DFB-Star der FIFA WM 1978: Berti Vogts
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„Terrier Berti“ und die „Die Schmach von Cordoba“ |
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Es waren die großen 1970er Jahre im deutschen Fußball. Die Generation Maier, Vogts, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Hoeneß, Netzer, Overath und Müller verzückte die Welt. 1972 Europameister in Brüssel, 1974 Weltmeister im eigenen Land. |
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1976 in einem Elfmeterschießen nur von einem gewissen Tschechen Antonin Panenka mit einem Schelmenstück vom Strafstoßpunkt um den europäischen Titel gebracht. Aber dann, zwei Jahre später, lachte sich die Fußball-Welt schadenfroh ins Fäustchen. Zielscheibe des Spotts war die Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland. Beim Stichwort Cordoba zucken heute noch manche Beteiligte zusammen. Die Helden von Brüssel und München, die Pechvögel von Belgrad mutierten bei der WM 1978 zu den Trotteln des Championats von Argentinien. Es gab Häme anstelle eines Titels, Abschied statt Triumph. Gefeierte Weltmeister wie Sepp Maier, Hans-Hubert Vogts, Rainer Bonhof und Bernd Hölzenbein erlebten am Ende ihrer Karriere die „Schmach von Cordoba“. Bundestrainer Helmut Schön nahm danach sogar seine Mütze. „I wer narrisch“ – Deutschland fliegt als Titelverteidiger raus Während Argentinien im eigenen Land erstmals Weltmeister wurde und damit - wie vier Jahre zuvor Deutschland - den Traum der Niederländer vom ersten WM-Triumph zerstörte, wurde für Deutschland und dessen Kapitän Hans-Hubert, genannt Berti, Vogts das Turnier um die Titelverteidigung zu einem unvergleichlichen Spießrutenlauf. Das Eröffnungsspiel gegen Polen (0:0) ging schon als „Fußball zum Abgewöhnen“ in die Chronik ein. Dem 6:0 gegen schwache Mexikaner folgte eine grausame Nullnummer gegen Tunesien in der ersten Finalrunde. In der zweiten Finalrunde wurde es auch nicht besser. Deutschland spielte gegen Italien nochmals 0:0 und erreichte gegen die Niederlande ein 2:2. Dann folgte der 21. Juni 1978, der zum schwarzen Tag wurde. |
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![]() Auf die Knie wie bei der WM 1978 beim 2:3 gegen Österreich ging Berti Vogts selten. Der Mönchengladbacher war im Verein und in der Nationalelf ein großer Kämpfer. (Foto: Rzepka/Augenklick) |
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Kapitän Vogts brauchte mit seinem Team nun einen Sieg, um auf den Einzug ins Finale zu hoffen. Der Partie kam gewissermaßen der Charakter eines Halbfinales zu, das es mit der Finalrunde allerdings nicht gab. Österreich ging nach einem 1:5 gegen die Niederlande und einem 0:1 gegen Italien ohne Illusionen ins Spiel. 58 Minuten waren die Deutschen ihrem Ziel nahe. Ein Tor von Karl-Heinz Rummenigge (19.) ließ sie auf die Titelverteidigung hoffen. Dann unterlief ausgerechnet „Terrier“ Vogts ein Eigentor (59.). Deutschland wackelte. Hans Krankl legte zum 2:1 (66.) nach. Hölzenbein (68.) antwortete sofort mit dem 2:2. Zwei Minuten vor dem Abpfiff des israelischen Schiedsrichters Klein passierte dann das, was die Zuschauer im ORF, dem Fernsehsender Österreichs, so erlebten: „Da kommt Krankl in den Strafraum – Schuss ... Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer' narrisch! Krankl schießt ein – 3:2 für Österreich! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals; der Kollege Rippel, der Diplom-Ingenieur Posch – wir busseln uns ab. 3:2 für Österreich durch ein großartiges Tor unseres Krankl. Er hat olles überspielt… Und jetzt ist auuus! Ende! Schluss! Vorbei! Aus! Deutschland geschlagen!“ Ein 2:2 hätte Deutschland damals auch nicht ins Finale gebracht. Ein 2:3 reichte nicht einmal fürs Spiel um Platz 3. Null Chance für die Abwehr um Maier, um Kaltz, Vogts, Rüssmann und Dietz. Aber Krankl hatte mit diesem Treffer den großen Helmut Schön rasiert, und Österreich über Deutschland Hohn und Spott verschüttet. Nach 47 Jahren und 12 Länderspielen gelang dem „kleinen Bruder“ endlich wieder ein Sieg über Deutschland. |
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![]() Historisches Dokument: 96 Länderspiele bestritt Berti Vogts. Dem Verteidiger (rechts im weißen Trikot) gelang dabei ein Tor, beim 8:0 gegen Malta in Essen im Februar 1976. (Foto: Baumann/Augenklick) |
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Ballack verhinderte zweites Cordoba Dieses historisches Spiel machte die Österreicher noch jahrelang hysterisch: Das Wunder (Respektive: die Pleite) von Cordoba. 5000 Fans bejubelten damals die Heimkehrer auf dem Flughafen Wien als Helden. Noch zur UEFA EURO 2008™, 30 Jahre später, motivierte Krankls Mitspieler „Pepi“ Hickersberger - nun als Trainer der „Austria“ - vorm dritten Gruppenspiel im eigenen Land sein Team mit dem „Filmchen“ und dem Ton von Ingenieur Finger. Ein Tor von Michael Ballack verhinderte in Wien ein zweites Cordoba. Noch heute findet man im Internet eine Website mit Wiener Schmäh zu Cordoba und Bildern von Vogts am Boden kniend, die ihn als „Waschlappen“ bezeichnen. Aber man wird der Karriere des Spielers und Trainers Vogts damit wirklich nicht gerecht. Vogts, am 30. Dezember 1946 in Büttgen geboren und in Neuss groß geworden, wurde früh Vollwaise und wuchs bei einer Tante auf. Schon früh lernte er Hennes Weisweiler kennen, den großen Trainer, der ihn als Jugendlicher unter seine Fittiche nahm. Weisweiler nahm den 19jährigen mit zur WM 1966, um dort Spiele zu beobachten. Das stachelte Vogts ohnehin großen Ehrgeiz an, noch weiter nach oben zu kommen. Für Borussia Mönchengladbach bestritt er 419 Bundesligaspiele, erzielte 32 Tore. Vogts absolvierte zwischen 1967 und 1978 96 Länderspiele (1 Tor). Vogts ist als Spieler Weltmeister und Europameister (ohne Finaleinsatz). Er arbeitete nach dem Ende seiner Profikarriere von 1979 bis 1998 beim DFB. Als Bundestrainer betreute er Deutschland 102mal. Er blickt auf 67 Siege zurück und verlor nur 12mal. Vogts war Chefplaner von Weltmeistertrainer Franz Beckenbauer 1990 und übernahm Deutschland nach der Wende. Europameister als Spieler und als Trainer |
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Vogts größter Trainer-Triumph ist der EM-Titel 1996 in England, 22 Jahre nach dem EM-Sieg als Spieler, und die Vize-Europameisterschaft 1992 mit der ersten gemeinsamen deutschen Mannschaft nach der Wiedervereinigung. Seine Tiefpunkte sind verknüpft mit den WM-Viertelfinal-Pleiten in den USA von 1994 und Frankreich 1998. Nach seinem nicht gelungenen Bundesliga-Einstand in Leverkusen flüchtete der Fußballkenner und Vater eines Sohnes ins Ausland. Aber weder in Kuwait, Schottland, Nigeria oder in Aserbaidschan ist der einstige „Terrier“ richtig glücklich geworden. Allerdings war nichts davon so schlimm wie die „Schmach von Cordoba“. |
![]() 1994 war Berti Vogts erstmals als Bundestrainer bei einer WM. Mit Jürgen Klinsmann (links) beobachtet er ein Training, dahinter Bodo Illgner (links) und Jürgen Kohler (rechts). (Foto: GES/Augenklick) |
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