Bereich wechseln

ContiSoccerWorld

das fussball-portal der continental ag

 Land wechseln
 Land wechseln
Language
Language
Search



April 2009: „10 Millionen Tankfüllungen im Jahr einsparen“

Welche Rolle spielen Reifen beim Schutz der Umwelt? Christian Kötz, Leiter Forschung & Entwicklung Division Pkw- und Leicht-Lkw-Reifen bei Continental, spricht über die großen Potenziale in der Reifenentwicklung.

ContiSoccerWorld, Conti, Continental, Reifen, Fußball, FIFA WM 2010, Confederations Cup 2005, Hildebrand, Casillas, UEFA EURO 2008, Koerbel, Deutschland, Sponsoring, German Engineering, Conti-Stars, WM-Tickets gewinnen, Tickets, FIFA-Partner

Herr Kötz, die Wirtschaftskrise hat das Thema Umweltschutz ein Stück weit aus den Schlagzeilen verdrängt, über die Abwrackprämie wird 2009 mehr diskutiert als über CO2-Emissionen. Dabei wird in der Automobilindustrie, vor allem auch bei Zulieferer-Unternehmen wie Continental, weiterhin viel für einen nachhaltigen Schutz der Ressourcen getan. Welchen Beitrag können Reifen leisten?

Einen großen. Gerade die Minderung von CO2-Emissionen ist für uns als Reifenhersteller natürlich weiterhin sehr, sehr wichtig. 

ContiSoccerWorld, Conti, Continental, Reifen, Fußball, FIFA WM 2010, Confederations Cup 2005, Hildebrand, Casillas, UEFA EURO 2008, Koerbel, Deutschland, Sponsoring, German Engineering, Conti-Stars, WM-Tickets gewinnen, Tickets, FIFA-Partner
Christian Kötz, Leiter Forschung & Entwicklung Division Pkw- und Leicht-Lkw-Reifen

Reifen sind für rund 20 Prozent des Treibstoffverbrauchs eines Fahrzeugs verantwortlich. Dabei ist der Rollwiderstand eine entscheidende Größe. Je geringer dieser Wert ist, desto weniger Treibstoff wird verbraucht, und desto weniger Emissionen entstehen. Wenn es uns zum Beispiel gelingt, den Rollwiderstand der Reifen um zehn Prozent zu verbessern, würde das den Ausstoß an CO2 um durchschnittlich zwei Gramm pro Kilometer und Fahrzeug verringern.

Das klingt erst einmal nach nicht sehr viel…?

Das ist es aber. In Deutschland sind im Individualverkehr rund 48,8 Millionen Pkw unterwegs, und die verbrauchen im Jahr etwa 47 Milliarden Liter Treibstoff, ich beziehe mich dabei auf Zahlen aus dem Jahr 2007. Allein mit Reifen, die einen um zehn Prozent verbesserten Rollwiderstand aufweisen, könnten so 750 Millionen Liter Treibstoff eingespart werden, das wären weit über zehn Millionen Tankfüllungen. Das entspräche etwa 1,8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in Deutschland. Das ist eine ganze Menge.

Da fragt man sich natürlich: Warum macht man das nicht sofort?

Wir machen es ja, nur eben Schritt für Schritt. Die Reduzierung des Rollwiderstands ist eine kniffelige Sache. Der Reifen ist ein Produkt, das sich durch viele verschiedene Performance-Eigenschaften definiert, nicht nur den Rollwiderstand. Viele dieser Eigenschaften stehen in direkten Zielkonflikt, so auch Rollwiderstand und Nassbremsen, bzw. Nassgriff. Für einen guten, das heißt möglichst geringen Rollwiderstand braucht man vor allem eine Gummimischung, die eine möglichst niedrige Materialhysterese aufweist. Für einen guten Nassgriff hingegen, also für eine der wesentlichen Sicherheitseigenschaften des Reifens, braucht man eine Mischung mit niedriger Materialhysterese, die also in der Lage ist, viel Energie in Wärme umzuwandeln. Das ist der Konflikt, der sich im Kern nie ganz lösen lassen wird. Dank neuester Technologien gelingt es uns aber, das Problem immer wieder auf einem höheren Niveau anzugehen und beide Eigenschaften, Rollwiderstand und Nässeverhalten, stetig zu verbessern.

Von welchen neuen Technologien sprechen Sie?

In den vergangenen zwanzig Jahren ist es uns bereits gelungen, Technologien zu entwickeln, die den Rollwiderstand bei gleichem Nassgriff-Niveau um ein Drittel reduzieren können. Zu verdanken haben wir das im Wesentlichen der Entwicklung von Silica für die Laufstreifenmischung Anfang der neunziger Jahre. Heute können wir durch den Einsatz von neuen Silanen und speziellen Polymeren Gummimischungen entwickeln, die sowohl einen guten Rollwiderstand aufweisen, als auch gute Leistungen beim Nassbremsen zeigen. Dazu wird das Gewicht der Reifen immer weiter reduziert, Leichtgewichtkonstruktion ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Als Daumenwert gilt: 100 Gramm Gewichtunterschied bei gleichen Mischungen bedeutet einen Unterschied von etwa einem Prozent im Rollwiderstand. Je leichter ich also einen Reifen baue, desto besser wird der Rollwiderstand.

Den Zielkonflikt löst das aber nicht?

Nein. Es ist so: Auf jedem Technologieniveau muss man sich erneut fragen, in welche Richtung man das Produkt ausprägt. Möchte man eher einen optimalen Leichtlaufreifen mit sehr akzeptablen sicherheitsrelevanten Eigenschaften, oder möchte man einen Reifen mit hervorragendem Bremsverhalten und akzeptablen Rollwiderstandseigenschaften? Da gibt es unterschiedliche Philosophien der Fahrzeughersteller und auch unterschiedliche Präferenzen der Endverbraucher. Grundsätzlich muss man aber natürlich sagen: Jeder gute Reifen muss so ausgelegt sein, dass es keine Einbußen in Sachen Sicherheit gibt. Eine einseitige Reifenauslegung in Richtung niedrigem Rollwiderstand ist technisch nicht anspruchsvoll, kann aber bei Vernachlässigung der sicherheitsrelevanten Eigenschaften wie zum Beispiel Nassgriff geradezu gefährlich sein, was man derzeit deutlich im Rahmen der Reifenteste vom ADAC oder ACE nachvollzeihen kann. Jeder Reifen muss ein gutes Grundniveau an Grip-Eigenschaften zur Verfügung stellen.

Beschreiben Sie bitte mal solche unterschiedliche Philosophien der Fahrzeughersteller.

Es ist wichtig, dass jedes Fahrzeug den optimalen Reifen fährt. Nehmen wir das Beispiel Golf: Es gibt Modellversionen, die extrem konsequent auf einen geringen Treibstoffverbrauch optimiert sind, sei es durch Fahrwerkseinstellungen, Motoreinstellungen oder eben in der Reifenwahl. Ein Leichtlaufreifen mit guten Nassgriff-Eigenschaften leistet hier einen wertvollen Beitrag zum Gesamtpaket. Sportvarianten wiederum sind auf ganz andere Bedürfnisse hin ausgerichtet, da geht es vor allem darum, einen extremen Fahrspaß zu bieten bei sehr hohen Fahrleistungen. Hier ist ein Höchstmaß an Grip gefragt, um diese enorme Kraft umzusetzen. Da wäre ein Superleichtlaufreifen nicht das optimale Produkt.

Es gibt heute noch keine gesetzliche Regelung, welchen Reifen man eigentlich als besonders umweltbewussten Leichtlaufreifen bezeichnen darf. Müsste der Gesetzgeber nicht reagieren?

Das ist richtig, bis dato gibt es kein gesetzliches Limit. Aber der Gesetzgeber reagiert, ab 2012 wird es ein Limit geben. Bei Sommerreifen gilt dann: Alle Reifen unterhalb von einem so genannten Rollwiderstandsbeiwert von 1,2 gelten als Leichtlaufreifen. Für mich haben echte Leichtlaufreifen heute höchstens einen Wert von 1,0. Ab 2016 soll das Limit auf 1,05 reduziert werden. Ab dann werden die Grenzwerte sehr ambitioniert und sorgen dafür, dass alle neuen Reifen auf einem sehr akzeptablen und guten Rollwiderstandsniveau sein werden.

Zum Vergleich: Was hat heute ein normaler guter Sommerreifen für einen Beiwert?

Die besten Reifen auf dem Markt, die nicht einseitig auf den Rollwiderstand hin ausgelegt sind, sondern ein rundum gutes Anforderungsprofil aufweisen, haben einen Beiwert von unter 0,9. Das wären zum Beispiel die Reifen aus der EcoContact-Linie von Continental. Diese Linie ist schon vor rund zwölf Jahren in den Markt gebracht worden mit einem damals sensationellen Beiwert von unter 1,0. Unser aktuelles Produkt ist der EcoContact 3, und wir sind bereits dabei, einen Nachfolger zu entwickeln.

Welche Bedeutung hat der erwähnte Rollwiderstandsbeiwert nun für die Umwelt?

Der Beiwert ist ein wesentliches Kriterium für die Umwelteigenschaften eines Reifens. Nur zum Vergleich: Ein Reifen mit einem Wert von 0,9, also ein Leichtlaufreifen, verbraucht bereits 3,5 Prozent weniger Treibstoff als ein Reifen mit einem Wert von 1,1. Heute sind etwa 50 bis 60 Prozent der Fahrzeuge mit Reifen ausgerüstet, die unter einem Wert von 1,0 liegen. Und das sind nicht nur Klein- oder Mittelklassewagen, das geht über alle Fahrzeugsegmente. Fuel efficiency, also geringer Treibstoffverbrauch, ist auf jeden Fall das Thema der Zukunft. Und Reifen werden dabei eine wesentliche Rolle spielen. Wichtig dabei ist, dass die sicherheitsrelevanten Reifeneigenschaften in keinem Falle durch den Umwelt-Trend negativ beeinflusst werden dürfen. Unser vordringlichstes Ziel in der Reifenentwicklung ist und bleibt, die Verkehrssicherheit zu erhöhen.