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UEFA EM-Historie Teil 4: Als Rekord- UEFA Europameister Deutschland nicht mitspielen wollte

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sträubte sich lange gegen die Europameisterschaften, die sich unter der Regie der UEFA zu einem Erfolg entwickelten. Bei den ersten Durchführungen des neuen kontinentalen Wettbewerbs für Nationalmannschaften 1960 und 1964 war der FIFA Weltmeister von 1954 in der Zuschauerrolle geblieben. 1964 war die Bundesrepublik Deutschland sogar das letzte der großen Fußball-Länder, das dem neuen, großen Europa-Wettstreit der Nationalmannschaften die kalte Schulter zeigte. Der Grund für die Zurückhaltung lag in der Person von Bundestrainer Sepp Herberger.



Sepp Herberger (rechts, mit Bundeskanzler Ludwig Erhard) war zunächst gegen eine Teilnahme der Deutschen an der UEFA Europameisterschaft. (Foto: Baumann/Augenklick)


Der Weltmeister-Coach von 1954 war der festen Überzeugung, dass die Spieler mit einem zusätzlichen Wettbewerb neben den FIFA Weltmeisterschaften überbelastet werden könnten. Im Rückblick auf die heutigen Zeiten mit fast doppelt so vielen Spielen für die Profispieler ist das Herberger-Argument kaum noch nachzuvollziehen, aber damals waren selbst viele der Topspieler noch halbtags in anderen Berufen tätig. Erst mit der Bundesliga-Einführung 1963 begann sich der Professionalismus im deutschen Fußball richtig durchzusetzen.

Doch da die meisten anderen europäischen Fußball-Verbände dem Ruf der Europäischen Fußball-Union (UEFA) folgten, fand der DFB für seine Nationalmannschaft für Freundschaftsspiele kaum noch Gegner. 1963 wurden nur vier Partien durchgeführt, 1964 lediglich fünf. Im November 1964 trat Helmut Schön die Nachfolge von Herberger an. Er befürwortete eine UEFA EM-Teilnahme. Für die nächste Auslage 1968, die erste offizielle UEFA Europameisterschaft, meldete sich der DFB an.



Den späteren Vize-Europameister Jugoslawien besiegte das bundesdeutsche Team 1967 in Hamburg mit 3:1. Gerd Müller erzielt per Kopf den Treffer zum 2:1. (Foto: Horstmüller)


Nachdem das bundesdeutsche Team 1966 bei der FIFA WM in England Vizeweltmeister geworden war, begann im Frühjahr 1967 die Qualifikation für die dritte UEFA EM. Die DFB-Mannschaft gelangte bei der Auslosung in die einzige Dreier-Gruppe und bekam es mit den Balkan-Gegnern Jugoslawien und Albanien zu tun. Der Auftakt am 8. April 1967 in Dortmund gegen Albanien wurde mit 6:0 gewonnen, Gerd Müller erzielte in seinem zweiten Länderspiel vier Tore. Es folgte ein 0:1 am 3. Mai in Belgrad gegen Jugoslawien, das am 7. Oktober mit einem 3:1 in Hamburg wett gemacht wurde.

Der Vize-Weltmeister brauchte aufgrund der besseren Tordifferenz gegen den „Jugos“ in Tirana nur noch die Albaner mit 1:0 zu schlagen, um sich für das Viertelfinale zu qualifizieren. Am 17. Dezember 1967 erreichten die Deutschen aber nur ein 0:0 im Quemal-Stadion. Das Negativerlebnis ist vielen Fußball-Fans im Land des dreimaligen Weltmeisters noch bis heute in Erinnerung. Beckenbauer, Müller, Maier und Seeler fehlten verletzt, aber Schön bot mit Löhr, Küppers, Held und dem Gladbacher Länderspiel-Neuling Meyer vier Stürmer auf, das es in der Bundesligasaison zusammen schon auf 50 Tore gebracht hatte. Das torlose Remis wurde wie eine ganz bittere Niederlage empfunden. Es schmerzte in den nächsten Monaten zusätzlich, dass Jugoslawien zunächst Frankreich ausschaltete, im Halbfinale Weltmeister England besiegte und erst nach zwei Endspielen von Italien bezwungen wurde.



Das 0:0 in Albanien im Dezember 1967 war für die deutsche Elf wie eine Niederlage: Overath, Netzer, Küppers, Patzke (von rechts), Höttges und Schulz (im Hintergrund). (Foto: Horstmüller)


Der UEFA EM-Start des Teams der Bundesrepublik Deutschland war also holprig. Nach zwei Nicht-Teilnahmen wurde der Einzug in die Runde der besten acht Mannschaften verfehlt. Es blieb aber das einzige Mal, dass der DFB nicht um den Gewinn des Henri-Delaunay-Pokals mitspielen konnte. Denn es folgte eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Das DFB-Team wurde zur erfolgreichsten aller europäischen Nationalmannschaften und ist es bis heute, obwohl es bei der UEFA EURO 2000™ in den Niederlanden und Belgien und auch bei der UEFA EURO 2004™ in Portugal im Feld der 16 Mannschaften die Gruppenspiele nicht überstand.

Drei Titelgewinne 1972, 1980 und 1996, zwei weitere Finalteilnahmen 1992 und 1976, eine zusätzliches Halbfinale 1988 – und seit 1972 bei allen neun Endrunden dabei: Das hat keine andere Mannschaft geschafft. Kein anderes Team hat so viele Spiele bei Endrunden absolviert (32), keine andere Mannschaft so viele Siege errungen (15). Rechnet man alle Partien nach der Drei-Punkte-Regel in eine Rangfolge um, liegt der DFB mit 55 Zählern vor den Niederlanden (50 Punkte/28 Spiele/14 Siege/7 Endrunden-Starts) und Frankreich (48/25/14/6).

Hier finden Sie weitere Informationen zum Europameister Deutschland...