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UEFA Europameister 2004: Griechenland

Bevor die UEFA EURO 2004™ in Portugal begann, fragten sich Fans und Experten, welche der großen Mannschaften mit den weltberühmten Topstars das Rennen machen würden. Frankreich, der Titelverteidiger, England, das noch keine UEFA EM gewinnen konnte, die früheren Europameister Niederlande, Spanien und Italien, sowie natürlich der Gastgeber Portugal wurden als Favoriten oft genannt. Auch Deutschland hatte sich zwei Jahre zuvor wieder in den Kreis der Weltklasse gespielt, als es bei der FIFA WM in Asien bis ins Finale vorstieß.



Das griechische Team, das mit 1:0 im Finale gegen Portugal gewann und die Sensation der UEFA Euro 2004 perfekt machte. (Foto: FIRO/Augenklick)


Doch am 4. Juli 2004 endete die UEFA Europameisterschaft mit einer echten Sensation. Sie war noch größer als der Sieg von Dänemark bei UEFA EM 1992. Griechenland hieß der neue Europameister. Die Hellenen, die zuvor bei ihrer einzigen UEFA EM-Endrundenteilnahme 1980 sieglos geblieben waren, gewannen im Eröffnungsspiel und im Finale zweimal gegen den Gastgeber Portugal, sie warfen Titelverteidiger Frankreich aus dem Wettbewerb, und sie schalteten das hoch eingestufte Team aus Tschechien aus. Dass der krasse Außenseiter auf den europäischen Thron stieg, war verdient. Die Griechen gewannen ein Turnier, das sich nach Meinung vieler Fachleute auf hohem Niveau bewegte. Es war laut Einstufung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) eine der besten Europameisterschaften seit der Geburtsstunde des Wettbewerbs im Jahr 1960. Die meisten Teams boten attraktiven Angriffsfußball mit hoher Risikobereitschaft. Das griechische Team scherte ein wenig aus diesem Konzept aus, aber der Triumph der Südeuropäer an diesem Sonntag im Juli im Estádio da Luz in Lissabon war nicht in Frage zu stellen.

Eine halbe Million Menschen empfingen am Tag danach das Team in der griechischen Hauptstadt Athen. Sie feierten ihre Helden ausgiebig. Die Spieler hatten schließlich wenige Wochen vor den Olympischen Spielen, die Athen stattfanden, Geschichte geschrieben und das hellenische Selbstbewusstsein wachsen lassen. Mit 1:0 hatte Griechenland gegen Gastgeber Portugal gewonnen. Angelos Charisteas krönte in der 57. Minute mit seinem Tor diesen einzigartigen Abend. Der Stürmer, damals bei Werder Bremen unter Vertrag stehend, wurde bei den Jubelfeiern in Athen besonders gefeiert. Und die Griechen bejubelten noch einen anderen Mann, der als Vater des Triumphs galt: Otto Rehhagel, der Deutsche, war als Trainer ganz besonders Linie für eine der ganz großen Sensationen der Fußball-Geschichte verantwortlich.


Rehhagel fand recht chaotische Verhältnisse vor, als er 2001 das Amt des Cheftrainers beim griechischen Fußball-Verband übernahm. Die sportliche Führung funktionierte nicht richtig, die Vereine waren zerstritten, die Nationalmannschaft besaß nur einen geringen Stellenwert. Der deutsche Trainer mit seinen umfassenden Erfahrung, die er allerdings nur in der Heimat gewonnen hatte, schaffte es, die Griechen davon zu überzeugen, dass nur eine gute Kooperation aller im hellenischen Fußball tätigen Kräfte zu Erfolgen führen könne.


Otto Rehhagel führte die Griechen zu einem ihrer größten Triumphe im Sport. Vor dem EM-Titel holte der deutsche Trainer in der Bundesliga mehrere Meisterschaften. (Foto: Feuer)

Rehhagel schaffte es auch, die Mannschaft anschließend kontinuierlich zu entwickeln. In der Qualifikation zur UEFA EURO 2004™ gingen allerdings zunächst die ersten beiden Partien verloren. Doch anschließend feierten die Griechen sechs Siege in Folge, in denen das Team sogar ohne Gegentreffer blieb.

Die Teilnahme an der UEFA EURO 2004™ verstanden die Griechen an sich schon als Erfolg. Zuvor hatte sich die Nationalmannschaft nur für zwei große Turniere qualifizieren können: Für die UEFA EM 1980 und die FIFA WM 1994. Insgesamt gab es dabei fünf Niederlagen und ein Remis (gegen Deutschland). Die FIFA WM in den USA verließ das Team sogar ohne Punkt und mit 0:10 Toren. Die Erwartungen vor der UEFA EURO 2004™ waren also begrenzt, aber schon mit dem Auftakt verblüfften die Griechen. Sie schlugen Portugal mit 2:1. Danach hieß es, das Gastgeber-Team wäre wegen der hohen Erwartungen sehr nervös gewesen. Niemand dachte daran, dass sich die beiden Teams im Finale noch einmal gegenüberstehen könnten. In der nächsten Partie erreichte die Rehhagel-Mannschaft ein 1:1 gegen Spanien. Das dritte Gruppenspiel wurde mit 1:2 gegen Russland verloren, aber die kpappe Niederlage reichte, um sich punktgleich vor Spanien den zweiten Gruppenplatz zu sichern.

Nun steigerte sich die Geschichte des wundersamen Aufstiegs der griechischen Fußballer mit jeder Partie. Mit Frankreich wurde im Viertelfinale der Titelverteidiger geschlagen, dann Tschechien im Halbfinale nach Hause geschickt und schließlich erneut im Finale der Favorit Portugal aus den Wolken geholt. Jedes Match war im Prinzip der Kampf David gegen Goliath. Jedesmal gewann David mit 1:0. Gegen die Franzosen und Portugiesen traf Charisteas, der in Bremen nicht einmal Stammspieler war, per Kopf. Gegen die Tschechen erzielte Traianos Dellas per Kopf das Silver Goal, das die Partie nach 105 Minuten beendete.

Es wurde intensiv diskutiert, wieso die UEFA EURO 2004™ mit dieser Sensation enden konnte. Wieso gewannen die Griechen mit einem taktischen System, das von nicht wenigen Experten als antiquiert bezeichnet wurde, weil Rehhagel mit einem Libero spielen ließ? Im Griechen-Team fehlte zudem ein Superstar. Immerhin wurden Torhüter Antonios Nikopolidis, Libero Traianos Dellas, Verteidiger Giourkas Seitaridis und Mittelfeld-Regisseur Theodoros Zagorakis in das All-Star-Team des Teams berufen. Die Analysen ergaben, dass die Griechen mit großem Teamgeist und enormer Disziplin spielten, jeder in der Elf nicht nur seine Aufgabe erfüllte, sondern auch einsprang, wenn einem Nebenmann Fehler unterliefen. Mit dem Konzept einer kontrollierten Offensive, in der zunächst die Defensivaufgaben zu lösen sind, hatte Rehhagel in Deutschland Werder Bremen mehrfach und den 1. FC Kaiserslautern einmal zur Meisterschaft geführt.

In Griechenland wurde der frühere Bundesliga-Verteidiger mit dieser Fußball-Philosophie zu „Rehhakles“ und „König Otto“. Der Trainer reagierte gereizt, wenn die Fragen bei Pressekonferenzen darauf hinausliefen, sein Team habe beim Weg auf dem Titel vom Zufall profitiert. „Es ist kein Glück, wenn man zweimal gegen Portugal gewinnt. Es ist auch kein Zufall, wenn man Frankreich und Tschechien besiegt“, sagte Rehhagel. Als Realist prophezeite er direkt nach den großen Jubelfeiern in Athen, dass der Titelgewinn keine Garantie für ewige Erfolge sei. Die Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™ in Deutschland verfehlte die Mannschaft als Gruppendritter hinter der Ukraine und der Türkei.