwierigkeiten und Produktivitätsprobleme im Werk zu beheben, weil die Mannschaft so inspirierend gewirkt hat und das ganze Werk mit ihrer positiven Stimmung angesteckt hat. Dieses „Wir sind die Champions“ hat am Ende alle an einem Strang ziehen lassen. |
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FRAGE: Sie haben viel Erfahrung im Personalmanagement gesammelt und dazu auch einige Bücher veröffentlicht, zum Beispiel das „Handbuch der Personalberatung“. Müssen Sie das nun um ein Kapitel „Bedeutung des Fußballs für Human Resource Management“ erweitern?
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SATTELBERGER: Die Bedeutung des Sports allgemein ist ein ganz wichtiges Thema. Nicht ohne Grund gab es früher in vielen Unternehmen Betriebssportvereine, leider ist das sehr zurückgegangen. Da haben die Menschen ihre Loyalität zur Firma auch über den Sport ausgedrückt. Und auf der anderen Seite haben die Firmen vieles dafür getan, dass die Menschen sich auch in ihrer Freizeit begegnen und Spaß miteinander haben. Insofern ist das Thema „sportliche Aktivität“ ein Aspekt, dem ich persönlich unter dem Gesichtspunkt Unternehmenskultur heute eine größere Bedeutung beimesse, als ich das vor ein paar Jahren getan habe, gerade auch unter dem Eindruck des begeisternden ContiTeamCup. |
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FRAGE: Wird es vielleicht bald eine Conti-Werks-Elf nach dem Vorbild von Bayer Leverkusen geben?
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SATTELBERGER: Ganz bestimmt nicht. Man sieht ja auch immer wieder, was dieses Thema alles mit sich bringt, schauen Sie nur nach Leverkusen, was da alles diese Saison diskutiert wurde und was dem Unternehmen hinter dem Verein nicht gerade zuträglich ist. Wir werden den Fußball bei Conti weiterhin als eine lockere Sache auf freiwilliger Basis betreiben. Der Fußball soll in diesem Zusammenhang keinen Marketing-Effekt haben, sondern uns intern ein Stück helfen, unser Gemeinschaftsgefühl zu stärken und unseren Sportsgeist zu pflegen. |
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FRAGE: Nun hat Continental im vergangenen Jahr nicht nur für positive Schlagzeilen gesorgt, Stichwort Einstellung der Pkw-Reifenproduktion in Stöcken. Sorgt ein Fußballturnier, ein Festival der Freude, nicht vielleicht auch für Irritationen unter den Mitarbeitern?
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SATTELBERGER: Natürlich sind die Mitarbeiter in Stöcken besorgt. Aber der gemeinschaftliche Spirit der Conti ist ungeschlagen, das spiegelt sich immer wieder in unseren Mitarbeiterbefragungen wieder. Dass wir neben vielen Freuden und Erfolgen auch immer wieder eine schmerzhafte Restrukturierung erleben, die ihre Wellen schlägt, das ist leider Bestandteil des Lebens in einem Unternehmen. Wir haben jedes Jahr vier oder fünf solcher Restrukturierungsfälle auf der ganzen Welt. Wenn Sie davon ausgehen, dass wir an 140 Standorten tätig sind, dann ist Restrukturierung und Wettbewerbsfähigkeit im Grunde eine Daueraufgabe. Dass eine solche Maßnahme nun auch das Werk in Hannover-Stöcken mit der Pkw-Reifen-Fertigung betrifft, ist in dem Zusammenhang nicht ungewöhnlich. Wir sind ja kein deutsches, sondern ein internationales Unternehmen mit einer deutschen Hauptverwaltung und einer deutschen Geschichte. Aber das heißt nicht, dass die deutschen Werke ein Sonderrecht beim Thema Restrukturierung genießen. Was würden unsere Mitarbeiter in Kuala Lumpur oder Malaysia sagen, wenn wir dort mit einer anderen Elle messen würden als hier in Stöcken? Als internationaler Personalvorstand muss ich im Auge haben, dass über 50.000 unserer Mitarbeiter nicht deutsch sind. |
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FRAGE: Sie haben einmal gesagt, das Personalmanagement sei in den vergangenen Jahren zwar methodisch besser, aber seelisch ärmer geworden. Kann der Fußball helfen, dem Personalwesen mehr Seele einzuhauchen?
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SATTELBERGER: Natürlich ist es so, dass viele Unternehmensbereiche in den letzten Jahren sehr viel nüchterner und sachbezogener geworden sind, und dazu zählt auch die Personalfunktion. Dabei ist sicher ein Stückchen vom emotionalen Geist, vom inneren Zugehörigkeitsgefühl auf der Strecke geblieben. In der Finalrunde des ContiTeamCups spielten noch ein gutes Dutzend Mannschaften, aber vorher haben ja rund 120 Mannschaften um die Ehre gekämpft, Conti-Champion zu werden. Das waren bis zu 2000 unserer Mitarbeiter, die hunderte von Begegnungen ausgetragen haben. Die Begeisterung hat ganze Fabriken, ganze Standorte, ja ganze Länder erfasst. Die Familien der Spielerinnen und Spieler sind zu den Spielen gekommen und haben für echte Stadionatmosphäre gesorgt. Insofern ist der Fußball tatsächlich ein Beitrag zu ein bisschen mehr Seele im Unternehmen. |
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FRAGE: „Lebenslanges Lernen ist ein entscheidender Aspekt in der heutigen Arbeitswelt“ – das ist auch ein Satz von Ihnen. Was kann man vom Fußball lernen?
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SATTELBERGER: Lebenslanges Lernen wird ja oft nur mit fachlichem Lernen gleichgesetzt. Das ist aber nur halb richtig, denn neben der Erneuerung der Fachkompetenz geht auch um die Erneuerung der Methoden- und Sozialkompetenz. Was man vom Fußball lernen kann? Kooperation, die Bedeutung von Teamgeist, die eigene Rolle im Team diszipliniert wahrnehmen, die Fähigkeit, mit den eigenen Kräften wohldosiert umzugehen. Solche Kompetenzen sind eigentlich viel wichtiger als Fachwissen. |
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FRAGE: Im Fußball gibt es Fouls, Schwalben und Rudelbildung. Lässt sich Unsportlichkeit mit der Unternehmens-Philosophie von Conti vereinen?
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SATTELBERGER: Solche Dinge gibt es im Fußball wie im Wirtschaftsleben. Auch da überhitzt sich manchmal eine Situation und es kann intern bisweilen unschön werden. Und wie im Fußball der Schiedsrichter, so wirken auch wir als Unternehmen in solchen Situationen erzieherisch auf die Beteiligten ein. |
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FRAGE: Wäre es denkbar, dass man nach dem ContiTeamCup nun eine Champions League der Wirtschaftsunternehmen ins Leben ruft? Wo Conti-Meister gegen Mercedes-, Michelin- und Airbus-Meister antritt?
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SATTELBERGER: Also, da bin ich Schwabe und sage: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Dieser Gedanke führt sicher zu weit. Ich wäre allerdings glücklich, wenn wir in vier Jahren vor der nächsten Weltmeisterschaft wieder einen ContiTeamCup hier in Hannover ausspielen und die Conti-WM dann vielleicht zu einer Tradition werden lassen. |
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FRAGE: Könnte man nicht zur Europameisterschaft in zwei Jahren einen Conti-Europameister küren?
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SATTELBERGER: Ich glaube, wir sollten das Thema nicht zu komplex werden lassen. So ein Turnier ist ja mit einem enormen Aufwand verbunden, fragen Sie mal Frau Hamich. In vier Jahren wieder eine Conti-WM, das wäre ein erstrebenswertes Ziel. Davon muss ich nun meine Vorstandskollegen überzeugen. |
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FRAGE: Wird dann auch ein Vorstandsteam antreten? |
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SATTELBERGER: Wir sind im Vorstand so wenig, dass es für ein Fußballteam nicht ausreicht. Zum Glück, muss ich mit Blick auf meine fußballerischen Qualitäten sagen. Ich würde vermutlich nicht dazu beitragen, dass wir ins Endspiel kämen. Das letzte Mal habe ich, glaube ich, als junger Bub gespielt, das war auf einem Acker mit Behelfstoren. Wenn man mich heute fragen würde, wäre ich schon dabei. Aber das hätte ganz ehrlich eher einen symbolischen Wert fürs Team als einen sportlichen. |