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DFB-Star der FIFA WM 1982: Harald Schumacher

Wie „Toni“ zum  „Monster von Sevilla“ wurde

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Am 6. März 1954 erblickte in Düren ein gewisser Harald Anton Schumacher das Licht der Welt. Schumacher wurde frühzeitig Fußballer. Der kleine Harald meldete sich als Torwart bei Schwarz-Weiß Düren an.

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1972 schnappte sich der 1. FC Köln diese rheinische Frohnatur. In Anlehnung an seinen zweiten Vornamen und in Erinnerung an den legendären Toni Schumacher, der 1964 mit dem „FC“ Deutscher Meister wurde, mutierte Harald schnell zum Toni. Der Jugend-Nationaltorwart wurde Stammkeeper und Meister mit Köln. 1979 folgte er in der Nationalmannschaft auf Sepp Maier. Für viele Kritiker ist er bis heute der weltbeste Torwart der achtziger Jahre. Statistiker zählten 72 Länderspiele für ihn. 422mal war er für Köln zwischen den Pfosten, 33mal spielte er für Schalke, 89mal für Fenerbahce Istanbul, acht Mal für Bayern München und einmal für Borussia Dortmund. Als Coach bzw. Torwarttrainer arbeitete er für Fortuna Köln bzw. Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Inzwischen ist Toni Geschäftsführer der Sportmarketingagentur „Sports First“.

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Toni Schumacher war bis 1996 Fußball-Profi, dann Torwart- (Dortmund und Leverkusen) und Cheftrainer (Fortuna Köln). Inzwischen betreibt er in Köln die Agentur Sports first. (Foto: Firo/Augenklick)


FIFA WM-Pokal zweimal verspielt

Schumachers Anspruch als Fußballer war immer, die Nummer 1 zu sein. Die Niederlage war für ihn ein Waisenkind. Toni über Toni: „Ich war mit größter Leidenschaft Fußballer.“ Einer wie Schumacher hat immer vom Weltpokal geträumt, FIFA Weltmeister zu werden, das war sein höchstes Ziel. Vergeblich. Den ersten Matchball um diese Trophäe vergab er mit dem DFB-Team 1982 in Spanien gegen Italien (1:3), den zweiten Matchball vermasselte er sich und den Mitspielern vier Jahre später gegen Argentinien (3:2) in Mexiko. In beiden Finals kassierte Schumacher zusammen sechs Treffer und Deutschland rannte in den Endspielen einmal einem 3:0, das andere Mal einem 2:0 hinterher. Nach dem zweiten Finale, bei dem er wirklich weit unter Bestform spielte, sagte er: „Ich habe gehalten wie ein Arsch.“

Das Magazin „Stern“ fragte Schumacher einmal: Träumen Sie noch vom Weltmeisterpokal? Schumacher: „Das war mein großes Ziel, und ich habe alles versucht, um es zu erreichen. Aber man darf den Chancen nicht nachtrauern. Ich hatte zweimal die Gelegenheit. Damals waren die beiden zweiten Plätze für mich nicht viel wert. Aber wer kann schon von sich behaupten, zweimal im Endspiel gestanden zu haben?“ Für Schumacher ging nur einmal der Traum vom großen Triumph in Erfüllung. 1980 gehörte er zu jener deutschen Nationalmannschaft, die in Italien zum zweiten Mal nach 1972 Europameister geworden war. Es sind freilich nicht nur Heldentaten, die sich mit dem Torwart Harald Schumacher verknüpfen.

Beispiel: 8. Juli 1982. 58. Minute im FIFA WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich. Es ist der Tag, der nahezu eine Staatskrise auslöst, es ist der Tag, der ihn zur „Bestie“, zum „Monster von Sevilla“ machte, zumindest in Frankreich aber auch bei vielen Fußballfreunden in Deutschland. In seinem Buch „Anpfiff“ schildert er einen schlimmen Zusammenstoß mit Franzosen Patrick Battiston und sich weit vor dem deutschen Strafraum so: „Ein Torwart ist ja kein Flugzeug, mit angezogenen Knien flog ich auf Battiston zu. Wenn ich ihn frontal getroffen hätte, wäre es für ihn noch schlimmer gekommen. Im letzten Moment konnte ich mich noch drehen und traf ihn dann mit Po oder Hüfte am Kopf.“

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Mit Toni Schumacher stand ein Heißsporn im Tor der deutschen Mannschaft. Bei der WM 1982 brannten ihm im Halbfinale gegen Frankreich die Sicherungen durch. (Foto: Perenyi/Augenklick)


Jacketkronen für Battiston

Schumacher sah damals von Referee Corver aus Holland nicht einmal keine Gelbe Karte für diese Aktion. Schumacher trottete in den Kasten zurück. „Ich stand im Tor, spielte verlegen mit dem Ball. Das war Feigheit. Vielleicht war ich da zum ersten Mal in meinem Leben wirklich feige“, schrieb er und sagte später zu dieser Szene: „Da waren viele französische Spieler, meine Befürchtung war, die Situation würde eskalieren, heute würde ich mich anders verhalten.“ Während Battiston drei Minuten später regungslos aus dem Stadion getragen wurde, wird Schumacher sportlich zum Helden des Spiels. Er gewinnt mit Deutschland nach einem 1:3 Rückstand und einem Elfmeterschießen 8:7, er hält die Bälle von Six und Bossis und bringt die DFB-Elf so ins FIFA Finale von Madrid.

Nach diesem Thriller folgte der eigentliche Fehler Schumachers. Noch auf dem Rasen sprach ihn ein Journalist auf Battiston an, berichtete, der Franzose habe zwei Zähne verloren. Daraufhin sagte Schumacher: „Wenn es nur das ist, bin ich gerne bereit, ihm Jacketkronen zu zahlen.“ Später relativierte er, das sei damals ja gar nicht böse gemeint gewesen. „Ich war einfach nur erleichtert, dass nicht mehr passiert war.“

„Toni Schumacher, Beruf Unmensch. Er ist ein kleiner armseliger Wicht, ein Schwächling, der es nötig hat, andere zu verletzen“, keifte die Sportzeitung „L’Equipe“. Es kam noch schlimmer. Während bei Battiston ein Wirbelbruch und eine Gehirnerschütterung diagnostiziert wurden und er schwer verletzt im Hospital lag, düste Schumacher mit der deutschen Elf zum Finale. Weder vom DFB noch von Toni gab es ein Wort der Entschuldigung. Erst Schumachers Mutter machte ihm in einem Telefonat klar, was er ausgelöst hatte.

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Toni Schumacher (vorne) war eine der wichtigsten Spieler von Franz Beckenbauer (im grünen Trikot), dem Teamchef der deutschen Mannschaft, bei der WM 1986. (Foto: Perenyi/Augenklick)


Der Anpfiff wird zum Abpfiff

Viele Monate später entschuldigte sich Schumacher doch noch. 100 Journalisten und 20 Fernsehteams sahen in Metz den Händedruck mit Battiston. Als Schumacher zwei Jahre nach dem Vorfall in Sevilla mit Deutschland zu einem Länderspiel nach Straßburg reiste, begleiteten ihn Hetzparolen bis ins Stadion, hinter dem Tor des deutschen Keepers baumelte sogar eine Schumacher-Puppe am Galgen. Toni antwortete mit einer tadelsfreien Leistung. Im Spiel gab ihm Battiston sogar einen Klaps. Frankreich gewann 1:0. Toni verhinderte eine Packung. Der Zorn verebbte. Schumacher, der manchmal vom Ehrgeiz zerfressen schien, hatte mit einer typisch rheinischen Art den Konflikt gemeistert. Jovial und verständnisvoll hatte er schließlich reagiert, seinen Fehler eingeräumt, er schien echt betroffen zu sein. Toni war als Sportler eine ehrliche Haut – wenig später kostete ihm diese Eigenschaft fast die Karriere.

1987 veröffentlicht Schumacher sein Buch „Anpfiff“. Er spricht auch von Doping. Sofort gilt er als Nestbeschmutzer, er muss Köln verlassen, aber für den Deutsche Fußball-Bund (DFB) gibt die anschließende Diskussion den Impuls, 1988 Dopingtests einzuführen. Aber das Buch Anpfiff wird zum Abpfiff seiner Karriere als Nationalspieler. Seine Kritik, seine Offenheit hatte zu viele getroffen. Typisch Schumacher: Er sagt, im Prinzip würde er das Buch noch einmal so schreiben.