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Die FIFA WM 1930: DFB lehnte Spiel mit Profis ab

In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bestimmte allein eine Mannschaft den internationalen Fußball. Uruguay. Die „Celeste“ drückte auch den olympischen Fußballturnieren ihren Stempel auf.

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Das Team um einen gewissen Jose Leandro Andrade, einem der ersten Stars des Weltfußballs, gewann die Olympia-Turniere von 1924 und 1928. Es war die Zeit, in der der Internationale Fußball-Verband (FIFA) am Rande Olympias die Idee einer Weltmeisterschaft aufgriff und schließlich umsetzte. Es war logisch, dass die erste FIFA WM dort stattfinden sollte, wo der Erfolg zu Hause war. Das würde für einen öffentlichen Zuspruch sorgen. Aber die Premiere der FIFA Weltmeisterschaft war kein Fest von Glanz und Gloria. Der „Schwarze Freitag“ und die Weltwirtschaftskrise 1929 rissen das Kapital in einen Strudel von Irrungen und Wirrungen.Uruguay, damals eine Art „Schweiz Südamerikas“, wirtschaftlich stabil und politisch rein, bot sich als Veranstalter an, in Europa fand sich niemand.

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Prof. Mihailo Andrejevic (rechts), Delegationsleiter Jugoslawien bei der WM 1930, präsentierte in späteren Jahren eine Nachbildung des damaligen FIFA-Weltmeister-Pokals. (Foto: Archiv)


Nur 13 Länder in Montevideo

Aber nur 13 Mannschaften waren damals dabei, allein sieben davon kamen aus Südamerika. Großbritannien gehörte nicht der FIFA an und boykottierte das Turnier. Allein Frankreich, Belgien, Rumänien und Jugoslawien reisten aus Europa an, was die Uruguayer schwer beleidigte. Sie waren immerhin zweimal in vier Jahren über den großen Teich zu Olympia nach Paris und Amsterdam gekommen. Mit überzogenen Forderungen umschifften auch etliche Fußballverbände ihre FIFA WM-Teilnahme: 60.000 Mark Antrittsgeld plus Übernahme sämtlicher Kosten wollte man haben - doppelt so viel, wie Uruguay bei Olympia 1924 und 1928 kassiert hatte.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hielt unterdessen noch an den Idealen des Amateurfußballs fest und wollte sich nicht mit Profisportlern messen. Obendrein fürchteten die deutschen Spieler bei 20 An- und 20 Rückreisetagen sowie einem 17-tägigen Fußballturnier nach gut zwei Monaten Arbeitspause um ihre Jobs. So blieb auch dem deutschen Torjäger „König“ Richard Hofmann eine Olympia-Revanche in Montevideo versagt. So war die FIFA WM von 1930 das einzige Turnier ohne Qualifikation, das erste Turnier, deren Ansetzungen vor Ort ausgelost wurden.

Während ein Zahnmediziner den „Urus“ die Olympia-Teilnahmen gesponsert hatte, schipperten Frankreich, Belgien und Rumänien auf Verbandskosten mit dem Luxus-Dampfer „Conte Verde“ los, wobei die Rumänien bis Genua mit dem Zug fuhren und erst dort zu stießen. Die Brasilianer gingen noch vor Rio de Janeiro an Bord. Jugoslawien unterdessen kam mit der „Florida“. Auf der „Conte Verde“ dominierte der Luxus. Die Kicker hatten Zweier-Kabinen. Zur Unterhaltung hatte die Reederei für insgesamt 2800 Gäste auch die beiden Opernsänger Fjodor Schaljapin und Marthe Nespoulos engagiert. Zeitzeugen sprechen von ausschweifenden Partys. „Am ersten Tag feierten wir die Abreise des Schiffes, am nächsten Tag die Fernsicht des afrikanischen Ufers, dann die Überquerung des Äquators“, schilderte Belgiens Torwart Arnold Badjou die Stimmung an Bord. „Zeit zum Training blieb wenig. In der Regel beschränkte es sich auf eine Art Frühsport von sechs bis acht Uhr am Morgen, um die Nobelgäste ja nicht zu stören“, berichtete Rumäniens Kapitän Rudolf Wetzer.

Die komplette FIFA WM fand in einer Stadt statt

Alle FIFA WM-Partien fanden in einer Stadt, in Montevideo, statt. Auch das blieb einmalig in der FIFA WM-Geschichte. Die 13 Teilnehmer spielten in nur drei Stadien. Austragungsstätten waren damals das „Estadio Centenario“ (10 Spiele), das „Estadio Pocitos“ (2 Begegnungen), der Arena von Penarol, sowie das Stadion „Parque Central“ (6 Spiele), dem Spielort von Nacional Montevideo. Die Arena des Endspiels, das Stadion „Centenario” im Zentrum von Montevideo, war mit einem Fassungsvermögen von 80 000 Zuschauern damals das erste wirklich große Stadion Südamerikas. Es wurde nach den Plänen des Architekten Juan Scasso in der Rekordzeit in sechs Monaten erbaut. Der gigantische Koloss kostete 1,5 Millionen uruguayische Goldstücke. Die vier Tribünen erhielten historische Name: Die Tribuna „Colombes“ und die Tribuna „Amsterdam“, also jene Stätten, an denen die „Himmelblauen“ aus Uruguay 1924 und 1928 olympische Siege errangen, sowie die Tribuna „Olympica“ und die Tribuna „Montevideo“. Aber die Stadien waren beim WM-Beginn noch nicht fertig. Es wurde gewerkelt, gebaut und gespielt.


Favorit und Gastgeber Uruguay bestritt nicht das Eröffnungsspiel. Frankreich trat im ersten Match gegen Mexiko (4:1) an, in der 19. Minute erzielte Lucien Laurent mit einem Volleyschuss das erste Tor der FIFAWM-Geschichte. Aber die Stars des Turniers blieben die Fußballer aus Uruguay. Sie dominierten vom Anpfiff weg und wurden ungeschlagen Weltmeister.

In vier Spielen räumten sie Peru (1:0), Rumänien (4:0), Jugoslawien (6:1) und Argentinien (4:2) zur Seite.

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Uruguay imponierte durch ein System mit zwei starken Verteidigern (Nasazzi und Mascheroni), mit drei Mittelfeldspielern, von denen der geniale Jose Leandro Andrade noch herausragte. Die „Celeste“ operierte aber vor allem mit fünf Stürmern um Pedro Cea (5 Tore), die wie ein Orkan auf die gegnerischen Abwehrreihen wirken musste. Am Ende des Turniers standen allein sechs Uruguayer in der FIFA WM-Elf von 1930, nämlich Nasazzi, Andrade, Gestido, Scarone, Cea und Castro, der nur einen Arm hatte. Der Jugoslawe Prof. Mihailo Andrejevic, damals Reiseleiter seiner Delegation und später FIFA-Vizepräsident, konstatierte später: „Uruguay spielte mit seinem Ensemble in einer anderen Liga.“

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Ein großer Zeitzeuge: Prof. Mihailo Andrejevic war Leiter der WM-Delegation Jugoslawiens 1930, später Dopingarzt der FIFA und gehörte bis 1982 der FIFA-Exekutive an. (Foto: Archiv)

Der Schiedsrichter war auch Journalist

Wenigstens der Schiedsrichter des Finalspiels war ein Europäer. Es war der Belgier John Langenus. Der baumlange Mann, der seine Spiele in Knickerbockern und Krawatte leitete, war sowohl Referee als auch Journalist für europäische Zeitungen.

Langenus, später Gouverneurs-Kabinettschef der Provinz Antwerpen, war ein Mann der Sicherheit: Schon beim Gruppenspiel der „Urus“ gegen Peru hatte es Ausschreitungen gegeben. Langenus wurde die Sache zu heiß. Er bestand auf Leibwachen für sich hinter jedem Tor. Er forderte: „Kein argentinischer Revolver im Centenario!“ Die Polizei konfiszierte angeblich 1 600 Schießeisen. Sie mussten abgegeben werden wie Garderobenstücke.

Langenus hatte aber auch noch ein anderes Problem beim Anpfiff: Sowohl die Argentinier als auch die Gastgeber brachten einen eigenen Ball mit – und nur mit dem wollten sie spielen. Langenus setzte einen Losentscheid durch und schritt endlich zum Anpfiff. Jede Mannschaft durfte eine Halbzeit mit ihrem Ball spielen. Das Spiel endete 4:2. Jules Rimet, einer der Väter der WM-Idee, verbeugte sich nach dem Spiel vor dem Gastgeber. „Nie zuvor habe ich solche Beispiele von emotionaler Leidenschaft, Enthusiasmus und Begeisterung erlebt, wie sie dieser Sieg freisetzte. Als die Fahne Uruguays am Siegesmast hochstieg, die Spieler des FIFA Weltmeisters weinend dem Fahnentuch nachschauten, schien sich das ganze Volk des FIFA Weltmeisters im Stolz auf diesen Erfolg zu verbinden.“

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Auch auf dem Original ist kaum mehr zu erkennen: Es handelt sich um eine Spielszene, offenbar um eines der sechs Tore, im WM-Finale zwischen Uruguay und Argentinien (4:2). (Foto: Archiv)


Uruguays Trainer als eine Marionette

Der Mann, dem Uruguay als Weltmeistermacher scheinbar alles zu verdanken hatte, hieß: Alberto Supicci. Uruguay war zwar 1924 und 1928 ohne einen Trainer Olympiasieger in Europa geworden. Aber für die erste FIFA WM 1930, noch dazu im eigenen Lande, wollte man nicht nur spielerisch, sondern auch körperlich topfit vorbereitet sein. Deshalb gab der Verband seinem eigentlichen „Chef“, dem strategisch überragenden Abwehrspieler und Spielführer Jose Nasazzi, noch einen gewissen Professor Alberto Supicci zur Seite, dessen Fachgebiet Körpererziehung war. Supicci war so nur offiziell der Trainer von Uruguay. Supicci, als aktiver Spieler ein Allround-Fußballer, gehörte im eigentlichen Berufsleben der Direktion eines so genannten Athletik-Stadions in der Hauptstadt Uruguays an, also einer Art Leichtathletik-Klub. Er war am Ende wohl auch nur ein Konditions- und Fitnesstrainer der großen uruguayischen Stars. Die Klasse dieser Fußballer und ihre Spielintelligenz war so überragend, das sich die Spieler praktisch selbst zu drei großen Triumphen zwischen 1924 und 1930 führten. Supicci trainierte vor und nach der FIFA WM 1930 auch nie wieder eine Fußball-Mannschaft.