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Star der FIFA WM 1970: Pele

Fußball buchstabiert man eigentlich so: P E L E. Denn kein anderer Spieler der Welt hat das Spiel jemals so perfekt interpretiert wie dieser Edson Arantes do Nacimento di Pele, weltweit bekannt als Pele.

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P wie Perfektion. E wie Erfolg. L wie Leistung. E wie Eleganz.

Pele hat der Rückennummer 10 eine neue Bedeutung gegeben. Der dunkelhäutige Superstar mit den großen Augen, dem freundlichen Lächeln, der tiefen Stimme, der imposanten Aura, der geschmeidigen Körperbeherrschung und der Leichtigkeit eines Ballartisten hat mit seiner Fußballkunst Milliarden von Menschen fasziniert und sich in ihre Herzen gedribbelt und geschossen.

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Der Brasilianer Pele wird nach wie vor als bester Fußballer aller Zeiten eingestuft. Der Stürmer beherrschte alle Techniken perfekt und erzielte spektakuläre Tore. Foto: KUNZ/Augenklick


Pele, der Junge aus Santos, war, ist und blieb ein Volkheld, nicht nur in seiner Heimat Brasilien. Manche nannten ihn "Fußballgott", was wegen seiner unglaublichen Leistungen berechtigt sein könnte. Doch zugleich war und ist Pele durch und durch irdisch. Kaum ein anderer Superstar des Fußballs ist so volksverbunden wie der Brasilianer.

Die Bühne für Pele waren vor allem die großen FIFA WM-Turniere. 1958 ging er als Lehrling nach Schweden und kehrte gleich als Weltmeister nach Hause zurück. Beim Finalsieg gegen Schweden (5:2) war Pele gerade erst 17 Jahre und 249 Tage alt. Insgesamt erzielte der Jugendliche sechs Treffer in vier FIFA WM-Spielen.

1962 holte Pele, inzwischen zum größten Star Brasiliens gereift, in Chile seinen zweiten Titel. Allerdings fehlte er im Endspiel gegen die CSSR (2:1) wegen einer Verletzung. 1966 folgte die Enttäuschung: In England zerplatzten die brasilianischen Hoffnungen, zum dritten Mal hintereinander den FIFA WM-Titel zu gewinnen.

1970 feierte Pele bei seiner vierten FIFA WM in Mexiko eine Wiederauferstehung und seinen dritten FIFA WM-Titel. Er krönte am 21. Juni das Endspiel gegen Italien mit seinem Tor zum 4:1. In sechs Spielen markierte er vier Treffer. Sie waren der Grundstein dieses dritten FIFA WM-Erfolges für die Südamerikaner.

Ein Jahr später, am 18. Juli 1971, trat Pele vor 180.000 Fans im Maracana-Stadion mit seinem 92. und letzten Länderspiel aus der "Seleçao" zurück. Ein Comeback zur FIFA WM 1974 in Deutschland lehnte er ab.

Vier FIFA WM-Teilnahmen und drei Goldmedaillen - das schaffte kein anderer. In seinem Buch "Mein Leben" schilderte der Brasilianer später viele Glücksmomente seiner Karriere. Besonders emotional erinnerte er an den Triumph von Mexiko mit dem 4:1 gegen Italien. "Ich betete in einer Ecke unserer Kabine und dankte Gott für alles, was er mir in meinem bisherigen Leben geschenkt hatte." Mit 29 Jahren war Pele am Zenit seines außergewöhnlichen Könnens angelangt. Und er half entscheidend mit, dass mit Brasilien erstmals eine Nationalmannschaft den "Coupe Jules Rimet" dreimal gewann und den ersten FIFA WM-Pokal im Original für immer behalten durfte.

Dass einige Landsleute später die WM-Trophäe, die "Goldene Göttin", aus dem Safe des Fußball-Verbandes in Rio stahlen, und den Pokal einschmolzen, war für Pele wie eine Majestätsbeleidigung. Übrigens war Pele beim Gewinn der drei FIFA WM-Titel nie der Kapitän seiner Mannschaft. Aber die Lichtgestalt benötigte keine Spielführer-Binde, um in seinem Team der Chef zu sein.

Pele wurde nicht nur zu einem sportlichen Phänomen, sondern auch zur Symbolfigur der Armen, die mit der Hoffnung leben, irgendwann vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen zu können. Diese Zuneigung der Fans macht Pele zu einem Star der besonderen Art. Obwohl er weltweit bekannt ist, hat Pele seine Popularität nie ausgenutzt. Gegenüber einfachen Leuten verhält er sich ebenso freundlich wie gegenüber Staatsmännern.

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Nach dem WM-Finale 2002 spricht Pele dem deutschen Nationaltorhüter Oliver Kahn aufmunternde Worte ins Ohr. Links FIFA-Präsident Joseph S. Blatter, rechts Thomas Linke. Foto: KUNZ/Augenklick


Geboren wurde Pele am 23. Oktober 1940. Er wuchs in Três Coraçoes, einem kleinen Ort zwischen São Paulo und Rio de Janeiro, auf. Schon sein Vater João Ramos do Nascimento war unter dem Künstlernamen Giovanni Dondinho Berufsfußballer. Pele, der als Junge Schuhmacher lernte, gründete schon mit zehn Jahren einen eigenen privaten Fußballklub, den er nach seiner Wohnstraße Setimo de Sétembro (7. September) nannte.

1955 kam er zum FC Santos. Die Regierung verbot ihm lange, ins Ausland zu wechseln. Erst 1975 ging Pele in die USA und spielte zwei Jahre für Cosmos New York. Ein ganz besonderes Erlebnis in seiner Karriere war der 19. November 1969. An diesem Tag erzielte er mit einem verwandelten Elfmeter gegen Vasco da Gama sein 1.000 Tor, was in ganz Brasilien gefeiert wurde. Auch dies machte dem Idol der Fußball-Welt keiner nach.

Am 1. Oktober 1977 nahm Pele mit dem Spiel Cosmos gegen Santos vor 75.000 Zuschauern im Giants-Stadium seinen zweiten, endgültigen Abschied vom Fußball. Statistiker ermittelten, dass Pele über 1300 Spiele absolvierte und ebenso viele Tore erzielte.

Edson Arantes do Nacimento schaffte auch den Übergang zum erfolgreichen Geschäftsmann, zudem wurde er Sportminister seines Landes und UNESCO-Botschafter. 1999 wurde er auch zum "Weltfußballer des Jahrhunderts" gewählt, und 2004 erhielt er zusammen mit Franz Beckenbauer in Zürich den Jahrhundert-Verdienstorden der FIFA. Die FIFA WM 1970 betrachtet der beste Fußballer aller Zeiten als sein bestes Turnier. Dabei weiß jeder, dass Peles großartige Verdienste nicht nur auf eine FIFA WM zu reduzieren sind.