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Die Weltmeister:
England beherrschte nur einmal die Fußball-Welt

"Oh Britannia, Britannia rules the world" (Britannien beherrscht die Welt) ist einer der beliebtesten Schlachtgesänge englischer Fußballfans.

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Doch nur einmal hatten die "Supporters" auch wirklich allen Grund dazu, diesen Vers anzustimmen: 1966, bei der achten FIFA Fussball-WeltmeisterschaftTM im eigenen Land. Als Kapitän Bobby Moore am 30. Juli 1966 im Londoner Wembley-Stadion aus der Hand von Königin Elizabeth II. den FIFA WM-Pokal, den Coupe Jules Rimet, entgegennahm, kannte der Jubel im Mutterland des Fußballsports keine Grenzen mehr.

Zu diesem Zeitpunkt bestand der englische Fußball-Verband, "The Football Association" (The FA), bereits seit 103 Jahren. 1905 trat die 1863 in London gegründete FA dem Welt-Fußballverband FIFA bei. Und seit diesem Zeitpunkt legte der englische Fußball in internationalen Vergleichen vor allem drei Dinge an den Tag: 1. großes Selbstbewusstsein, 2. zuweilen eine ebenso große Selbstüberschätzung, 3. die Fähigkeit, an guten Tagen jeden Gegner zu schlagen.

Die guten Tage waren in der englischen FIFA WM-Geschichte allerdings rar gesät. Erst 1950, 78 Jahre nach dem ersten offiziellen Länderspiel, stieg England ins FIFA WM-Geschehen ein. Schon zuvor waren die Briten recht eigenwillig. Mal traten sie aus der FIFA aus, mal kehrten sie zurück. Bei ihrem ersten FIFA WM-Start in Brasilien schieden die "Lions" (Löwen) ebenso in der Vorrunde aus wie 1958 in Schweden. 1954 verlor England gegen Uruguay im Viertelfinale, 1962 unterlag das Team ebenfalls im Viertelfinale dem späteren Weltmeister Brasilien.

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Der große Wurf gelang 1966 vor eigenem Publikum im London der "Swinging Sixties". Die Menschen waren in diesen Tagen gut gelaunt, die englische Mannschaft spielte unter der Ägide ihres strengen Coaches Sir Alf Ramsey sechsmal hintereinander hervorragend. Die Löwen blieben in diesem Turnier ungeschlagen, vor allem dank ihrer legendären Achse: vor Torhüter Gordon Banks und dem kompromisslosen Ausputzer Jack Charlton führten dessen Bruder Robert "Bobby" Charlton von Manchester United glänzend Regie.

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Jack Charlton im Zweikampf mit Willi Schulz. England gewann seinen bisher einzigen WM-Titel am 30. Juli 1966 im Finale im Londoner Wembley-Stadion gegen Deutschland (4:2). Foto: Kunz/Augenklick

Selbst den Leistungseinbruch ihres vermeintlichen Angriffsstars Jimmy Greaves von Tottenham Hotspur steckten die Gastgeber locker weg. Trainer Ramsey zauberte nämlich einen Joker aus dem Ärmel, mit dem niemand gerechnet hatte: Geoffrey "Geoff" Hurst. Der Mann von West Ham United entschied eines der aufregendsten Finalspiele aller Zeiten mit drei Toren gleichsam im Alleingang.

Dass das entscheidende zum 3:2 in der Verlängerung über Deutschland, das legendäre "Wembley-Tor", (vermutlich) gar kein Treffer war, ließ die euphorischen Fans unberührt. Hurst sowieso, er wurde 1998 von der Queen zum Ritter geschlagen. Der russische Linienrichter Tofik Bachramow war wohl der einzige Mensch im Stadion, der den Schuss von Hurst an die Lattenunterkante beim Aufprall hinter der Linie gesehen hatte. Schiedsrichter Gottfried Dienst aus der Schweiz verließ sich auf seinen Mann an der Linie und entschied auf Tor.

Es war der Triumph einer extrem gut funktionierenden Mannschaft, die, unterstützt von den heißblütigen Fans, vermutlich auch ohne das dubiose Tor nicht aufzuhalten gewesen wäre. Der blutjunge Franz Beckenbauer machte zwar als Sonderbewacher des großartigen Regisseurs Bobby Charlton im Endspiel eine gute Figur, doch dafür sprangen andere in die Bresche: der mit seinen Zahnlücken furchterregend aussehende Mittelfeld-Terrier Nobby Stiles, der wieselflinke Alan Ball und der coole Stratege Martin Peters.

Damit hatte England allerdings sein FIFA WM-Pulver verschossen. Vier Jahre später revanchierte sich die deutsche Mannschaft in Mexiko mit einem 3:2-Erfolg im Viertelfinale, 1974 und 1978 verpassten die "Lions" die Endrunde. 1982 scheiterte man in der Zwischenrunde ebenso an Deutschland wie 1990 im Halbfinale nach Elfmeterschießen. 1986 und 1998 war jeweils Argentinien im Viertel- bzw. Achtelfinale Endstation.

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Vor vier Jahren in Japan und Südkorea besiegelte ein schwerer Patzer von Torhüter David Seaman die 1:2-Niederlage gegen Brasilien, wiederum in der Runde der letzten Acht.

Für 2006 stellt das Fußball-Mutterland bereits wieder unerschütterlichen Optimismus zur Schau. Ohne Zweifel hat der schwedische Trainerfuchs Sven-Göran Eriksson talentierte Spieler zur Verfügung, wie es sie in dieser Ballung im englischen Fußball selten zuvor gegeben hat: Rio Ferdinand, Michael Owen, Paul Scholes, David Beckham und Jungstar Wayne Rooney lassen die Fans bereits von dem Tag träumen, an dem Britanniens Fußball wieder an der Spitze der Welt steht.

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Der Schwede Sven-Göran Eriksson führte die englische Nationalmannschaft bei der WM 2002 und der EM 2004 zu Achtungserfolgen, doch für den Titel wie 1966 reichte es nicht. Foto: GES/Augenklick